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Stefan Kießling erzielte in drei Länderspielen für Deutschland noch kein Tor © imago

Vier Spieler muss Bundestrainer Löw noch aus seinem WM-Kader streichen. SPORT1 nennt die potenziellen Streichkandidaten.

Von Martin van de Flierdt

München - Die schwierigsten Fälle hatte Joachim Löw schon im Vorfeld abgearbeitet. Als der Bundestrainer am Donnerstag im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum seinen vorläufigen WM-Kader vorstellte, waren die Themen Torsten Frings und Kevin Kuranyi schon erledigt.

So gab der Coach mit den formschwachen Thomas Hitzlsperger und Marcel Schäfer sowie Aaron Hunt und Christian Gentner nur solchen Akteuren kurzfristig einen Korb, deren Qualitäten von anderen Spielern im Aufgebot bereits abgedeckt werden. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

"Wir wollen gewappnet sein, falls sich der eine oder andere Spieler noch verletzen sollte", begründete Löw die Größe seiner vorläufigen Auswahl, Wenn nicht, muss er vor dem 1. Juni noch vier Spieler nach Hause schicken. SPORT1 sagt, welche Spieler die schlechtesten Karten haben.

Dennis Aogo

"Ich werde alles dafür tun, den Bundestrainer von meinen Qualitäten zu überzeugen und mit nach Südafrika zu reisen", sagt der Hamburger Linksverteidiger, an dem Löw die starke Technik und die "gute Spielauslösung" schätzt.

Zwar hat der ehemalige Freiburger international gespielt, in der Rückrunde drängte es sich aber nicht mehr auf. Vielmehr scheint der 23-Jährige nur Backup für seinen Klubkameraden Marcell Jansen zu sein, der auf der linken Seite defensiv wie offensiv eingesetzt werden kann.

"Jetzt haben wir die Möglichkeit, Marcell bis zum 1. Juni bei uns zu haben", sagte Löw. "Wir sehen von Woche zu Woche. Dann entscheiden wir, ob er in der Lage ist, so eine WM durchzustehen." Heißt im Klartext: Ist Jansen fit, fliegt er mit nach Südafrika.

Da der Bundestrainer ohnehin Philipp Lahm links hinten einplant, braucht er nur einen Vertreter für den Fall X. Jansen wäre die offensivere Option, Holger Badstuber die defensivere.

"Badstuber spielt einfach, sachlich und ruhig und hat sich auch taktisch weiterentwickelt", urteilt Löw. "Ich sehe ihn auf Dauer in der Innenverteidigung." Im Moment aber wohl noch nicht.

Andreas Beck

Der Hoffenheimer hat zwar nach seiner Verletzungspause im Klub wieder Fuß gefasst, hat aber den Nachteil gegenüber seinen Konkurrenten, dass er ausschließlich für die Rechtsverteidigerposition in Frage kommt.

Jerome Boateng ist auch für die Abwehrzentrale eine Variante, wenngleich seine immer wieder vorkommenden Kamikaze-Zweikämpfe ein Risikofaktor sind. Dass der Hamburger deutlich kopfballstärker ist, spricht ebenfalls für ihn.

Christian Träsch kann es in puncto Dynamik mit Beck locker aufnehmen, dazu "erobert er Bälle ohne dumme Fouls" (Löw) und spielt schnell und schnörkellos. Ein zuverlässiger Teamarbeiter, der zudem als vierter Mann für das zentrale Mittelfeld eingeplant ist. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Ihn wird der Bundestrainer kaum aussortieren. Bleibt Arne Friedrich, dessen Saison bei Hertha BSC alles andere als eine Bewerbung war.

Doch 16 der 27 Spieler Löws haben nicht mehr als zehn Länderspiele absolviert, Friedrich besitzt Turniererfahrung, kann innen und außen verteidigen und ist loyal. Dieser Mix wird ihm das Ticket bringen.

Piotr Trochowski

"Es ist eine große Auszeichnung, in den WM-Kader berufen zu werden", sagte der Hamburger in einer ersten Stellungnahme. "Ich war im vergangenen Jahr bereits einmal mit Philipp Lahm in Südafrika. Schon damals war die Freude greifbar."

Dass Trochowski sie vor Ort tatsächlich erlebt, ist zweifelhaft. Zum einen ist da der Fall Jansen, an den er schon in Hamburg seinen Stammplatz verloren hatte. Zum zweiten besitzt Löw im offensiven Mittelfeld gleich mehrere hochkarätige Alternativen.

Marko Marin ist dribbelstärker, Mesut Özil und Toni Kroos sind technisch mindestens auf vergleichbarem Niveau, deutlich torgefährlicher und die besseren Spielmacher. Trochowskis großes Plus, die beidfüssige, hervorragende Schusstechnik, machen Linksfuß Özil und Rechtsfuß Kroos gemeinsam wett.

Dass der Hamburger in der Rückrunde auch nach den Verletzungen von Jansen und Elia kaum spielte, spricht auch nicht für ihn. Nimmt Löw ihn mit, dann aus Dankbarkeit für das Siegtor im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales.

Stefan Kießling

"Stefan Kießling hat die Nominierung wirklich verdient, nicht nur weil er 21 Treffer erzielt hat", sagt sein Klubtrainer Jupp Heynckes. "Wenn man so eine Saison spielt wie Stefan, ist das für mich selbstverständlich, dass er dabei ist."

In der Tat erscheint es zunächst absurd, den treffsichersten deutschen Stürmer als Wackelkandidaten zu bezeichnen. Doch das Champions-League-Finale spielt der Konkurrenz aus München in die Karten.

Wie bei Holger Badstuber dürfte sich der Bundestrainer auch bei Miroslav Klose, Mario Gomez und Thomas Müller verkneifen, sie frühestens am 24. Mai ins Trainingsquartier bringen zu lassen, um sie gleich ein paar Tage später wieder wegzuschicken. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Das würde ihre Nominierung als von vorneherein sinnlos darstellen. Diese Blöße wird sich Löw nicht geben. Klose ist bei großen Turnieren bewährt und genießt nicht zuletzt wegen des entscheidenden Qualifikationstore in Moskau gegen Russland einen Bonus.

Im Gegensatz zu Klose (48 Tore) und Gomez (elf Tore) hat Kießling im Nationalteam noch nichts gerissen. Seine Qualitäten decken sich aber mit ihren: Kopfballstärke und ein guter Abschluss im Strafraum. Drei Mittelstürmer alter Prägung wird Löw nicht brauchen.

Deshalb haben Lukas Podolski, Cacau und Müller gute Karten: Podolski kommt auch für die linke Seite in Frage und ist der einzige Kandidat mit einem starken linken Fuß. "Cacau ist ein Spielertyp, der sich die Bälle aus dem Mittelfeld holt und auch Tore von außerhalb des Strafraums macht", lobte Löw.

Dazu kommt mit Müller der Typ Schleicher: "Er ist ausgestattet mit Instinkt und Raffinesse. Er ist immer da, wo die Gefahr für den Gegner ist. Deshalb schießt er viele Tore und bereitet viele vor, und deshalb ist er so wertvoll." Es spricht vieles für einen Zweikampf Kießling vs Gomez. Die stärkere Lobby hätte letzterer.

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