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Kevin Kuranyi spielt mittlerweile seit drei Jahren bei Schalke 04 © getty

Auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz gibt sich Kevin Kuranyi plötzlich kleinlaut.

Aus Gelsenkirchen berichtet Martin van de Flierdt

Gelsenkirchen - Nur eine Handvoll Schalker Fans hatte Wind davon bekommen.

Kevin Kuranyi erklärte am Montagmittag in der Veltins-Arena seinen merkwürdigen Abgang aus dem Dortmunder Stadion während des deutschen 2:1-Erfolges gegen Russland.

Das Begrüßungsbanner mit der Aufschrift "Kevin, wir glauben an dich!" wirkte vor dem gewaltigen Gebäude dann auch ähnlich einsam wie die Entscheidung des Schalker Stürmers am vergangenen Samstag.

Im Presseraum ging es dagegen hoch her.

"Als ich mich entschieden habe, aus dem Stadion zu gehen, habe ich nicht gedacht, dass heute so viele Leute, Kameras und Journalisten hier sein würden", meinte ein nervlich angeschlagener Kuranyi, der gegen seine Tränen ankämpfte mit leiser und brüchiger Stimme.

In einem achtminütigen Monolog verdeutlichte der 26-Jährige in ruhigem Ton seine Situation, die der Flucht aus dem Lager der deutschen Auswahl vorausgegangen war.

"Kein Mensch steckt in meinem Körper"

"Kein Mensch steckt in meinem Körper, steckt in meinen Gedanken, steckt in meiner Psyche, um zu fühlen, wie schlimm das für mich ist", so Kuranyi, der aber bekannte, dass es "ein Fehler" gewesen sei "einfach so aus dem Stadion zu gehen".

"Es tut mir für die Mannschaft Leid, ich habe sie am Samstag im Stich gelassen."

Trotz seiner Entschuldigung bei Bundestrainer Joachim Löw und der grundsätzlichen Bereitschaft, wieder für Deutschland zu spielen, ist seine Nationalmannschaftskarriere wohl beendet.

"Ich habe seine Entschuldigung angenommen, aber meine Entscheidung steht. Dieses Verhalten konnte ich nicht akzeptieren", stellte Löw unmissverständlich klar.

Die "Sache Kuranyi" sei für ihn damit erledigt.

Sport1.de hat Kuranyis Aussagen vom Montag zusammengefasst.

Kevin Kuranyi über?

seine Flucht aus dem Dortmunder Stadion:

"Es war ein Fehler, einfach so aus dem Stadion zu gehen. Da ist vieles zusammen gekommen. Ich stehe vollkommen hinter dieser Entscheidung. Ich bin einfach gegangen, weil ich das emotional als Mensch am besten fand.

Ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer nach der Mannschaftssitzung. Ich habe ihm erklärt, dass ich mich mit der Situation unwohl fühle und vieles in mir durcheinander gekommen ist und ich nach Hause gehen werde.

Ob ich in der Halbzeit, nach dem Spiel oder am nächsten Tag gegangen wäre - es wäre sowieso falsch gewesen. Ich weiß, dass es falsch war. Es gibt keine Worte, um das wieder gutzumachen. Als Schalker Spieler ist es schwierig genug, in Dortmund auf der Tribüne zu sein."

seine Beweggründe:

"Es war eine sehr schwierige Situation für mich, weil ich das alles zusammen gesehen habe: Wir haben eine Weltmeisterschaft zu Hause gehabt. Kevin Kuranyi war nicht dabei. Ich habe davor auch unter Trainer Jürgen Klinsmann alles gegeben und viele Tore geschossen. Leider war ich bei dem großen Traum, den ein Spieler hat, nicht dabei.

Sich nach der WM wieder zurück zu arbeiten hat viel Kraft gekostet. In den letzten Wochen war es sehr schwierig: Ich bin so oft ausgepfiffen worden im eigenen Stadion. Das wünsche ich keinem Spieler der Welt.

Die Situation in Verein und Nationalmannschaft war hart. Ich hoffe, dass die Menschen das verstehen. Der Zusammenbruch war das Gesamte, was in den letzten Jahren passiert ist. Ich bin gegangen, weil ich das, was in den vergangenen Jahren passiert ist, nicht mehr ertragen konnte."

das Telefonat mit Löw:

"Ich habe ihm gesagt, was ich in den letzten drei Jahren gefühlt und erlebt habe, als Spieler und als Mensch. Der Trainer hat meine Entschuldigung angenommen.

Natürlich hatte man meinen Anruf vorher erwartet. Aber vorher konnte ich nicht. Da war ich zu Hause mit vielen Gedanken und wusste nicht, was ich machen sollte. Das Gespräch war okay. Der Trainer weiß ganz genau, wieso ich so reagiert habe. Ich glaube, er hat auch Verständnis dafür."

die Konsequenz:

"Ich hoffe, dass es schnell vorbei ist. Das ist einfach zu viel. Ich hoffe, dass sich die Leute beruhigen, alles wieder zum Alltag wird und ich mich wieder auf Fußball konzentrieren kann. Ich habe noch genügend Ziele, die ich erreichen will."

Rücktritt, Rauswurf und Comeback:

"Es war kein Rücktritt, sondern vielleicht ein Rausschmiss, weil ich gegangen bin. Es war eine Entscheidung vom Trainer, bevor wir miteinander gesprochen haben. Die ist so zu akzeptieren.

Wir werden für die Zukunft sehen, was passiert. Diese Auszeit ist jetzt so. Eine Rückkehr schließe ich nicht kategorisch aus. Aber das ist Zukunftsmusik. Wichtig ist, dass ich Leistung bringe."

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