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John Benjamin Toshack begann seine Trainerkarriere 1978 bei Swansea City © getty

Wales steckt sich vor dem Spiel gegen Deutschland ein hohes Ziel: Die WM-Qualifikation. Ihr Kapitän kehrt dabei zurück.

Mönchengladbach - Mit einem exzentrischen Star und einem Ex-Trainer von Real Madrid will die walisische Fußball-Nationalmannschaft ihre mehr als 50-jährige Durststrecke beenden.

Erstmals seit der WM 1958 wollen sich die Briten für ein großes Turnier qualifizieren und dabei auch die Hürde Deutschland am Mittwoch in Mönchengladbach (ab 20.45 Uhr live ) nehmen.

"Wir haben letzten November in Frankfurt ein 0:0 geholt. Dieses Ergebnis zu wiederholen, wäre toll", sagt Teammanager John Toshack.

Dass Deutschland vor dem damaligen EM-Qualifikationsspiel schon für die Endrunde qualifiziert war und diesmal auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika noch alle Punkte braucht, irritiert den erfahrenen Coach nicht: "Uns fehlen im Gegensatz zu damals Danny Gabbidon und Joe Ledley, dafür sind Jason Koumas und Craig Bellamy zurück.

Unter dem Strich denke ich, dass wir eher stärker sind."

Bellamy als Heilsbringer

Vor allem die Rückkehr des eigenwilligen Kapitäns Bellamy nährt die Hoffnungen der Waliser auf den vierten Überraschungscoup in sechs Spielen gegen die DFB-Auswahl. "Er hat am Dienstag voll mittrainiert, er ist fit und kann spielen", sagte Toshack.

Vor dem Remis in Frankfurt hatten die Drachen bereits durch einen 1:0-Erfolg im Länderspiel im Mai 2002 in Cardiff und ein 1:1 im April 1995 in der EM-Qualifikation in Düsseldorf überrascht.

Beim 80-Minuten-Comeback nach einem Jahr gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein (2:0) ging der Offensivspieler von West Ham United leer aus.

Mit drei Toren im Rückstand

Zudem vergab er einen Strafstoß derart kläglich, dass er zugeben musste, "dass der Torwart nur aufpassen musste, nicht über den Ball zu stolpern".

Toshack ist dies sogar fast recht: "Er weiß, dass er eigentlich drei Tore hätte machen müssen. Aber so ist er nun besonders heiß auf Deutschland."

Bellamy, der in seiner Karriere schon durch zahlreiche Eskapaden auffiel, kündigte gelassen an, "dass ich eh lieber gegen große Gegner treffe". Der Waliser schaut de Partie zuversichtlich entgegen: "Ich fühle mich gut und bereit für die vollen 90 Minuten."

Die Schmach vom Elfmeterpunkt

Ob er auch wieder zum Elfmeter antreten würde, ist völlig offen. Nachdem Koumas beim 1:0 gegen Aserbaidschan vergab und Gareth Bale beim 1:2 in Russland machte der dritte Fehlschuss im dritten Quali-Spiel die Waliser endgültig zu "Elfmeter-Trotteln".

"Koumas wollte schon gegen Liechtenstein wieder schießen", berichtet Bellamy: "Wenn er den Ball gegen Deutschland will, kann er ihn haben. Ansonsten mach ich es wieder."

Dass die Gäste aber eher defensiv spielen werden, lässt nicht nur Toshacks Wunsch-Ergebnis vermuten.

Toshack vor Vertragsverlängerung

"Wir müssen konzentriert spielen, dann werden die Deutschen Probleme haben, uns zu knacken", meint Simon Davies vom FC Fulham, mit 54 Länderspielen der erfahrenste der jungen Drachen, in deren Kader mit Carl Robinson (32) nur ein Spieler die 30-Jahre-Grenze bereits passiert hat.

Dieser Jugendstil ist es auch, der Toshack ein gutes Standing im Verband verschafft. Obwohl auch er die Qualifikation für die WM 2006 und EM 2008 verpasste, soll sein im Oktober 2009 auslaufender Vertrag verlängert werden.

"Wir sind alle beeindruckt von der guten Arbeit Johns", sagt ein hochrangiger Funktionär: "Dank seines Mutes, auf Youngster zu setzen, werden wir in vier oder fünf Jahren die beste Mannschaft seit Jahrzehnten haben."

Der "Anti-Löw"

Auf dem Trainingsplatz ist Toshack so etwas wie der "Anti-Löw". Mit der viel zu weiten Turnhose, der stramm am Bauch sitzenden Trainingsjacke und den Händen in den Taschen wirkt er eher wie ein Mallorca-Urlauber. Nägel kauend verfolgt er die Übungen seiner Spieler, streut hier und da einen Witz ein.

Obwohl Toshack als harter Hund gilt, ist die Stimmung im Team eher ausgelassen. Man merkt, das der 59-Jährige, bei Real einst Trainer von Bernd Schuster, Freude an der Arbeit mit den jungen Spielern hat.

Der Respekt vor Deutschland ist dennoch groß. "Wenn wir nicht auf den Punkt fit sind, kann das ein ganz harter Abend für uns werden", sagt Bellamy.

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