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Nationalspieler Serdar Tasci wurde 2007 mit Stuttgart Deutscher Meister © getty

Serdar Tasci hat sich für die deutsche Nationalelf entschieden, nicht für die Türkei. Er spricht über die Gründe und seine Ziele.

Von Martin Volkmar

München - Die Diskussionen um Mesut Özil zeigen das Dilemma, in dem viele türkischstämmige Profis in Deutschland stecken.

Einerseits reizt sie die Aussicht auf eine Berufung für die Nationalmannschaft ihres Geburtslandes Deutschland.

Andererseits sind die Verlockungen und auch der Druck aus der Türkei enorm, sich für die Heimat der Eltern zu entscheiden.

Auch bei Serdar Tasci machten sich die Türken bis zu seinem Debüt für die DFB-Auswahl im August Hoffnungen auf den Stuttgarter Verteidiger, dem sogar die Nominierung für die EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz angeboten worden war.

Bei Sport1.de erklärt Tasci, warum er sich trotzdem für das Team von Joachim Löw entschieden hat.

Zudem spricht der 21-Jährige über die Gründe für seine bislang rasant verlaufene Karriere, seine Ziele mit der Nationalelf und dem VfB Stuttgart sowie die Aussichten auf die Meisterschaft.

Sport1.de: Wie groß ist der Druck auf türkischstämmige Spieler, wie aktuell Mesut Özil, wenn Sie sich für den DFB entscheiden wollen?

Serdar Tasci: Man muss einfach für sich eine Entscheidung treffen und wissen, was man will. Dann können Anfragen kommen, das ändert dann nichts mehr.

Sport1.de: Aber der türkische Verband hat auch bei Ihnen bis zuletzt intensiv versucht Sie zu überreden, speziell vor der EM.

Tasci: Das stimmt. Aber meine Entscheidung stand schon bei der U-21 fest. Deshalb hatte ich auch keine Zweifel, selbst als die Anfrage kam, für die Türkei bei der EM zu spielen.

Sport1.de: Bis vor einigen Jahren haben sich Kinder ausländischer Eltern meist gegen die DFB-Auswahl entschieden. Das hat sich stark geändert. Ist es Ihrer Generation leichter gemacht worden, weil sich Deutschland auch ein bisschen geändert hat?

Tasci: Das ist gut möglich. Mittlerweile ist es ganz normal, dass es bei der deutschen Nationalmannschaft multikulturell zugeht. Das Interesse vom DFB ist vielleicht auch größer. Jogi Löw hat sich jedenfalls sehr intensiv um mich bemüht, was letztlich den Ausschlag für Deutschland gegeben hat.

Sport1.de: Sind Sie ein positives Beispiel für gelungene Integration?

Tasci: Ich glaube ja. Es leben ja viele türkischstämmige Menschen in Deutschland. Die Entscheidung ist mir verständlicherweise nicht so leicht gefallen. Aber ich bin hier geboren und zur Schule gegangen, daher habe ich mich für den DFB entschieden.

Sport1.de: Auch Ihr Vereinstrainer Armin Veh ist voll des Lobes und hat Sie auf dem Platz sogar als "positiv böse" beschrieben. Können Sie sich damit identifizieren?

Tasci: Wenn der Trainer das sagt, dann muss das auch stimmen. Ich bin Innenverteidiger, da muss ich aggressiv sein. Aber das liegt mir auch. Und natürlich muss man auch konsequent in die Zweikämpfe gehen, um sich Respekt zu verschaffen.

Sport1.de: Veh hat auch gesagt, Sie spielten wie einer mit 100 Länderspielen auf dem Buckel. Wie erklären Sie sich diese Abgeklärtheit?

Tasci: Schwer zu sagen. Ich bin einfach ein ruhigerer Typ. Vor dem Spiel bin ich zwar ein bisschen aufgeregt, aber mit dem Anpfiff dann ganz gelassen. Ich weiß eigentlich auch nicht, woher das kommt.

Sport1.de: Was muss ein moderner Innenverteidiger können?

Tasci: Eigentlich alles. Zweikampf- und kopfballstark sein sowieso, aber er muss auch von hinten aufbauen können und so wie ein Mittelfeldspieler das Spiel eröffnen.

Sport1.de: Wie nah sind Sie schon an dieser Idealvorstellung?

Tasci: Ich kann mich noch überall verbessern. Ich versuche einfach, das Spiel von hinten anzutreiben und ich denke, das liegt mir.

Sport1.de: Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

Tasci: Ich schaue im Moment erstmal von Spiel zu Spiel. Man weiß ja nie, ob man sich eine Verletzung zuzieht oder in eine Formkrise rutscht. Ich werde einfach weiter an mir arbeiten und möchte mich beim VfB und in der Nationalmannschaft etablieren.

Sport1.de: Und an der WM 2010 teilnehmen?

Tasci: So ist es. Ein großes Turnier muss das Ziel jeden Spielers sein, deshalb möchte ich unbedingt in Südafrika dabei sein. Und wenn wir dort erfolgreich sein könnten, wäre es natürlich ein Traum.

Sport1.de: Ein Traum war für Sie vermutlich auch der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2007. Sehen Sie in dieser Saison Parallelen?

Tasci: Das kann man nicht vergleichen. Die Saison ist noch jung und wir haben eine ganz andere Mannschaft. Aber wir sind schon gut besetzt. Mal abwarten.

Sport1.de: Bis jetzt sieht es jedenfalls nicht nach dem erwarteten Alleingang des FC Bayern, sondern nach einem offenen Titelkampf aus.

Tasci: Es gibt sieben, acht Mannschaften, die ganz oben mitspielen können. Das zeigt ja auch der Blick auf die Tabelle. Jeder hat damit gerechnet, dass Bayern früh wegzieht. Aber im Moment ist es so wie vor zwei Jahren. Und da waren wir am Ende vorne.

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