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Michael Ballack (r.) trägt im Verein und im DFB-Team die Trikotnummer 13 © imago

Löw plant gegen Wales dieselbe Elf wie gegen Russland aufzubieten. Hoffnung auf den Kapitän macht Bierhoff.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Düsseldorf - Einen Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Wales (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) steht weiterhin ein Fragezeichen hinter der Einsatzfähigkeit von Kapitän Michael Ballack.

Der 32-Jährige hatte am Samstag beim 2:1 gegen Russland einen Schlag auf die rechte Wade erhalten.

"Wir kennen ja sein Problem mit der Wade", spielte Oliver Bierhoff am Dienstag auf ähnliche Blessuren vor dem Start der WM 2006 und im Vorfeld des EM-Endspiels 2008 an.

Ballack konnte auch nicht am Abschlusstraining der Nationalmannschaft am Dienstagabend teilnehmen. Bereits am Vortag hatte er die Übungseinheit verpasst.

"Er wird wird weiter im Hotel von unseren Ärzten und Physiotherapeuten intensiv behandelt, man kann aber noch keine Prognose abgeben, sondern muss von Stunde zu Stunde abwarten, wie die Reaktion ist", sagte Teammanager Bierhoff: "Wir arbeiten die ganze Zeit daran, dass Michael auflaufen kann."

Miroslav Klose ist in dieser Hinsicht optimistisch: "So weit ich informiert bin, ist es nicht wirklich so schlimm."

Keine Zweifel an Ballacks Wichtigkeit

Von Ballacks Einsatzfähigkeit hängt wesentlich ab, wer gegen die Waliser die deutsche Mittelfeldzentrale besetzt. An der Bedeutung des Chelsea-Legionärs für das deutsche Team hatte es nicht zuletzt aufgrund seines Tores gegen die Russen keine Zweifel mehr gegeben.

"Michael Ballack ist ein Spieler mit großem Format", pries Bundestrainer Joachim Löw seinen "unumstrittenen Kapitän". "In entscheidenden Momenten war er da, hat gut organisiert und die Mannschaft geführt. Es war wichtig, dass sich die jungen Spieler an ihm orientieren konnten."

Sogar Bierhoff, dessen zwischenmenschliches Verhältnis zu dem Kapitän durch die Nachwehen des EM-Finals belastet gewesen war, bekannte es falle "nicht schwer, sportlich ein Ballack-Fan zu sein".

Quartett kämpft um die Mittelfeldzentrale

Für die Position neben Ballack - oder eben an seiner statt - bewerben sich mit Thomas Hitzlsperger, Torsten Frings, Simon Rolfes und Jermaine Jones gleich vier Kandidaten.

"Es ist jetzt wirklich der große Konkurrenzkampf eingetreten, der vor dem Belgien-Spiel ausgerufen wurde", sagte Hitzlsperger, der am Samstag von Beginn an spielen durfte. "Vor dem Russland-Spiel war es so, dass erstmals alle Spieler, die für die zentrale Mittelfeldposition in Frage kommen, fit waren."

Der Kampf um einen Platz in der Startelf habe den Effekt, dass man "sich gegenseitig mit der Leistung hochzieht". Es sei "sehr angenehm gewesen", neben Ballack zu spielen.

Hitzlsperger arbeitet gerne für Ballack

"Er hat schon Klasse", zollte der 26-Jährige dem Leitwolf Respekt. "Und mir macht es auch nichts aus, auch mal Löcher zu stopfen."

Aus dem Umstand, dass er in Dortmund erstmals einem gesunden Torsten Frings vorgezogen wurde, wollte der Stuttgarter für die Begegnung gegen Wales keine Rückschlüsse ziehen.

"Es gibt keine Einsatzgarantie, man muss ständig auf der Hut sein, immer kämpfen", meinte Hitzlsperger. "Keiner von uns kann für sich in Anspruch nehmen, Stammspieler zu sein."

Handlungsschnelligkeit als Pluspunkt

Löw verfolgt den Kampf um die Schaltzentrale mit Wohlwollen. "Hitzlsperger ist ein sehr handlungsschneller Spieler, der Situationen schnell erfasst und schnelle Pässe nach vorn spielt", lobte er den Wochenendgewinner des Verdrängungswettbewerbs.

"Ich hätte aber auch andere Spieler wie Frings oder Rolfes auf dieser Position ohne Probleme bringen können. Alle drei haben in dieser Woche wirklich gut trainiert, sich richtig ins Zeug gelegt. Diese Entscheidung ist mir auch schwer gefallen."

Sie dürfte vor dem Vergleich mit den Walisern nicht einfacher werden, zumal Frings "eine gute Reaktion gezeigt hat", wie Löw fand, indem er am Samstag in der Kabine seine Kollegen angeheizt hatte.

Frings "nach wie vor wichtig"

"Ich schätze Frings über alles", bekannte der Bundestrainer. "Er hat unglaubliche Leidenschaft für den Fußball, Power und Einsatz. Ich weiß, dass Frings nach wie vor ein wichtiger Spieler ist."

Ähnliches gilt für Rolfes, dessen Fähigkeit, den Ball zügig, technisch sauber und mit Übersicht weiterzuleiten, Löw imponiert. Jones muss sich dagegen seine Sporen im Kreis der DFB-Auswahl erst noch verdienen.

Das kann mitunter eine Weile dauern. "Ich bin jetzt vier Jahre dabei", sagt Hitzlsperger, der Inhaber der Pole Position.

"Da ist mein Stellenwert ein anderer als damals, weil auch meine Leistungen besser wurden." Wie es aussieht, wird ihm dieser Stellenwert auch am Mittwoch in Mönchengladbach einen Platz in der ersten Elf verschaffen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Adler - Friedrich Mertesacker, Westermann, Lahm - Schweinsteiger, Ballack (Frings), Hitzlsperger, Trochowski - Klose, Podolski

Wales: Hennessey - Gunter, Morgan, Williams, Bale - Robinson, Edwards - Davies, Koumas, Bellamy - Evans

Schiedsrichter: Laurent Duhamel (Frankreich)

Wird Ballack rechtzeitig fit? - jetzt mitdiskutieren!

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