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Thomas Hitzlsperger (l.) gab am 9. Oktober 2004 gegen den Iran sein Debüt im DFB-Dress © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Hitzlsperger über Konkurrenzkampf, den drohenden Ausfall von Ballack und das Spiel gegen Wales.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Düsseldorf ? Beim 2:1-Erfolg gegen Russland am Samstag kam Thomas Hitzlsperger zwar schon zu seinem 42. Länderspieleinsatz.

Doch in Dortmund wurde der 26-Jährige erstmals einem fitten Torsten Frings vorgezogen.

"Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, meinen Platz zu finden", räumt der Stuttgarter ein. "Inzwischen habe ich aber so viele Spiele gemacht, dass der Samstag an meinem Ansehen nicht viel geändert hat."

Im Sport1.de-Interview spricht Hitzlsperger über den neuen Konkurrenzkampf im DFB-Team, seinen Ruf als Lieblingsschüler des Bundestrainers sowie die Sonderstellung von Michael Ballack und geht auch auf den Gegner Wales (ab 20.15 Uhr LIVE) ein.

Sport1.de: Herr Hitzlsperger, Sie stehen in dem Ruf, der Lieblingsschüler von Bundestrainer Joachim Löw zu sein. Wie gehen Sie damit um?

Thomas Hitzlsperger: Ich glaube nicht, dass ich des Trainers Liebling bin. Das würde zu weit gehen. Aber er hat mich öfters gelobt. Es ist ein gutes Gefühl für einen Spieler, wenn er weiß, es bringt etwas zu arbeiten und besser zu werden, weil der Trainer das genau beobachtet.

Sport1.de: Am Samstag haben Sie in der Nationalmannschaft von Anfang an gespielt, obwohl Ballack und Frings fit und anwesend waren. Werden Sie nun von den Platzhirschen anders wahrgenommen?

Hitzlsperger: Ich glaube nicht, dass das eine Spiel so viel verändert hat. Ich bin schon länger dabei und es war nicht das erste Mal, dass ich von Beginn an gespielt habe. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, meinen Platz zu finden. Inzwischen habe ich aber so viele Spiele gemacht, dass der Samstag an meinem Ansehen nicht viel geändert hat.

Sport1.de: Inwiefern war es besonders schwierig, einen Spieler aus dem langjährigen "Machtzentrum" des DFB-Teams zu verdrängen?

Hitzslperger: Michael Ballack und Torsten Frings haben diese Position über Jahre eingenommen und hervorragend ausgefüllt. Aber ich möchte trotzdem spielen. Ich sage nicht: Die beiden sind so gut, da versuche ich es erst gar nicht. Ich möchte mich mit ihnen messen. Es ist mir am Samstag gelungen, den Vorzug vor Frings zu bekommen.

Das wird nicht so bleiben, wenn ich denke, ich bräuchte mir jetzt keine Sorgen mehr zu machen, weil ich die nächsten Jahre dort spielen werde, ohne Druck zu bekommen. Der Druck ist permanent da und treibt mich an.

Sport1.de: Halten Sie es denn prinzipiell für vorstellbar, dass der Bundestrainer gegen die körperlich robusteren Waliser wieder auf die Zweikampfstärke von Frings setzt?

Hitzslperger: Ich kenne die Aufstellung noch nicht. Aber wenn dem so wäre, müsste ich das natürlich so akzeptieren.

Sport1.de: Aber Sie würden nicht abreisen?

Hitzlsperger: Nein, das würde ich nicht. Denn dieses Thema (Kevin Kuranyi, Anm. d. Red.) ist ja schon vorbei. Aber ich befasse mich nicht damit, wie ich reagiere, wenn Frings den Vorzug bekommt.

Sport1.de: Was spricht für Sie?

Hitzlsperger: Allein die Tatsache, dass ich am Samstag nominiert wurde, ist schon einmal eine gute Ansage des Trainers. Saubere Pässe in die Spitze zu spielen, ist eine meiner Stärken. Und dieses Spiel in die Spitze ist für uns sehr wichtig.

Sport1.de: Sorgt der geschürte Konkurrenzkampf dafür, dass es eine Situation, in der Spieler wie Frings und Ballack ihre Position über Jahre zementieren können, künftig nicht mehr geben wird?

Hitzlsperger: Es hat sich einiges verändert. Heute ist es nicht mehr so, dass nur elf bis 14 Spieler den Stamm der Mannschaft darstellen. Man muss ständig darum kämpfen, wieder im Team zu stehen. Michael Ballack ist da die Ausnahme: Er ist der Kapitän, der auch immer mit guter Leistung voran geht.

Sport1.de: Wie schmerzhaft wäre ein erneuter Ausfall Ballacks gegen Wales?

Hitzlsperger: Wir dürfen uns dann nicht beklagen. Es wäre natürlich schade, wenn es ihn wieder erwischt. Aber wir mussten schon einmal auf ihn verzichten, als er verletzt ausgefallen ist. Wenn er nicht spielen können sollte, haben wir viele gute Spieler, um ihn gleichwertig zu ersetzen. Es gibt seinen Spielertypen nicht eins zu eins, wir haben Spieler mit anderen Qualitäten.

Sport1.de: Die Waliser gelten nicht als Mannschaft, gegen die man besonders glänzen kann?

Hitzslperger: Doch, man kann in jedem Spiel glänzen. Das hat nichts mit dem Gegner zu tun, sondern mit der eigenen Bereitschaft, sich hineinzuhängen. Es wird sicherlich schwer, weil sie defensiv gut stehen und diese typische britische Art haben.

Sport1.de: Mal über den Tellerrand hinaus geblickt: Was haben Sie sich nach dem Aufrücken in die erste Elf der Nationalmannschaft als nächstes persönliches Ziel gesetzt?

Hitzlsperger: Bei unserem ersten Spiel bei der WM 2010 von Anfang an zu spielen, wenn wir denn dabei sein sollten. Über allem steht aber das Ziel, besser zu werden. Das ist nicht messbar und geht immer weiter.

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