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Klaus Fischer (r.) ist der zweitbeste Bundesliga-Torschütze aller Zeiten © imago

Kuranyi muss zu Hause bleiben: Ex-Profi Klaus Fischer bewertet im SPORT1-Interview die Nichtberücksichtigung des Schalker.

Von Martin Volkmar

München - Zum zweiten Mal in Folge muss Kevin Kuranyi bei einer Weltmeisterschaft zuschauen.

Ein bitterer Schlag für den 28-Jährigen, der sich nach seiner guten Saison mit 18 Toren Hoffnung auf eine Last-Minute-Nominierung gemacht hatte.

Zumal sich zahlreiche Experten wie Franz Beckenbauer, Stefan Effenberg und Ottmar Hitzfeld für ein Kuranyi-Comeback in der Nationalmannschaft ausgesprochen hatten.

Auch Klaus Fischer hätte seinen Nachfolger bei Schalke 04 mitgenommen.

Im Gespräch mit SPORT1 analysiert der zweitbeste Bundesliga-Torschütze (268 Treffer) aller Zeiten hinter Gerd Müller und zweifache WM-Teilnehmer (32 Tore in 45 Länderspielen) die Gründe für Kuranyis WM-Aus und die Situation im DFB-Sturm.

SPORT1: Wie bewerten Sie als Ex-Schalker und Ex-Nationalspieler die Nicht-Berücksichtigung von Kevin Kuranyi für die WM?

Klaus Fischer: Aus Schalker Sicht ist es natürlich schade. Kuranyi hat alles versucht und hat auch eine sehr gute Saison gespielt. Ich dachte, vielleicht nimmt ihn Jogi Löw doch noch mit. Aber er hat sich gegen Kuranyi entschieden und das muss man einfach akzeptieren. So ist das Leben.

SPORT1: Wie hart ist es für einen Profi, zum zweiten Mal kurz vor der WM aussortiert zu werden?

Fischer: Natürlich ist das bitter für ihn, gar keine Frage. Aber den Grundstein dafür hat er vor zwei Jahren mit seiner Stadion-Flucht selber gelegt. Allerdings muss man in der Lage sein, irgendwann mal zu verzeihen. Denn von der Leistung her hätte er zur WM mitgemusst.

SPORT1: Sie waren früher Kuranyi gegenüber kritisch eingestellt. Hat sich das geändert?

Fischer: Bis auf die letzten beiden Spiele hat er mich in dieser Saison überzeugt. Vielleicht hängt dieser kleine Durchhänger mit seiner unklaren Zukunft zusammen. Aber bis dahin hat er eine sehr gute Saison gespielt und seine Tore gemacht.

SPORT1: Glauben Sie, dass er Schalke verlässt?

Fischer: Ich denke ja, weil er durch einen Wechsel eine Menge Geld verdienen würde, da er ablösefrei ist. Ob er jedoch glücklich wird, das weiß ich nicht. Wenn er nach Russland oder in die Türkei geht und es läuft nicht, dann glaube ich wird er es bereuen. Aber das interessiert ja die Berater nicht, die denken nur an ihren eigenen Gewinn.

SPORT1: Hätten Sie Kuranyi zur WM mitgenommen?

Fischer: Ich hätte ihn auf jeden Fall mitgenommen. Ich finde, dass auch Stefan Kießling mitfahren muss, allein aufgrund seiner Tore. Außerdem bewegt er sich gut und ist kopfballstark.

SPORT1: Lukas Podolski und Miroslav Klose gelten als gesetzt. Ihre Meinung?

Fischer: Ich habe zwar nichts gegen Lukas Podolski oder Miroslav Klose, aber die beiden haben zusammen fünf Tore gemacht. Da hat Kuranyi alleine ja schon fast viermal so viele gemacht. Nur wer zu einer WM in einer guten Form fährt, hat das nötige Selbstvertrauen hin. Ich kann nicht sagen: Die haben in der Vergangenheit bei Spielen der Nationalmannschaft die Tore gemacht, deshalb fahren sie mit zur Weltmeisterschaft. Wenn das in die Hose geht, dann kriegt der Jogi Löw viel Spaß.

SPORT1: Wie sehen Sie die anderen beiden Kandidaten Mario Gomez und Cacau?

Fischer: Gomez hat keine besonders gute Rückrunde gespielt und in der Nationalmannschaft noch nie was gerissen. Das ist auch so ein Problemfall. Cacau dagegen hat zuletzt gut gespielt und er ist ein sehr beweglicher Spieler. Ich weiß aber nicht, ob Löw mit einem oder zwei Stürmern spielen will. Von daher muss er das entscheiden. Ob er dabei glücklich wird, muss man abwarten. Ich hoffe natürlich, dass wir weit kommen, aber ich sehe einige Baustellen.

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