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Mit Bravour meisterte Rene Adler sein Debüt im Nationalteam © getty

Nach seinem glänzenden Debüt gegen Russland wird Rene Adler gegen Wales erneut im DFB-Tor stehen und vermutlich auch darüber hinaus.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Düsseldorf - Der Mann hat offensichtlich Großes vor.

"Ich habe ein Länderspiel gemacht", sagte Rene Adler. "Das war ein wichtiges und schönes Etappenziel für mich."

Eine Etappe macht bekanntlich nur den Teil einer Wegstrecke aus. So wie Adler beim 2:1 gegen Russland, seiner Premiere zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft agiert hat, dürfte diese Strecke eine längere werden.

"Wir wissen ja schon aus der Bundesliga und der EM, was Rene so kann", sagte Philipp Lahm Sport1.de.

Und Bastian Schweinsteiger ergänzte: "Es ist gut, so einen Torwart hinter sich zu haben."

Das sehen offenbar alle Nationalspieler so, die nach dem Schlusspfiff den Schlussmann in ihre Arme schlossen.

Klassepartie mit leichten Anlaufproblemen

Zuvor hatte der 23-Jährige eine Vorstellung frei von Fehl und Tadel gezeigt, so dass er auch im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE) auflaufen wird.

Spektakuläre Höhepunkte im Russland-Spiel waren die Paraden zweier Kopfbälle von Pavel Pogrebnijak aus nächster Nähe. Dass sich der Angreifer dabei jeweils im Abseits befand, nahm den Torwartaktionen nichts von ihrer Wirkung.

"Er hat gezeigt, was er schon vorher ausgestrahlt hat", lobte Bundestrainer Joachim Löw. "Eine unglaubliche Ruhe, Souveränität und eine richtige Gelassenheit."

Nervosität? Fehlanzeige.

Hervorragende Quote

Neun von zehn Abstößen, Abwürfen oder Freistößen brachte der Leverkusener an den eigenen Mann. Adler verfügt zudem über eine Außenwirkung, die ihn für die Rolle des gut aussehenden Torwart-Heros prädestiniert.

Etwas, das seinem eher nüchternen Vorgänger Robert Enke fehlt, dessen Kahnbeinbruch im Donnerstagstraining Adler erst den Platz in der Startelf einbrachte.

"Wichtig ist vor allem, dass ein Torhüter seiner Mannschaft ein Gefühl von Sicherheit vermittelt", sagte Adler der "Süddeutschen Zeitung". "Deshalb war es in meinem ersten Länderspiel extrem wichtig, dass die Mannschaft Vertrauen zu mir fasst."

Chance einrucksvoll genutzt

Wie im Februar 2007, als er den rotgesperrten Hans-Jörg Butt im Leverkusener Tor beim 1:0 auf Schalke so gut vertrat, dass der damalige Trainer Michael Skibbe nicht mehr auf ihn verzichten wollte, hat er nun im DFB-Team die Absenz des Konkurrenten zur Werbung in eigener Sache genutzt.

"Ich werde nach einem Länderspiel aber nicht sagen, dass ich die Nummer eins bin", meint er zwar. Die nach dem Russland-Spiel verbreitete Ansicht in Fußball-Deutschland sieht allerdings anders aus.

"Ich habe den künftigen Nationaltorwart gesehen", soll Leverkusens Torwart-Trainer Rüdiger Vollborn, damals auch als Scout in DFB-Diensten unterwegs, schon gesagt haben, als er den 15-jährigen Rene Adler in Leipzig erstmals zu Gesicht bekam.

Ein Mann für Bayern?

Der ehemalige Bayer-Keeper lotste das Talent an den Rhein, trainierte ihn und ließ ihn im Dachgeschoss seines Hauses wohnen.

Nun, da Vollborns Prognose eingetroffen ist, wird spekuliert, ob Adler nicht auch das Torwartproblem bei Bayern München lösen könnte, wo sich Michael Rensing als Erbe Oliver Kahns etwas schwer tut.

"Ich möchte erst einmal Bayer einiges zurückzahlen", weist Adler diesen Gedanken weit von sich. "Bei einem Wechsel muss der Klub auch nicht unbedingt Bayern München heißen."

Mit Understatement nach oben

Bis 2012 läuft der Kontrakt des Fans von Peter Schmeichel in Leverkusen. Spätestens dann dürfte Adler bei einer entsprechenden Weiterentwicklung auch bei einigen Klubs der absoluten europäischen Elite ein ernsthaftes Thema werden.

"Ich bin einer, der alles immer mit ein bisschen Understatement betrachtet", meint er. "Ich will ja nicht sagen, dass ich jetzt ein ganz Großer bin."

Aber Adler ist auf dem besten Wege.

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