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Kevin Kuranyi bestritt sein 52. und letztes Länderspiel 2008 gegen Liechtenstein © imago

Für den Schalker gibt es trotz starker Rückrunde unter Jogi Löw definitiv kein Comeback im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Von Martin Volkmar

München - WM-Aus für Kevin Kuranyi: Joachim Löw verzichtet bei der Endrunde in Südafrika auf den Schalker Torjäger.

Dies teilte der Bundestrainer dem 28-Jährigen am Montag in einem Telefonat "in aller Offenheit" mit.

Der Angreifer, der bislang 18 Saisontore erzielt hatte, reagierte erwartungsgemäß enttäuscht.

"Wie jeder Fußballer habe ich schon als kleines Kind davon geträumt, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen", erklärte Kuranyi.

"Dieser Traum ist jetzt bereits zum zweiten Mal geplatzt. Deshalb ist es klar, dass mich diese Entscheidung sehr traurig macht."

Nur sportliche Gründe entscheidend

Löw betonte, für den Verzicht seien rein sportliche Gründe entscheidend gewesen und keineswegs Kuranyis Stadion-Flucht im Oktober 2008.

"Der disziplinarische Vorfall hat für mich letztlich keine Rolle mehr gespielt. Denn es wäre für uns kein Problem gewesen, ihm trotzdem in der Nationalmannschaft eine neue Chance zu geben", sagte der DFB-Coach.

"Bei allen Überlegungen in unserem Trainerteam sind wir jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass wir taktisch und personell andere Vorstellungen für die Zusammenstellung des WM-Aufgebots haben."

Gleichwohl habe Kurayni "eine starke Saison gespielt hat" und er halte ihn "für einen charakterlich einwandfreien Profi".

Kritik am Vorgehen des Bundestrainers übte Felix Magath. "Es war doch im Grunde klar, dass Löw so entscheiden würde", sagte der Schalke-Coach der "Welt".

"Warum hätte man sich sonst nach 30 Spieltagen zusammengesetzt und darüber diskutiert, ihn mitzunehmen, und sich dann doch wieder auf das Saisonende vertagt."

Entscheidung über WM-Aufgebot erst am 1. Juni

Zudem teilte der DFB-Coach mit, dass er am Donnerstag (12 Uhr) im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum nur einen vorläufigen WM-Kader bekanntgeben werde.

Die Entscheidung über die 23 Südafrika-Teilnehmer werde erst mit Ablauf der FIFA-Meldefrist am 1. Juni 2010 während des Trainingslagers in Südtirol fallen.

Während die Wackelkandidaten wie etwa Thomas Hitzlsperger also weiter bangen müssen, hat Kuranyi seit Montag traurige Gewissheit.

Damit wird es kein Comeback geben, für das sich nach seiner starken Saison zuletzt zahlreiche Experten ausgesprochen hatten.

"Wir wollen in Südafrika den vierten Weltmeister-Stern. Und dafür brauchen wir jeden Top-Spieler. Auch Kevin Kuranyi", hatte etwa Franz Beckenbauer erklärt.

"Weiß, das ich damals Mist gebaut habe"

Kuranyi war im Oktober 2008 in der Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland (2:1) aus Frust über seine Nicht-Berücksichtigung aus dem Dortmunder Stadion geflüchtet.

"Ich weiß, dass ich damals Mist gebaut habe. Deshalb habe ich mich persönlich und öffentlich dafür entschuldigt. Und ich habe auch sportlich in dieser Saison alles gegeben", erklärte Kuranyi nun.

"Leider hat das nicht gereicht. Aber das ist eine Entscheidung des Bundestrainers, die ich akzeptiere und respektiere. Natürlich wünsche ich dem Trainer und der Mannschaft das Beste für Südafrika. Und ich werde wie jeder Fan vor dem Fernseher die Daumen drücken."

Bis dahin dürfte auch feststehen, in welchem Verein Kuranyi in Zukunft spielt. Angeblich soll sein Abschied auf Schalke feststehen und ein Wechsel zu Dynamo Moskau fast sicher sein.

Als weitere Interessenten gelten Manchester City, Galatasaray Istanbul, Fenerbahce Istanbul und Juventus Turin.

(Dienstag-Ausgabe): `Jeder Trainer muss seine

Entscheidungen allein treffen. Darum beurteile ich diese

Entscheidung von Löw nicht. Jeder hat sie zu akzeptieren."

Mehrere U-21-Spieler gegen Malta dabei

Neben seinem vergrößerten Kader wird Löw für das Benefiz-Länderspiel gegen Malta am 13. Mai in Aachen mehrere Perspektivspieler aus der U 21 nominieren.

Grund ist die Abwesenheit der WM-Kandidaten der DFB-Pokalfinalisten Bayern München und Werder Bremen sowie von Michael Ballack, der ebenfalls am 15. Mai das FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea bestreiten wird.

Der Kapitän und die Werder-Profis werden dann zum Regenerations-Trainingslager nach Sizilien (14. bis 21. Mai) nachreisen.

Dagegen stoßen die Bayern-Spieler erst zwei Tage nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand (22. Mai) zur DFB-Auswahl.

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