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Stefan Kießling brachte gegen Malta den Ball nicht über die Torlinie © getty

Der deutsche Test gegen Malta offenbart fast mehr Verlierer als Gewinner. Löw ist doppelt gefordert.

Vom DFB-Team berichtet Christian Paschwitz

Aachen - Die meisten gaben sich locker so kurz vor dem Abheben ins Trainingslager nach Sizilien am Freitagmittag.

Doppeltorschütze Cacau strahlte am Düsseldorfer Flughafen bis über beide Ohren.

Die Mienen anderer Routiniers dagegen sprachen finstere Bände: Der Konkurrenzkampf wird hart - für einige wirkt er fast schon gelaufen.

Schon unmittelbar nach dem glanzlosen 3:0 (1:0)-WM-Test der deutschen Nationalmannschaft gegen Malta wurde klar: Der vorletzte Härtetest hat keineswegs nur Sieger und Gewissheit über die eigenen Stärken hervorgebracht.

Noch 30 Tage bis zum Australien-Spiel

Was an sich nicht sonderlich besorgniserregend stimmen müsste: Schließlich bleiben bis zum Turnier-Auftakt gegen Australien am 13. Juni noch 30 Tage Zeit.

Gegenwärtig offenbart das Spiel des DFB-Teams gleichwohl noch viel Sand im Getriebe. Vorne wie hinten. 236960(DIASHOW: Die Einzelkritik)

Und nach dem Duell mit der Nummer 154 der Fußballwelt in Aachen legt Löw denn auch sogleich den Finger in die Wunde.

Löw moniert Chancen-Verwertung

"Wir müssen nun ganz hart, intensiv und beharrlich arbeiten. Es waren einige Tore zu wenig", monierte der Bundestrainer. 236892(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Wir haben uns zwar viele gute Möglichkeiten herausgespielt, aber auch einige zu lässig vergeben. Das Ergebnis ist zu niedrig ausgefallen."

Dass es letztlich nur eine B-Elf war, die gegen Malta antrat, wollte Löw dabei nur bedingt als Rechtfertigung gelten lassen: "Wir müssen noch viel tun."

Heikle Doppelaufgabe

Auch Löw selbst steht mächtig in der Pflicht.

Der 50-Jährige muss nach den beiden anstehenden Trainingslagern seinen 27-Mann-Kader bis zum 1. Juni um vier Akteure reduziert haben.

Vor allem aber hat der Bundestrainer eine ganze Reihe von Fragezeichen aufzulösen und eine titelreife Stammformation zu finden. Von der war man gegen Malta weit entfernt.

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Ohne den Bayern- und Werder-Block

"Einige waren zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft, viele andere fehlten", verwies Löw auf zwölf fehlende Kaderspieler.

Ohne die Spieler-Blöcke des FC Bayern (7 Akteure) und von Werder Bremen (4), die wegen des DFB-Pokal-Finale ferngeblieben waren, und ohne Michael Ballack (im englischen Cup-Endspiel mit dem FC Chelsea) brachte der Benefiz-Kick dennoch Erkenntnisse:

Vor allem Matchwinner Cacau stärkte im Konkurrenzkampf mit den abwesenden Münchnern Miroslav Klose und Mario Gomez seine Aussichten auf einen Platz in der WM-Startformation.

"Deutschland hat mich adoptiert"

"Ich hoffe, noch viel Freude für Deutschland bereiten zu können, weil Deutschland mich so gut aufgenommen hat", sagte der Stuttgarter nach seinem Doppelpack (16./58.), zu dem sich noch ein Eigentor von Kenneth Scicluna (60.) gesellte.

Nach seinem sechsten Länderspiel meinte Cacau bewegt: "Deutschland hat mich sozusagen adoptiert. Ich bin froh, Teil dieser Mannschaft zu sein."

Kießling als Chancentod

Von der ersten Elf wieder entfernt hat sich dagegen Stefan Kießling.

Der Leverkusener brachte ein gutes Dutzend bester Chancen nicht im Tor unter.

Hinterher meinte der zweitbeste Liga-Torschütze in einer Mischung aus Galgenhumor und Resignation: "Ich hätte auch noch eine Stunde weiterspielen können, und der Ball wäre nicht reingegangen."

Podolski allenfalls mäßig

Sorgenkind und nur leicht formverbessert bleibt zudem Lukas Podolski, der sich wie in der Liga ohne Durchschlagskraft präsentierte.

Seine besten Szenen hatte der Kölner noch bei der Ablage zum 2:0 und einer scharfen Hereingabe, die in das Malteser Eigentor mündete.

"Wenn es drauf ankommt, sind die Spieler einer deutschen Mannschaft aber immer voll da", beschwor der Angreifer Zweckoptimismus.

Was wird aus Friedrich?

So viel Zeit, um in Bestform zu kommen, bleibt trotzdem nicht. Das gilt ebenso für Arne Friedrich.

Einmal mehr bot der Innenverteidiger von Absteiger Hertha BSC eine dürftige Vorstellung. Der 30-Jährige konnte sich bei der für Südafrika zu erwartenden Nummer eins Manuel Neuer bedanken (Neuer im SPORT1-Interview), dass die Null hielt.

Das Personal für die nicht immer sattelfeste Abwehr dürfte Löw die verbleibenden Tage bis Südafrika ohnehin umtreiben.

Aogo macht Boden gut

Denn: Wackelkandidat Dennis Aogo punktete links defensiv, gab die Vorlage zum 1:0 und schlug auch sonst passable Flanken und Standards. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

"Ich bin mit seinem Spiel absolut zufrieden", lobte Löw und gab einen Fingerzeig, dass der Länderspiel-Neuling den Job auch in Südafrika machen könnte.

Dann würde Bayerns Philipp Lahm auf die rechte Seite wechseln.

Großkreutz stark - und doch draußen

Immerhin auf einem guten Weg darf sich mit Kevin Großkreutz auch ein weiterer Debütant wähnen: Nach seiner Einwechslung machte der Dortmunder viel Dampf nach vorn, war auch maßgeblich an zwei Treffern beteiligt.

"Einfach geil, es ist wie ein Traum", jubelte Großkreutz.

Meniskus-OP am Dienstag

Für die WM ist der "Perspektivspieler"- wie auch der ordentliche Klubkollege Mats Hummels - trotzdem nicht vorgesehen.

Überdies muss der 21-Jährige am Dienstag wegen einer Meniskus-OP unters Messer.

Es sei denn, der Bundestrainer gäbe im zu verstehen, ihn "doch noch mit zur WM" zu nehmen, so Großkreutz auf SPORT1.

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