So bitter das WM-Aus für Kevin Kuranyi ist: Wirklich überraschend kam die Entscheidung von Joachim Löw gegen den Schalker nicht.

Auch wenn Felix Magath das völlig anders sieht, hat Joachim Löw letztlich aus seiner Sicht alles richtig gemacht.

Der Bundestrainer hat die vehementen Forderungen nach einem Comeback von Kevin Kuranyi in der Nationalmannschaft vor einigen Wochen zum verstummen gebracht.

Damals kündigte er an, einerseits über eine Begnadigung des Schalker Torjägers nachzudenken, andererseits aber eine Entscheidung erst kurz vor Saisonende zu treffen.

Zum Verdruss von Magath, der das befürchtete, was eintrat: Kuranyi erzielte vielleicht auch aufgrund der unklaren Situation seitdem keinen Treffer mehr und seine Formkurve zeigte deutlich nach unten.

Das machte es Löw leichter, sich nun gegen ein Comeback zu entscheiden. Zumal die große Frage ist, ob Kuranyi bei einer WM tatsächlich eine Hilfe sein kann.

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Schließlich ist der 28-Jährige nicht aus reiner Boshaftigkeit von Jürgen Klinsmann kurz vor der WM 2006 aussortiert worden - ebenso wenig wie Löw ihn im Oktober 2008 nur auf die Tribüne setzte, woraufhin Kuranyi bekanntlich frustriert aus dem Stadion flüchtete.

Kuranyi ist bis heute den Beweis schuldig geblieben, dass er auf internationalem Top-Niveau genauso torgefährlich ist wie gegen Nürnberg oder Hoffenheim.

Deshalb war er unter Löw bei der EM 2008 auch nur zweite Wahl, ehe er in der zweiten Halbzeit des Endspiels gegen Spanien eingewechselt wurde - und total untertauchte.

Am Ende dürften also Löws Zweifel an Kuranyis Klasse die Oberhand behalten haben.

Positiver Nebenaffekt: Der Bundestrainer steht nicht als Umfaller da, schließlich sollte der Stadionflüchtling "nie mehr" in seiner Amtszeit das DFB-Trikot tragen.

Allerdings muss Löw damit leben, dass die Zahl seiner Kritiker ins Unermessliche steigen wird, wenn Kuranyis Konkurrenten es bei der WM-Endrunde nicht besser machen.

Und daran kann man nach den höchst mäßigen Rückrundenleistungen von Miroslav Klose, Mario Gomez und Lukas Podolski erhebliche Zweifel haben.

Doch dieses Trio war unter anderem wegen ihrer Verdienste in der Vergangenheit für Südafrika gesetzt.

Und Löw wollte weder auf Stefan Kießling, der noch erfolgreicher als Kuranyi war, noch auf den zuletzt stark aufspielenden Cacau verzichten.

Damit war die Entscheidung gegen Kuranyi letztlich keine große Überraschung mehr.

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