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Gemeinsam haben sie 75-mal für die Nationalelf getroffen: Lukas Podolski (l.) und Miro Klose © getty

Im DFB-Dress glänzen Lukas Podolski und Miroslav Klose regelmäßig. Anders als beim FC Bayern. Die Achterbahnfahrt hat Gründe.

Von Mathias Frohnapfelund Martin van de Flierdt

München/Düsseldorf - So richtig erklären kann das Phänomen wohl keiner der beiden.

Das Dauerglück in der Nationalmannschaft. Oder sollte man sagen: die immerwährende Achterbahnfahrt bei Bayern München?

Jedenfalls überzeugen Lukas Podolski und Miroslav Klose beinahe bei jedem Einsatz für die DFB-Auswahl.

Für das Spiel gegen Wales (ab 20.15 Uhr LIVE) haben sie gleichfalls schon ihre Ansprüche angemeldet.

Eine aberwitzige Bilanz

Sobald sie aber das Trikot des FC Bayern überstreifen, ringen sie wieder um ihre Form wie Büroangestellte, die nach einer beschwingten Partynacht zurück an ihren Arbeitsplatz müssen.

Beispiel Lukas Podolski: Er trifft im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland, immerhin EM-Halbinfalist. In München ist "Poldi" hingegen nur Ersatz.

Die aberwitzige Bilanz: In der Nationalmannschaft hat er in 58 Spielen 31 Tore erzielt, beim Rekordmeister bringt er es in beinahe gleich vielen Bundesligaeinsätzen (54, allerdings oft Einwechselspieler) auf lediglich elf Treffer.

"Schritt zu Bayern war richtig"

Und Miroslav Klose? Ist Anführer in der DFB-Offensive. Mit 44 Toren in 85 Spielen hat er bereits in der ewigen Bestenliste Uwe Seeler (43) und Oliver Bierhoff (37) überholt.

In München schaut er jedoch zuerst auf Nebenmann Luca Toni.

Dennoch sagte der 30-Jährige am Dienstag in Düsseldorf: "Der Schritt zu Bayern war richtig. Im Training sind alles hervorragende Spieler, der Konkurrenzkampf ist noch größer als bei Werder Bremen."

Führungsrolle - aber nicht im Sturm

Das nächste Plus, das Klose beim amtierenden Meister sieht: "Ich habe mich nicht nur fußballerisch weiterentwickelt, sondern auch menschlich. Man sieht, dass ich jetzt auch dort schon eine Führungsrolle habe."

Diese Führungsrolle macht sich allerdings nicht darin bemerkbar, dass Klose das Sturmzentrum beansprucht. Das hält in München Instinktstürmer Toni besetzt.

Insofern lässt sich auch Kloses Aussage interpretieren, welche Laufwege sich bei Bayern und Nationalmannschaft unterscheiden. "Sicher versuche ich, in München so zu spielen wie in der Nationalmannschaft. Ich versuche, den Weg direkt in den Strafraum zu finden oder eben auf Umwegen."

Die zusätzlichen Meter ergeben sich, könnte nun manch einer schlussfolgern, aus der Rolle von Luca Toni. Klose gelange so seltener zum Abschluss.

"Poldi" schwärmt von Nestwärme

Jedoch: Selbst in den (wenigen) Partien, als Klose und Podolski gemeinsam den FCB-Sturm bildeten, glänzten sie kaum so wie als Nationalstürmer.

Liegt es an der Atmosphäre im DFB-Team? Lukas Podolski erklärt die Nestwärme in der Truppe von Jogi Löw so: "Ich bin seit 2004 regelmäßig dabei. Der Stamm ist immer der gleiche geblieben. Ob viele Teamkollegen, Physios oder der Zeugwart: Man kennt und versteht sich und hat Vertrauen zueinander", sagte er der "tz".

Dass es bei Bayern nicht so flutsche, liegt aus seiner Sicht in allererster Linie an einem ganz einfachen Umstand: Er spiele zu selten.

Besser als Cristiano Ronaldo

Nach Klinsmanns jüngster Ankündigung, der Entwicklungsprozess bei Podolski könnte noch mehrere Monate, gar Jahre dauern, dürfte sich daran zumindest in nächster Zeit nichts ändern.

Wie wohlig sind dagegen für ihn die Aussichten unter der Leitung von Jogi Löw. Klinsmanns Nachfolger als Bundestrainer päppelt "Poldi" bei jeder Gelegenheit auf.

Nach der EM stellte Löw ihn gar über einen der internationalen Top-Stars überhaupt. "Lukas hat auf internationalem Niveau seine Leistung gebracht. Ich sehe diese Leistung bei Cristiano Ronaldo in diesen Turnieren nicht."

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