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Oliver Bierhoff (r.) ist seit Juli 2004 Manager der deutschen Nationalmannschaft © getty

Der Manager des DFB-Teams stärkt im SPORT1-Interview den kriselnden Stürmern den Rücken. Auch Kevin Kuranyi macht er Hoffnung.

Von Martin Volkmar

München - Die Zeit wird knapp.

Nur zwei Monate sind es noch bis zum WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien.

Und Bundestrainer Joachim Löw plagt sich mit jeder Menge offener Baustellen herum: Etliche Leistungsträger sind verletzt oder wie Mirolslav Klose und Lukas Podolski außer Form. Löw sprach zuletzt von einer "ernsten Situation". Nun bezieht der Manager Stellung.

Im Interview mit SPORT1 glaubt auch Oliver Bierhoff, dass die Weltmeisterschaft kein Selbstläufer wird. Zudem spricht der 41-Jährige über die schwächelnden Stürmer und die geplatzte Vertragsverlängerung.

Kevin Kuranyi macht Bierhoff Hoffnungen auf eine Rückkehr.

SPORT1: Jogi Löw bezeichnet die aktuelle Situation als "ernst". Sehen Sie das genauso?

Oliver Bierhoff: Natürlich wissen wir, dass die WM kein Selbstläufer ist. Uns ist klar, dass wir viel Arbeit vor uns haben. Einige Nationalspieler haben zuletzt nicht die Leistung gebracht, die man von ihnen gewohnt ist. Zum anderen haben wir Verletzungsprobleme, wie zum Beispiel bei Sami Khedira, Marcell Jansen oder Simon Rolfes.

SPORT1: Fürchten Sie, dass die Vorbereitungszeit auf die WM durch den Terminkalender zu kurz sein könnte?

Bierhoff: Wir müssen nun mal mit den Gegebenheiten leben, so wie andere Nationalmannschaftenen auch. Sicherlich hätte der Bundestrainer lieber mehr Zeit zur Verfügung, um mit der Mannschaft konzentriert auf die WM vorbereiten arbeiten zu können. Andererseits ist es natürlich schön und enorm wichtig für den deutschen Fußball, dass mit dem FC Bayern und dem Hamburger SV zwei Bundesligisten in Champions League und Euro League bis ins Halbfinale gekommen sind.

SPORT1: Welche Folgen hätte eine Qualifikation der Teams fürs Endspiel?

Bierhoff: Wenn die Bayern ins Champions-League-Finale kommen - was wir natürlich alle hoffen -, dann kommen die Spieler erst am 24. Mai zu uns. Es ist natürlich problematisch, wenn die Spieler quasi häppchenweise zum Team ins Trainingslager kommen. Aber wir werden das Beste daraus machen.

SPORT1: Sie haben die Formschwäche einiger Kandidaten bereits angesprochen. Das gilt auch für Miroslav Klose und Lukas Podolski. Wie beurteilen Sie als ehemaliger Stürmer die Situation?

Bierhoff: Wir wissen, was wir an beiden haben. Gerade Lukas und Miro haben bei großen Turnieren immer gezeigt, dass man auf sie zählen kann. Letztendlich gilt für jeden Spieler, sich nicht verrückt zu machen und sich auf seine Stärken zu besinnen.

SPORT1: Also muss man sich keine großen Sorgen machen?

Bierhoff: Ich mache mir über das Leistungspotenzial der Spieler keine Sorgen. Ob man das dann bei der WM abrufen kann, das muss man sehen. Es kann auch sein, dass bei einigen derzeit das Vertrauen ins eigene Können fehlt. Da wird es unsere Aufgabe sein, im psychologischen Bereich mit den Spielern zu arbeiten, dass sie sich bei der WM in bester Form präsentieren. Andererseits war es zum Beispiel bei Lukas Podolski schon häufiger so, dass es im Verein nicht lief und er dann bei der Nationalmannschaft seine Leistung gebracht hat.

SPORT1: Auch aufgrund der Probleme im Sturm denkt der Bundestrainer über eine Rückkehr von Kevin Kuranyi nach. Geben Sie ihm in dieser Frage Ratschläge?

Bierhoff: Die Entscheidung trifft immer der Bundestrainer und die trifft er vor allem mit seinem Trainerstab. Natürlich reden wir darüber, wenn es sich ergibt. Eins kann ich aber garantieren: Jogi Löw wird die sportlich beste Entscheidung für die Mannschaft treffen. (Beckenbauer setzt sich für Kuranyi ein)

SPORT1: Sind sie froh, dass diese und andere Baustellen die Diskussionen um die geplatzte Vertragsverlängerung in den Hintergrund gedrängt haben?

Bierhoff: Unruhe im Vorfeld solcher Turniere gibt?s immer, damit müssen wir leben und damit können wir auch umgehen. Richtig los geht es dann ab dem 12. Mai, wenn sich der Kader zur WM-Vorbereitung trifft. Insgesamt bin ich da sehr entspannt und glaube, dass wir uns gut auf das Turnier vorbereiten und dann hoffentlich auch eine gute Rolle in Südafrika spielen werden.

SPORT1: Sonst hätte die sportliche Leitung vermutlich auch nicht darauf verzichtet, noch vor der WM erneute Vertragsgespräche zu führen.

Bierhoff: Es gibt ja immer eine Außen- und eine Innenwirkung. Und da sehe ich dank unserer Professionalität und dem Verhältnis zum Präsidenten intern keine Probleme. Ich kann im Moment aber noch nicht abschätzen, welche Dynamik die unklare Situation in der Öffentlichkeit noch bekommen kann.

SPORT1: Es gibt viele Leute, die fest davon ausgehen, dass für Sie und das Trainerteam nach der WM auf jeden Fall Schluss ist. Halten Sie auch eine Verlängerung nach wie vor für möglich?

Bierhoff: Ich glaube, zu dem Thema ist alles gesagt. Wir konzentrieren uns nur auf die WM. Was danach kommt, beschäftigt uns jetzt nicht. Von meiner Einschätzung her ist alles möglich.

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