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2000 und 2002 erprobt bei EM und WM: Bayerns Keeper Jörg Butt © getty

Nach der Festlegung des vorläufigen WM-Kaders wittert Bayerns Keeper seine Chance: Jetzt wolle er "auch spielen."

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Stuttgart - Mit Manuel Neuer als Nummer eins zwischen den Pfosten werde es bei der WM schwer, hatte Jens Lehmann am Mittwoch verlauten lassen.

Nicht wirklich durch die Blume fügte er hinzu, dass er auch dem von ihm ohnehin nicht geschätzten Tim Wiese keine Wunderdinge zutraue.

"Ich habe auch gelesen, was Jens Lehmann gesagt hat", meinte Bundestrainer Joachim Löw bei der Bekanntgabe seines vorläufigen WM-Aufgebots im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum.

Inwiefern er die Ansicht Lehmanns teilt, ließ er offen.

Butt schickt erste Kampfansage

Aber dass sich Löw nach der Festlegung auf Bayern Münchens Torhüter Jörg Butt als dritten Schlussmann für Südafrika partout keine Tendenz hinsichtlich der neuen Torwart-Rangfolge entlocken ließ, legt den Schluss nahe, dass das Rennen um das Erbe Rene Adlers völlig offen ist.

Und Butt - eigentlich eher ein stiller Vertreter seiner Zunft - schickte denn auch sogleich eine Kampfansage an die Konkurrenz:

"Jeder, der bei der WM ist, will auch spielen. Das ist bei mir genauso, und das war auch schon so, als ich vor zwei Jahren zum FC Bayern gekommen bin. Den sportlichen Ehrgeiz muss man haben. Ich werde im Training arbeiten", sagte der 35-Jährige.

"Alle drei verfügen über große Qualität"

Löw erklärte nur diplomatisch: "Alle drei verfügen über große Qualität." 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Und weiter: "Es ist wichtig, dass wir erstmal mit den Torhütern sprechen. Dann werde ich mich in aller Ruhe mit Andreas Köpke und Hansi Flick unterhalten, wir werden uns festlegen und es dann verkünden."

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An Nachrücker Butt schätzt Löw, dass er bereits in den Jahren 2000 und 2002 Turniererfahrung gesammelt und dort jeweils als dritter Mann die Füße still gehalten hat.

Als Turnier-Torwart bewährt

"Er spielt klar und befindet sich in einer von ihm hervorragenden Saison", lobte der Coach.

"Wir würden uns freuen, wenn er nach der Meisterschaft auch noch die Titel zwei und drei holt, weil das sein Selbstvertrauen stärkt."

Wohl nicht nur das seinige. Denn Löw hat nicht weniger als sieben Münchner in sein vorerst 27-köpfiges Aufgebot berufen.

Quintett darf reinriechen

In das dürfen bis nach dem Malta-Spiel am 13. Mai in Aachen auch die Perspektivspieler Tobias Sippel (1.FC Kaiserslautern), Mats Hummels, Kevin Großkreutz (beide Borussia Dortmund), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach) und Stefan Reinartz (Bayer Leverkusen) hineinschnuppern.

Mit Holger Badstuber, der noch ohne Länderspieleinsatz ist, und Offensivallrounder Thomas Müller, setzt der Bundestrainer dabei auch auf die Durchstarter der Saison.

"Badstuber sehe ich auf Dauer in der Innenverteidigung", meinte Löw. "Er macht sehr wenig Fehler."

Vielseitigkeit als Trumpf

Seine Nominierung verdankt der 21-Jährige aber wohl eher der grundsätzlichen Eignung, auch als Linksverteidiger einspringen zu können.

Auch Müller sei "flexibel einsetzbar", urteilte Löw. "Er ist ausgestattet mit Instinkt und Raffinesse. Er ist immer da, wo Gefahr für den Gegner droht."

Dass ihm die sieben Münchner nach dem Champions-League-Finale am 22. Mai gegen Inter Mailand womöglich nur für acht Trainingstage zur Verfügung stehen, ehe die WM beginnt, sieht der Bundestrainer mit gemischten Gefühlen:

Fluch und Segen

"Zum einen sind die Bayern in dieser Saison sehr dominant und wir sind stolz darauf, was die deutschen Vereine im Europapokal erreicht haben", sagte er.

"Auf der anderen Seite war eine Turniervorbereitung wohl noch nie so schwierig und kompliziert."

Nicht einfach war für den Coach auch die Absage an Mittelfeldmann Thomas Hitzlsperger.

Hitzlspergers Enttäuschung

"Er war sehr, sehr enttäuscht", berichtete Löw von seinem Telefonat mit dem Reservisten von Lazio Rom, der seit 2004 zur DFB-Auswahl gehörte. "Er war bei uns immer ein sehr zuverlässiger, seriöser Spieler, der große soziale Fähigkeiten besitzt."

Doch das Problem mangelnder Spielpraxis, das Hitzlsperger im Winter zum Wechsel von Stuttgart nach Rom bewegte, hat sich dort noch verschlimmert.

Seinen Platz im DFB-Kader nimmt nun Christian Träsch ein, der ihn schon beim VfB verdrängte.

Träschs Trumpf Zweikampfstärke

"Er ist vom Ehrgeiz getrieben, schnell und hat ein gutes Zweikampfverhalten", erläuterte der Bundestrainer diese Personalwahl. "Er erkämpft Bälle ohne dumme Fouls und trägt sie sachlich und einfach nach vorne."

Marcell Jansen, den zuletzt ein Syndesmosebandriss außer Gefecht setzte, erhält derweil die Chance, bis zum Meldeschluss der FIFA am 1. Juni seine Fitness unter Beweis zu stellen.

"Er ist speziell zu betrachten", erklärte Löw. "Uns hat seine Leistung bis zu der Verletzung imponiert. Wir schauen jetzt von Woche zu Woche und entscheiden dann, ob er in der Lage ist, so ein Turnier durchzustehen."

Trochowski und Aogo als Jansens Backups

Falls nicht, steigen die Chancen von Nationalmannschaftsneuling Dennis Aogo und Jansens zweitem Hamburger Klubkameraden Piotr Trochowski, den Flieger nach Südafrika zu besteigen.

Am Kap sollen sich die Nationalspieler dann nach dem Willen der sportlichen Leitung trotz des drohenden Lagerkollers "nach innen und außen korrekt" verhalten.

"Ich erwarte, dass wir Geschlossenheit zeigen", sagte Löw. "Denn wir repräsentieren 80 Millionen Deutsche."

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