Kevin Kuranyi war sich über die gravierenden Auswirkungen seines Handelns nicht bewusst, der reumütige Auftritt kommt aber zu spät.

Man braucht nicht lange um den heißen Brei herum zu reden:

Kevin Kuranyi hat die Folgen seiner überstürzten Flucht aus dem Dortmunder Stadion während des Spiels der deutschen Mannschaft gegen Russland offenbar total unterschätzt.

Natürlich hat er durch die Ausbootung vor der WM 2006, die Abspeisung mit ein paar Kurzeinsätzen bei der EM 2008 und die Rückversetzung auf die Tribüne am vergangenen Samstag Rückschläge verkraften müssen.

Dass diese negativen Ereignisse seine - wie die Äußerungen am Montag vermuten lassen - nicht außerordentlich stabile Psyche genauso angegriffen haben wie die immer häufigeren Pfiffe der eigenen Schalker Fans in den vergangenen Wochen, ist durchaus nachvollziehbar.

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Kuranyi ist ein emotionaler Mensch, und am Samstag wurde er Opfer seiner menschlichen Emotion.

Mit ein wenig Abstand scheint ihm am Sonntagnachmittag klar geworden sein, welcher Teufel ihn da geritten hat.

Zu gerne wäre er weiterhin Nationalspieler. Das belegte der Umstand, dass er auf der Pressekonferenz kein einziges negatives Wort über Trainer, Mitspieler oder Umfeld des DFB-Teams verlor.

Ganz im Gegenteil: Er schwärmte vom Dasein des Nationalspielers, widersprach der Ansicht, er sei zurückgetreten und schloss auch ein Comeback nicht kategorisch aus.

Bundestrainer Joachim Löw hat unglückseligerweise für Kuranyi auf diesen Topf aber schon den Deckel gemacht.

Deshalb würde der Schalker die verfrühte Heimreise am liebsten ungeschehen machen. Auch damit sich das Ausmaß an öffentlichem Interesse wieder normalisiert, über das er am Montag fast erschrocken war.

Dass sein Klubmanager Andreas Müller ihn nun lautstark und mit markigen Worten gegen den Vorwurf der Stillosigkeit verteidigt, ihm den Rücken stärkt und den Umgang des DFB mit Kuranyi kritisiert, geschieht nicht allein aus Nächstenliebe.

Denn einen Torjäger, der mit den Nerven runter ist, in ein Leistungsloch fällt und womöglich seinen Marktwert drastisch reduziert, können und wollen sich die Königsblauen nicht leisten.

Müller jedenfalls ist nicht der Vorwurf zu machen, er würde die Folgen von Kuranyis Nacht- und Nebelaktion unterschätzen.

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