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Joachim Löw (r.) arbeitet seit sechs Jahren beim DFB mit Miro Klose zusammen © imago

Vor dem Start der WM-Vorbereitung spricht der Bundestrainer bei SPORT1 über Sturmprobleme, Torwartfrage und seine unklare Zukunft.

Von Martin Volkmar

München - Der Dienstag ist der letzte freie Tag für Joachim Löw, ehe das Unternehmen Südafrika endlich losgeht.

Doch der Bundestrainer freut sich auf die viele Arbeit der nächsten Wochen, nachdem er seit dem letzten Länderspiel im März gegen Argentinien (0:1) nichts mehr tun konnte.

Vor dem Treffen der WM-Kandidaten am Mittwoch in Aachen und dem ersten Testspiel am Tag darauf gegen Malta nahm sich der 50-Jährige noch einmal Zeit zum Interview mit SPORT1.

Darin spricht er über die Ziele in der Vorbereitung, die Probleme im Sturm, die Torwartfrage, die Bedeutung von Michael Ballack und Bayern Münchens Chancen im Champions-League-Finale.

233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

SPORT1: Herr Löw, seit März mussten Sie viel reden, konnten aber wenig handeln. Sind Sie froh, dass die WM-Vorbereitung endlich losgeht?

Joachim Löw: Ich freue mich darauf. Auf diesen Moment haben wir lange hingearbeitet. Unsere Planung ist abgeschlossen, jetzt können wir sie endlich aktiv umsetzen.

SPORT1: Erwarten Sie Probleme, weil zahlreiche Spieler erst später dazustoßen?

Löw: Es wäre natürlich wünschenswert gewesen, alle Spieler zum gleichen Zeitpunkt an Bord zu haben. Vor allem als Mannschaft hätten wir davon profitiert. Aber wir freuen uns natürlich mit den Bayern über den Einzug ins Champions League Finale, das ist positiv für den gesamten deutschen Fußball. Generell haben wir in den Trainingslagern die Chance, durch individuelle Maßnahmen mit dem einen oder anderen Spielern, bei dem die Form nicht so gestimmt hat, gezielt zu arbeiten. Gleichzeitig können wir die WM-Kandidaten, die nicht im DFB-Pokal- oder im Champions League-Finale dabei sind, natürlich noch intensiver belasten.

SPORT1: Glauben Sie, dass Miroslav Klose und Mario Gomez, die ja in letzter Zeit nicht so viel gespielt haben, bis zur WM in Topform kommen?

Löw: Selbstverständlich. Es ist schon so, dass die beiden im letzten halben Jahr nicht so viele Einsätze hatten, aber ich sehe es als unsere Aufgabe an, gerade die Spieler, die keine so überragende Saison gespielt haben, bis zur WM ans Limit zu bringen.

SPORT1: Sie wollen auch keinen der sechs Stürmer des vorläufigen Kaders streichen. Warum?

Löw: Weil wir flexibel sein wollen und ich so mehr Möglichkeiten habe. Klose, Gomez und Stefan Kießling sind eher klassische Mittelstürmer, Lukas Podolski, Thomas Müller und Cacau können auch aus der Tiefe und über die Außen kommen.

SPORT1: Trotzdem müssen Sie am Ende vier Spieler aussortieren. Franz Beckenbauer hat Ihnen vorher aus eigener Erfahrung als Teamchef vor der WM 1986 davon abgeraten. Sehen Sie keine Probleme?

Löw: Nein, ich sehe überhaupt keine Gefahren. Der Konkurrenzkampf ist wichtig, immerhin geht es um eine WM. Ich glaube, jeder Spieler ist froh, im vorläufigen Aufgebot zu sein. Wir mussten so handeln, da Werder Bremen und Bayern München noch in einem bzw. zwei Wettbewerben vertreten sind. So können wir bei eventuellen Verletzungsproblemen reagieren, weil wir bereits andere Spieler in die Trainingsprozesse integriert haben.

SPORT1: Auch zwei der drei Torhüter kommen später, nur Manuel Neuer absolviert die komplette Vorbereitung und gilt daher als Favorit. Wann wollen Sie Ihren WM-Torwart bekanntgeben?

Löw: Da haben wir keinen Druck und lassen uns mit der Entscheidung Zeit. Es gibt im Moment auch noch keinen genauen Fahrplan, wann wir die Nummer eins benennen.

SPORT1: Michael Ballack fehlt ebenfalls beim Treffen am Mittwoch, weil er noch das FA-Cup-Finale spielt und da das Double holen kann. Die Meisterschaft hat er nach vier Jahren bei Chelsea endlich geholt. Glauben Sie, dass ihm das noch Mal einen Schub geben wird?

Löw: Der Gewinn der Meisterschaft ist sicherlich kein Zufall, die Mannschaft hat ein unglaubliches Potenzial, wie bei den letzten beiden Heimspielen zu sehen war. Körperlich hat Michael auf mich einen sehr starken Eindruck gemacht. Für ihn persönlich ist der Titel natürlich eine tolle Sache, die ihm zusätzliches Selbstvertrauen geben wird.

SPORT1: Wie wichtig ist für Sie die Tatsache, dass die Bundesliga in dieser Saison international Boden gut gemacht hat?

Löw: Dass Bayern im Finale der Champions League steht, ist natürlich ein Riesenerfolg. Der ist allerdings auch hochverdient, weil sie toll gespielt haben. Der HSV ist in der Europa League auch sehr weit gekommen, aber im letzten Jahr stand mit Werder Bremen ja bereits eine deutsche Mannschaft im Finale. Und die Rückrunde in der Bundesliga war schon toll. Neben Bayern haben vor allem Bremen und der VfB Stuttgart hohes spielerisches Niveau gezeigt.

SPORT1: Wie schätzen sie die Chancen der Bayern im Champions-League-Finale ein?

Löw: Ich rechne mit einem sehr ausgeglichenen Spiel. Beide Mannschaften haben ihr Spielsystem mittlerweile verinnerlicht. Inter Mailand kann sehr gut defensiv spielen, das haben sie vor allem in Barcelona gezeigt. Außerdem ist die Mannschaft hervorragend besetzt. Die Bayern haben aber bewiesen, dass sie eine gute Defensive aushebeln können. Es wird ganz eng - ich sehe die Chancen 50:50.

SPORT1: Es gibt seit der geplatzten Vertragsverlängerung zahlreiche Spekulationen um Ihre Zukunft. Wie gehen Sie damit um?

Löw: Ich habe schon mehrfach betont, dass ich mit der Situation gut leben kann. Und für den Fall, dass ich tatsächlich als Bundestrainer aufhöre, würde ich nicht sofort bei einem Verein anfangen. So etwas könnte ich unmittelbar nach einer WM nicht.

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