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Im Mai 2009 gab Cacau gegen China sein Länderspieldebüt für den DFB © getty

Er ist der erste Gewinner der WM-Vorbereitung und gebürtiger Brasilianer, sagt aber von sich: "Meine Mentalität ist deutsch."

Aus Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Aus Brasilien über die deutsche Landesliga nach Südafrika: Cacau hat eine lange Reise hinter sich.

Und bei der WM-Endrunde könnte die wundersame Karriere den vorläufigen Höhepunkt erreichen.

Zumindest reiste der Stürmer des VfB Stuttgart nach seinem Doppelpack beim 3:0 gegen Malta als erster Gewinner der Vorbereitung ins Trainingslager auf Sizilien.

Dabei hatte ihn vor eineinhalb Jahren noch niemand als Kandidaten für die DFB-Auswahl auf dem Schirm. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Seit Februar 2009 Deutscher

Denn erst am 2. Februar 2009 erhielt der gebürtige Brasilianer Jeronimo Maria Claudemir Barreto da Silva aus Santo Andre vom Bürgermeister seines neuen Heimatstädtchens Korb im Remstal die Einbürgerungsurkunde.

"Ich bin jetzt Herr Cacau", sagte er damals grinsend. Sein damaliger VfB-Kollege Ludovic Magnin verpasste ihm daraufhin allerdings den Spitznamen "Helmut", der mittlerweile auch bei der DFB-Auwahl gebräuchlich ist.

Der Entschluss zum Nationalitätenwechsel, das versichert der Stuttgarter Profi glaubhaft, hatte rein private Gründe: "Meine ganze Mentalität ist deutsch."

Mit sportlichen Hintergedanken habe der Schritt dagegen nichts zu tun gehabt. "Der Bundestrainer hat doch genug gute Stürmer zur Auswahl", meinte er damals sogar.

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Löws hohe Meinung

Joachim Löw sah das allerdings anders, zumal Cacau im Duett mit VfB-Torjäger Mario Gomez nach der Meisterschaft 2007 auch maßgeblich am Stuttgarter Höhenflug in der Rückrunde 2008/2009 beteiligt war.

Seine hohe Meinung über die besonderen Qualitäten des 29-Jährigen hat der Bundestrainer noch immer. "Es ist kein Zufall, dass Cacau jetzt im WM-Kader steht", sagte Löw nach dem 3:0-Sieg gegen Malta.

"Er hat eine Spielweise, wie sie nicht so oft vorkommt bei einem Stürmer. Er holt sich die Bälle auch im Mittelfeld, dreht sich sofort Richtung Tor, hat viel Tempo, geht immer wieder in die Spitze. So habe ich ihn oft gesehen."

Daher lud er den Angreifer vor einem Jahr zur Asienreise ein, wo Cacau beim 1:1 gegen China sein Debüt feierte. "Das war die Krönung", meinte er damals.

Lange Zeit nur Außenseiter

Dennoch galt er angesichts der starken Konkurrenten lange Zeit nur als Außenseiter, und seine mäßige Hinserie im Verein in der abgelaufenen Spielzeit schien die Kritiker zu bestätigen.

Doch unter dem neuen Coach Christian Gross blühte Cacau auf, erkämpfte sich mit elf Rückrundentreffern zunächst seinen Stammplatz beim VfB zurück und dann seinen festen Platz im deutschen WM-Kader.

Damit allein will er sich nun aber nicht mehr zufrieden geben: "Ich möchte weiter meine Leistung bringen, damit ich in Südafrika nicht nur dabei bin, sondern auch spielen kann."

Beste Werbung in eigener Sache

Gegen Malta machte Cacau beste Werbung in eigener Sache und bestätigte nicht nur wegen der ersten beiden Treffer im sechsten Länderspiel seine Topform der vergangenen Wochen.

Trotzdem blieb der sympathische Torjäger auch danach äußerst bescheiden. "Ich hoffe, noch viel Freude für Deutschland bereiten zu können, weil Deutschland mich so gut aufgenommen hat", sagte er.

"Deutschland hat mich adoptiert"

Cacau ist ein Musterbeispiel gelungener Integration. "Deutschland hat mich sozusagen adoptiert", erklärte er nun im Rückblick: "Ich bin froh, Teil dieser Mannschaft und Teil dieser Nation zu sein."

Daher entschloss er sich auch gemeinsam mit seiner Familie, hoch dotierte Angebote aus England und Spanien abzulehnen und beim VfB bis 2013 zu verlängern.

Wobei den Stuttgartern auch der Wert ihres Publikumslieblings nach den zunächst geplatzten Vertragsverhandlungen klar wurde und sie schließlich entsprechend tief in die Tasche griffen.

Start in der fünften Liga

"Es ist schon unglaublich, wie alles für mich gelaufen ist in den letzten Jahren", staunte Cacau selber, der vor zehn Jahren mit einer Samba-Truppe ins kalte Deutschland kam und zunächst beim fünftklassigen Türk Gücü München kickte.

Von dort ging es zu den Amateuren des 1. FC Nürnberg, die ihn schnell an die Profis weiterreichten. Und seit seinem Wechsel 2003 nach Stuttgart hat er nicht nur sportlich seine neue Heimat gefunden.

"Das waren Träume, die in Erfüllung gingen", erzählte er im Rückblick. "Jetzt freue ich mich auf Südafrika. Das wäre noch ein Traum, der in Erfüllung geht."

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