Dass Löw personell nur mit dem Bayern-Block Farbe bekennt, hat taktische Hintergründe - gerade auch in der Torwartfrage.

Joachim Löw sagt, er freue sich, dass es nun bald wirklich losgeht. Man darf ihm das durchaus glauben.

Viel glaubwürdiger noch ist allerdings der Nachsatz über seine persönliche Empfindung, es sei "wohl noch nie so schwierig und kompliziert gewesen", eine deutsche Mannschaft gezielt auf eine WM vorzubereiten.

Denn die Entwicklungen in den Cup-Wettbewerben in Deutschland und England sowie in der Champions League stellen ihn vor eine Herkulesaufgabe.

Gleich zwölf seiner 27 Ausgewählten aus dem vorläufigen WM-Kader fehlen beim Benefizspiel in Aachen gegen Malta am 13. Mai und über weite Strecken des Regenerationstrainingslagers auf Sizilien.

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Die Spieler des FC Bayern stoßen gar erst nach dem Champions-League-Finale am 22. Mai zur Mannschaft.

So kann es dazu kommen, dass die in dieser Saison körperlich arg strapazierten Münchner dem DFB bis zum Start ins WM-Turnier nur acht Trainingstage zur Verfügung stehen.

Weil Löw nun auf einen sieben Mann starken Bayern-Block setzt, muss er darauf hoffen, dass die Euphorie der Kluberfolge ihnen neue Frische gibt.

Dass sich allerdings angeschlagene Egos wie die von Miroslav Klose oder Mario Gomez innerhalb der kurzen Vorbereitungszeit auf Hochglanz trimmen lassen, ist zweifelhaft.

So ist es nachvollziehbar, dass sich Löw bei der Nominierung möglichst viele Optionen offen gelassen hat.

Mit den formschwachen Thomas Hitzlsperger und Marcel Schäfer sowie Aaron Hunt und Christian Gentner hat er nur solchen Spielern aus dem Kreis der WM-Anwärter abgesagt, deren Qualitäten derzeit ohnehin verschüttet sind - oder von anderen Akteuren in mindestens gleicher Güte repräsentiert werden.

Für den gesundheitlichen Zweifelsfall Marcell Jansen hat er mit dessen Hamburger Klubkameraden Dennis Aogo und Piotr Trochowski gleich zwei potenzielle Backups berufen.

Dazu werden noch ein Angreifer und ein Verteidiger gehen müssen. Womöglich regeln sich diese Fragen durch Verletzungen im Saisonfinale oder dem folgenden Trainingsbetrieb von alleine.

Dass Löw in der Torwartfrage keine Farbe bekennt, hat wohl ebenfalls taktische Hintergründe.

Denn zum Einen hat der Bundestrainer in den vergangenen Monaten bei Robert Enke und Adler gleich zweimal mitansehen müssen, wie schnell eine Festlegung auf eine Nummer eins überholt sein kann.

Zum Zweiten wäre es schwierig, eine Festlegung auf Manuel Neuer oder Tim Wiese zu rechtfertigen, wenn Jörg Butt mit starken Leistungen zum Triple des FC Bayern beiträgt.

Wenn der Routinier bei der WM am Ende das Erbe Adlers antritt, vor dem er einst aus Leverkusen floh, wäre das eine Pointe der besonderen Art.

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