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Kevin Kuranyi spielt mittlerweile seit drei Jahren bei Schalke 04 © getty

Auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz gibt sich Kevin Kuranyi plötzlich kleinlaut.

Aus Gelsenkirchen berichtet Martin van de Flierdt

Gelsenkirchen - Zwei Tage nach seinem Abgang folgte die Erklärung.

Kevin Kuranyi hat sich nach seiner Flucht in der Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland (2:1) und dem anschließenden Rauswurf aus dem DFB-Team reumütig gezeigt.

"Es war ein Fehler, einfach so aus dem Stadion zu gehen", räumte der Schalker auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz ein.

"Es tut mir für die Mannschaft Leid, dass ich sie vielleicht an diesem Abend im Stich gelassen habe und einfach so gegangen bin."

Es sei vieles zusammen gekommen: "Ich stehe vollkommen hinter dieser Entscheidung. Ich bin einfach gegangen, weil ich das emotional als Mensch am besten fand."

Löw schließt Rückkehr aus

Bundestrainer Joachim Löw schloss derweil unter seiner Führung eine Rückkehr des Stürmers kategorisch aus. "Ich habe seine Entschuldigung abgenommen, aber meine Entscheidung steht. Dieses Verhalten konnte ich nicht akzeptieren", sagte er.

Kuranyi habe nach der Mannschaftssitzung am Samstag, in der er von seiner Nichtberücksichtigung für das Russland-Spiel erfahren hatte, ein Gespräch mit Löw gehabt.

"Ich habe ihm erklärt, dass ich mich mit der Situation unwohl fühle und vieles in mir durcheinander gekommen ist und ich nach Hause gehen werde. Das hat der Trainer auch angenommen."

Löw habe ihm aber mitgeteilt, dass er bis nach dem Spiel bleiben und dann mit ihm ein Gespräch führen solle.

"Keine Worte, um das wiedergutzumachen"

"Ich habe es versucht", meinte Kuranyi. "Ich habe gesagt, dass ich es aus Respekt vor der Mannschaft auf jeden Fall nicht vor dem Spiel, um dort nichts durcheinander zu bringen. Das habe ich getan."

Und weiter: "Ob ich in der Halbzeit, nach dem Spiel oder am nächsten Tag gegangen wäre - es wäre sowieso falsch gewesen. Ich weiß, dass es falsch war. Es gibt keine Worte, um das wieder gutzumachen."

Auch das Telefonat mit Löw am späten Sonntagnachmittag änderte nichts mehr an seinem Rauswurf aus dem Nationalteam.

"Ich habe ihm gesagt, was ich in den letzten drei Jahren gefühlt und erlebt habe, als Spieler und als Mensch", berichtete der Angreifer.

"Der Trainer hat meine Entschuldigung angenommen. Natürlich hatte er meinen Anruf vorher erwartet. Aber vorher konnte ich nicht. Da war ich zu Hause mit vielen Gedanken und wusste nicht, was ich machen sollte."

Kuranyi vermutet Verständnis

Das Gespräch sei "okay" gewesen: "Der Trainer weiß ganz genau, wieso ich so reagiert habe. Ich glaube, er hat auch Verständnis dafür."

Im Gegensatz zu Löw betrachtet Kuranyi seine Nationalmannschaftskarriere noch nicht unwiderruflich als abgeschlossen.

"Es war kein Rücktritt, sondern vielleicht ein Rausschmiss, weil ich gegangen bin", betrachtete es der 26-Jährige. "Wir werden für die Zukunft sehen, was passiert. Diese Auszeit ist jetzt so."

"Wichtig ist die Leistung"

Eine Rückkehr in die deutsche Auswahl schloss Kuranyi auf Nachfrage nicht kategorisch aus. "Das ist aber Zukunftsmusik", meinte er. "Wichtig ist, dass ich Leistung bringe."

Bis auf Weiteres wird er das nur im Verein tun können.

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