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Seit 2006 ist Joachim Löw (M.) Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft © getty

Von wegen Regeneration: Die deutsche Nationalmannschaft geht schon beim ersten WM-Trainingslager auf Sizilien in die Vollen.

Von Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Man könnte auf den Gedanken kommen, Jogi Löw habe in seinen Planungen auch das Wetter genau mit einkalkuliert.

Denn statt bei der erwarteten Sonne erwachten die deutschen WM-Kandidaten am Samstagmorgen nach der ersten Nacht auf Sizilien bei windigem Regenwetter.

Wären die Temperaturen nicht doch etwas höher als im kalten Deutschland, könnte man meinen, man wäre auf einer Insel in der Nordsee gelandet. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Doch Löw dürfte das alles ganz recht sein. Schließlich ist er mit der Nationalmannschaft nicht zum Vergnügen hier - auch wenn das einige nach einer langen und strapaziösen Saison gedacht hatten.

Kießlings Hoffnung vergebens

"Ich glaube nicht, dass wir komplett die Füße hochlegen können, aber es wird etwas ruhiger als sonst", hatte Stefan Kießling noch vor dem Abflug gehofft.

Da allerdings liegt der Leverkusener falsch, denn Löw wird bereits im ersten WM-Trainingslager in Sciacca die Zügel anziehen.

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Man werde dafür sorgen, dass die mitgereisten Familienmitglieder etwas Freiraum hätten, formulierte es der Bundestrainer beim Begrüßungscocktail am Freitagabend auf der Terrasse des noblen Team-Hotels Rocco Forte Verdura.

Konkret: "Jeder Spieler wird zwischen drei und vier Stunden hart arbeiten, mancher vielleicht noch ein bisschen mehr."

Zweimal täglich Training

Zweimal täglich individuelles Training in den Bereichen Kondition, Technik und Taktik steht bis zur Weiterreise am nächsten Freitag ins zweite Trainingslager in Südtirol auf dem Programm.

Dazu wurde auf der weitläufigen Anlage direkt am Mittelmeer eigens ein Fußballplatz für die prominenten Gäste erbaut und das Event-Center von den amerikanischen Fitnesstrainern Mark Verstegen, Shad Forsythe und Masa Sakihana zum Indoor-Trainingscamp umfunktioniert.

"Die Spieler, die hier dabei sind, werden intensiv und anspruchsvoll arbeiten müssen?", kündigte Löw an. "Es sind zwar noch einige Wochen Zeit bis zur WM, aber wir müssen noch viel tun."

Rund 30 Spielerfrauen und Kinder dabei

Trotzdem soll genügend Zeit bleiben für gemeinsame Freizeit mit den mitgereisten rund 30 Spielerfrauen und Kinder.

"Wir wollen ein bisschen den Kopf frei bekommen vom Bundesliga-Stress, aber trotzdem intensiv arbeiten", sagte Co-Trainer Hansi Flick beim Pressegespräch am Samstag.

"Es ist zwar ein bisschen windig, aber für unsere Arbeit haben wir hier optimale Bedingungen. Wir wollen die Zeit nutzen, um den vielen jungen Spielern unsere Philosophie nahe zu bringen."

So erweist sich das so genannte Regenerations-Trainingslager als Etikettenschwindel - was die erfahreneren DFB-Akteure allerdings kaum wundern dürfte.

Wie vor der WM 2006

Fast genauso war es nämlich vor vier Jahren vor der WM 2006, als das angeblich lockere Zusammentreffen auf Sardinien ebenfalls zu unerwarteten Knochenmühle wurde. Ebenso wie die Vorbereitung aufs letzte große Turnier.

"Wir haben auch vor der EM 2008 auf Mallorca die Grundlagen für das Turnier gelegt, das werden wir diesmal auf Sizilien genauso halten", erklärte Löw.

"Wir werden viel reden und individuell trainieren. Ausdauer, Schnelligkeit, Balleroberung und Zweikampfschulung stehen je nach Bedarf ebenfalls auf dem Programm - aber auch Basketball und andere Ballsportarten, die Spaß machen."

Immerhin.

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