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Joachim Löw ist seit 2006 hauptverantwortlich für die DFB-Elf © getty

Löw hat sich festgelegt. Das Zittern der Stürmer hat ein Ende. Alle sechs Angreifer, die im vorläufigen Kader stehen, fahren zur WM.

Frankfurt/Main - Die Stürmer um den formschwachen Lukas Podolski atmen auf, die Torhüter um den vermeintlichen Favoriten Manuel Neuer zittern weiter.

Während Bundestrainer Joachim Löw in der T-Frage auf Zeit spielt, hat er den sechs für das vorläufige Aufgebot nominierten Angreifern bereits einen Monat vor Beginn der Fußball-WM in Südafrika einen Freifahrtschein ausgestellt.

"In der Offensive möchte ich ausreichend Möglichkeiten haben, um zu reagieren. Wir wollen flexibel sein. Es ist geplant, dass alle sechs Stürmer mit zur WM fahren", erklärte Löw.

Trochowski bangt um WM

"Mit Lukas Podolski, Thomas Müller und Cacau haben wir drei Angreifer, die auch aus der Tiefe und über die Außen kommen können. Miroslav Klose, Mario Gomez und Stefan Kießling sind eher zentrale Stürmer", so der Bundestrainer weiter.233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Zuletzt war darüber spekuliert worden, dass Löw möglicherweise einen der sechs Angreifer aus seinem vorläufigen 27-Mann-Kader streicht.

Am 1. Juni muss Löw beim Weltverband FIFA endgültig sein 23 Spieler umfassendes WM-Aufgebot bekanntgeben. Da keine Stürmer auf der Streichliste stehen, müssen insbesondere

Mittelfeldspieler wie Piotr Trochowski vom Hamburger SV um ihre WM-Teilnahme bangen.

Entscheidung erst nach Champions-League-Finale?

Sicher in Südafrika mit dabei sind die drei Torhüter Manuel Neuer, Tim Wiese und Jörg Butt, der nach dem Ausfall von Rene Adler vor seiner zweiten WM-Teilnahme steht.

Favorit auf den Posten im deutschen Tor zum WM-Auftakt gegen Australien am 13. Juni in Durban ist aber der Schalker Neuer, auch wenn Löw die Entscheidung noch zurückhält.

Frühestens nach dem Pokalfinale am kommenden Samstag wird sich Löw auf eine Nummer eins festlegen.

Noch wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sogar noch das Finale in der Champions League abwartet, um nicht die Konzentration von Bayern-Keeper Butt zu beeinträchtigen.

"Werden uns zusammensetzen"

"Bei den Torhütern habe wir keinen Druck. Wir lassen uns Zeit. Es gibt im Moment auch noch keinen genauen Fahrplan, wann wir die Nummer eins benennen. Wir haben letzte Woche die Entscheidung getroffen, dass Jörg Butt nach der Verletzung von Rene Adler mit zur WM fahren wird. Nun werden Hansi Flick und ich uns erst einmal mit Andreas Köpke zusammensetzen, der eine analytische Auswertung der Saison gemacht hat", sagte Löw.

Torwartfrage längst entschieden?

Dass eine Entscheidung zugunsten von Neuer längst gefallen ist, glaubt aber auch Ex-Nationalspieler Torsten Frings, bei Werder Bremen Teamkollege von Neuer-Herausforderer Tim Wiese.

"Ich gehe davon aus, dass Manuel Neuer spielt. Die DFB-Trainer werden längst wissen, wen sie im Tor wollen. Wenn es aber wirklich so ist, dass sie die Spieler über einen längeren Zeitraum beobachtet haben, kann nur Tim bei der WM im Tor stehen", sagte der ausgebootete Frings der Bild-Zeitung.

Im Tor hat Löw ein Luxusproblem. Alle drei Keeper haben ihre Klasse auch international bereits unter Beweis gestellt.

Die Vorbereitung ist gestört

Viel problematischer ist, dass der Bundestrainer wegen der beiden Pokalendspiele in Deutschland und England zu Beginn der direkten WM-Vorbereitung am Mittwoch auf insgesamt noch zwölf Nationalspieler verzichten muss.

Die sieben Profis von Bayern München stoßen sogar erst nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand am 22. Mai hinzu.

Damit kann Löw weder beim Benefizspiel gegen Malta am Donnerstag in Aachen noch im ersten Trainingslager in Sizilien die Abwehr, das Mittelfeld oder den Angriff einspielen. In allen Mannschaftsteilen fehlen entscheidende Spieler.

"Freuen uns über Bayern"

"Sicher ist das nicht ideal, aber wir freuen uns erstmal über den Einzug der Bayern ins Champions-League-Finale. Wir haben uns schon auf diese Konstellation vorbereitet. Wir wussten, was da auf uns zukommt. Im Trainingslager in Sizilien werden wir wegen der fehlenden Spieler sicher erst einmal weniger mit der Mannschaft, dafür aber mehr und gezielt individuell trainieren. Wir wollen vor allem physisch alle auf einen Stand bringen und damit eine gute Basis für die WM schaffen", sagte Löw.

Volle Konzentration auf Australien

Die ideale Basis soll dann der Grundstein für den erhofften vierten Weltmeistertitel der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes sein.

Der Fokus richtet sich aber zunächst auf das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Australien am 13. Juni in Durban. Für Löw ist ein Sieg gegen die Socceroos Pflicht, um auch mit Blick auf seine weiter ungeklärte DFB-Zukunft nicht gleich mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

"Ein Sieg zu Beginn erleichtert die Gruppenphase enorm. Das gibt dem ganzen Team ein gutes Gefühl. Und wir richten in der Vorbereitung auch alles darauf aus, dass wir hochkonzentriert und mit einem großen Siegeswillen in das Turnier starten", sagte Löw.

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