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Rene Adlers Länderspiel gegen Argentinien bleibt vorerst das letzte als Nummer 1 © imago

Der überraschende WM-Ausfall des Leverkusener schafft neue Baustellen. Eine neue Nummer eins und Nummer drei werden gesucht.

Von Martin Hoffmann

München - Nicht alles, was Rudi Völler so sagt, kommt gut an bei Joachim Löw und seinem Team.

In diesem Fall aber würde sich der Bundestrainer sicher wünschen, dass Leverkusens Sportdirektor Recht behalten hätte, mit dem was er vor zwei Wochen über Rene Adlers Rippenbruch sagte.

"Mit der Nationalmannschaft hat diese Verletzung nichts zu tun. Das ist nur für uns ärgerlich", meinte er damals.

Seit Dienstagmorgen ist Gewissheit, dass sich Völler verschätzt hatte.

Der Keeper, der als Nummer eins für Südafrika vorgesehen war, verpasst die am 11. Juni beginnende WM wegen einer erneuten Operation - und vergrößert den Strudel aus personellen Turbulenzen, gegen den Löw derzeit anschwimmen muss.

Die nächste Baustelle

Am Montag erst hatte der Bundestrainer gegen den Mehrheitswillen der Fußballnation Kevin Kuranyi die Tür zur WM zugeschlagen.

Am Morgen darauf ereilte ihn die - wenngleich nicht mehr überraschende - Nachricht von der endgültigen WM-Absage von Adlers Teamkollege Simon Rolfes.

Und nun das: Das WM-Aus für Adler, das aller Voraussicht nach Schalkes Manuel Neuer zur Nummer eins in Südafrika erheben wird.

Dabei hatte Adler noch am Samstag beim 1:1 gegen Hertha BSC ein Comeback mit einem speziell angefertigten Brustpanzer gefeiert.

Er hielt gut und vermittelte den Eindruck, dass alles in Ordnung wäre. Die letzten Zweifel an der Einsatzbereitschaft für Südafrika seien beseitigt, meldeten die Agenturen.

Ein Irrtum: Während die vermeintlich frohe Kunde verbreitet wurde, kam Adler zum Schluss, dass er die WM abschreiben musste.

Nicht das erste Rippenproblem

Adler musste nach eigenen Angaben "einsehen, dass es keinen Sinn macht". Die Schmerzen wären zu groß gewesen, um bei der WM in der Verfassung zu sein, in der er gebraucht worden wäre.

Es ist das zweite Mal, dass ein Rippenbruch Adler größeres Verhängnis bereitet.

Mehr als sechs Monate fiel er 2006 wegen einer Fraktur in einem anderen Teil des Brustbereichs und den daraus resultierenden Folgewirkungen aus.

Adler wurde damals eine Titanplatte eingesetzt, er bangte gar um die Fortsetzung seiner Karriere.

Damals gab es für Adler ein Happy End: Im Februar 2007 feierte er sein Comeback, sein Debüt in der Bundesliga und stieg zum Leverkusener Stammkeeper auf.

Butt wohl der Nutznießer

Ironischerweise scheint der Leidtragende von damals nun Profiteur zu sein.

Bayerns Jörg Butt - damals bei Bayer von Adler verdrängt - gilt nun als Top-Kandidat für den Job als Nummer drei bei der WM hinter Neuer und Bremens Tim Wiese.

Für ihn sprechen seine Routine, eine starke Saison beim Rekordmeister und seine größere Pflegeleichtigkeit im Vergleich zu anderen Kandidaten wie Roman Weidenfeller und Jens Lehmann.

"Er ist ein ein alter Hase mit viel Erfahrung, der den anderen Torhütern helfen kann und keine Randale machen wird", meint auch Sepp Maier, der als Bundestorwarttrainer mit Butt bei der EM 2000 und der WM 2002 zusammenarbeitete.

"Natürlich könnte ich von meiner Leistung her auch bei der WM spielen", hatte der 35-Jährige erst kürzlich gegenüber SPORT1 erklärt.

Wobei er damals noch nicht glaubte, "dass die WM für mich noch ein Thema wird".

Alles spricht für Neuer als Nummer 1

Löw muss recht schnell entscheiden, wie nun die neue Hackordnung im deutschen Tor aussehen soll: Am Donnerstag stellt er auf einer Pressekonferenz das erweiterte Aufgebot für Südafrika vor.

Obwohl Löw keine offizielle Rangordnung hinter Adler festgelegt hat, läuft wohl alles auf die Reihenfolge Neuer vor Wiese heraus.

Neuer entspricht stärker dem Idealbild des Bundestrainers als mitspielender Torhüter - auch wenn der Bremer Keeper nach dem Adler-Aus vor Journalisten erklärte: "Ich habe immer meine Leistung gezeigt."

Trotzdem dürfte Löw ebenso denken wie Sepp Maier, der im "SWR" erklärte: "Neuer ist mit Schalke Vizemeister geworden, er hat eine gute Saison gespielt. Warum soll er nicht die Nummer 1 werden?"

Rolfes-Ausfall vermindert Alternativen

Etwas mehr Zeit hatte Löw, sich auf Rolfes' abzusehenden Ausfall vorzubereiten.

Für dessen Rolle als "Sechser" im defensiven Mittelfeld hat sich Bastian Schweinsteiger mit Weltklasse-Leistungen beim FC Bayern nachhaltig empfohlen.

Fraglich ist nur, ob Schweinsteiger im DFB-Dress zur gewünschten Harmonie mit Nebenmann Michael Ballack findet - und wer einspringt, sollte einer der beiden ausfallen.

Nach der frühzeitigen Ausbootung von Torsten Frings bleiben nur international wenig erfahrene Kräfte wie Stuttgarts Christian Träsch und Wolfsburgs Christian Gentner oder Lazio-Reservist Thomas Hitzlsperger.

Beste Aussichten für Kießling

Der letzte Leverkusener WM-Kandidat nach den Ausfällen von Adler und Rolfes neben Toni Kroos ist Stefan Kießling.

Dessen Chancen auf Südafrika stehen nach Löws Absage an Kuranyi offenbar sehr gut.

Wie die "Bild" erfahren haben will, war der entscheidende Auslöser für Löws Entscheidung gegen Kuranyi, dass er Kießling für besser hält.

Es läuft also auf folgende Besetzung im Sturm hinaus: Kießling, Miroslav Klose, Mario Gomez, Cacau plus die auch im offensiven Mittelfeld einsetzbaren Lukas Podolski und Thomas Müller.

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