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Joachim Löw wurde mit Deutschland 2008 Vizeeuropameister © getty

Stefan Effenberg kritisiert den Bundestrainer und fordert die WM-Teilnahme von Torsten Frings. Sammer dagegen unterstützt Löw.

München - Bayerns streitbarer Ex-Kapitän Stefan Effenberg übt harsche Kritik an die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw.

"Der Bundestrainer muss einen Torsten Frings in Top-Form normal mit zur WM nehmen", sagte der 41-Jährige der "Bild am Sonntag".

Effenberg weiter: "Das ist wie mit Kevin Kuranyi. Der Jogi Löw macht sich doch selbst das Leben schwer."

Auch die offenbar unumstrittene Position von DFB-Kapitän Michael Ballack ist für ihn nicht gerechtfertigt:

"Der spielt doch bei Chelsea momentan selten über 90 Minuten. Das macht ihn nicht gerade unantastbar".

Anderer Meinung ist dagegen Matthias Sammer.

Trotz der Diskussionen um Kuranyi und die Nominierungskriterien bei der deutschen Nationalmannschaft stärkte der DFB-Sportdirektor dem Bundestrainer den Rücken.

"Ich kann nicht erkennen, dass Jogi Löw ernsthaft in der Kritik steht. Alle Themen rund um die Nationalmannschaft sind stets hochemotional. Löw darf das nicht tangieren", sagte Sammer im Interview mit der "Welt am Sonntag".

"Löw trifft die Entscheidungen"

Zuletzt war immer wieder darüber spekuliert worden, dass Sammer als möglicher Bundestrainer in Frage käme, falls Löw nach der WM seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern sollte.

Nun aber wirbt ausgerechnet Sammer um Unterstützung für die Entscheidungen von Löw.

"Als DFB-Sportdirektor sage ich, dass Löw unser Bundestrainer ist und er die Entscheidungen trifft, wen er für seine Mannschaft braucht. Diese sind von allen zu respektieren", sagte der Europameister von 1996.

Schweinsteiger als Ballack-Nachfolger

Dennoch schaltete sich Sammer auch in die sportlichen Fragen bei der Nationalmannschaft ein.

So ist der DFB-Sportdirektor davon überzeugt, dass Bastian Schweinsteiger in Zukunft die Rolle von DFB-Kapitän Ballack als Führungsspieler übernehmen wird.

"Keine Frage, das kann er. Er ist in der Lage, der Nationalmannschaft in Zukunft seinen Stempel aufzudrücken", sagte Sammer, der im Gegensatz zu Effenberg auch Ballack eine starke WM zutraut:

"Er wird bei der Weltmeisterschaft erneut seine ganze Klasse abrufen, da bin ich sicher."

Kuranyi-Comeback unwahrscheinlich

Zunehmend unwahrscheinlicher wird dagegen die seit Wochen diskutierte Begnadigung von Schalkes Angreifer Kuranyi für die WM in Südafrika.

Nach zuletzt drei schwachen Spielen ohne Torerfolg musste sich der Angreifer nach dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin am Samstag sogar Kritik von seinem Trainer Felix Magath gefallen lassen.

"Wir können nicht zufrieden sein mit dem, wie Kevin zurzeit spielt", sagte Magath.

Die Konkurrenz trifft

Während Leverkusens Angreifer Stefan Kießling beim 3:0 gegen Hannover 96 mit einem Doppelpack (schon 21 Saisontreffer) erfolgreich war und auch Stuttgarts Cacau sowie Bayern-Stürmer Miroslav Klose am 32. Spieltag getroffen hatten, konnte Kuranyi erneut keine Werbung für ein Comeback in der Nationalelf betreiben.

Eine Rückkehr des Schalker Stürmers scheint trotz der anhaltenden Formschwäche des Kölners Lukas Podolski in immer weitere Ferne zu rücken.

"Entscheidung des Bundestrainers"

"Das ist die Entscheidung des Bundestrainers. Nur Joachim Löw kann entscheiden, ob er bei der WM lieber mit einem Typ wie Kuranyi oder einem Podolski spielt", sagte Magath im "ZDF":

"Zudem hat er sich ja sehr frühzeitig festgelegt, dass er Kevin nicht unbedingt mitnehmen will. Von daher ist es jetzt natürlich schwierig für ihn zu sagen: 'Kevin, komm doch mit.'"

Ballack fehlt zu Beginn

"Bei ihm sehe ich keine Probleme", sagte er.

Weil Ballack mit Chelsea aber noch das FA-Cup-Finale am 15. Mai gegen den FC Portsmouth bestreiten muss, wird Löw zu Beginn der Vorbereitungsphase und beim ersten Testspiel am 13. Mai gegen Malta in Aachen auf ihn verzichten müssen.

Am 29. Mai in Budapest gegen Ungarn müsste Ballack aber auflaufen können.

Adler fraglich

Dagegen glaubt Sammer, dass die Leistungen von Kuranyi in der aktuellen Saison in die Entscheidung von Löw "einfließen" werden.

"Er hat sich nach der Suspendierung nie hängen lassen, sich nicht versteckt, sondern hat die richtige Antwort gegeben. Es gibt immer wieder Entscheidungen, die irgendwann erneut auf den Prüfstand müssen und überdacht sein wollen", sagte Sammer.

Auch dass Löw bei einer Begnadigung Kuranyis für die WM einen Autoritätsverlust erleiden würde, glaubt Sammer nicht.

"Bei der Nationalmannschaft wurden schon nach wesentlich schlimmeren Verfehlungen Entscheidungen revidiert. Es muss nur die Voraussetzung stimmen, eine Wiederholung der Vorfälle muss ausgeschlossen werden können. Dann ist eine Begnadigung ein Zeichen von Größe", sagte Sammer.

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