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Am Mittwoch steigt das Rückspiel in Cardiff. Mit einem Sieg wäre ein großer Schritt in Richtung WM 2010 geschafft. Und dann?
Das 1:0 gegen Wales war der 50. DFB-Sieg in einer WM-Qualifikation © getty

"Es war ein hartes Stück Arbeit für uns", meinte DFB-Kapitän Michael Ballack nach dem Knacken des Waliser Bollwerks.

Von der DFB-Elf berichten Martin van de Flierdt und Bita Mohammadi

Mönchengladbach - Sie hatten dickes Holz bohren müssen, ehe die Erlösung kam.

72 Minuten lang hatte die deutsche Mannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales unverdrossen, aber erfolglos das Tor der Gäste berannt.

Dann jagte Piotr Trochowski den Ball von der Strafraumgrenze zum Sieg bringenden 1:0 (0:0) in den rechten Torgiebel und sicherte der deutschen Auswahl damit drei enorm wichtige Zähler im Kampf um das direkte Reiseticket nach Südafrika.

Nicht zwingend in Hälfte eins

"Es war ein hartes Stück Arbeit für uns", meinte Kapitän Michael Ballack nach dem Spiel, an dem er trotz Wadenproblemen unbedingt hatte mitwirken wollen, um ein "wichtiges Signal an die Mannschaft" zu senden.

"Die Waliser haben uns gerade in der ersten Halbzeit das Leben schwer gemacht. Da haben wir zwar gut kombiniert, aber nichts Zwingendes herausgespielt."

In der Tat hatte sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Defensivbollwerk des Gegners, der zeitweise mit einer Fünfer-Abwehrkette und einer Vierer-Reihe gleich davor den eigenen Strafraum abriegelte, 45 Minuten lang fast die Zähne ausgebissen.

Nur ein Lattenschuss Bastian Schweinsteigers (31.) hatte sie in dieser Zeit in die Nähe eines Torerfolgs gebracht.

Destruktiver Gegner

"Die Waliser wollte nie Fußball mitspielen", erklärte Heiko Westermann die Problematik des Abends im Mönchengladbacher Borussia-Park, sie waren Philipp Lahm zufolge "nur auf das Zerstören aus".

Dass dieses Rezept beinahe aufgegangen wäre, bestätigt ihren Trainer John Toshack in der Wahl seiner Mittel.

"Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass wir planvoll agieren und die Waliser spielerisch müde machen müssen", erinnerte sein deutscher Amtskollege Löw. "In der zweiten Halbzeit haben wir dann mehr Tempo ins Spiel investiert."

Steigerung nach der Pause

Oder mit den Worten Schweinsteigers: "Wir haben uns nach der Pause besser bewegt." Das galt auch für den Münchner selbst, der das deutsche Spiel eindrucksvoll an sich riss.

Fortan sah sich der walisische Schlussmann Wayne Hennessey einem Dauerbeschuss ausgesetzt, den er mit Unterstützung seiner aufopferungsvoll verteidigenden Mannschaftskollegen lange unbeschadet überstand.

"Wir hatten nach der Pause ein bisschen Pech, weil einige Schüsse nur knapp vorbei oder gegen den Pfosten gingen", urteilte Rene Adler. "Die Waliser haben sich zudem in jeden Schuss geworfen."

Besonders Abwehrchef James Collins tat sich dabei hervor. In seinem ersten Spiel nach langer Verletzungspause schien der Rotschopf vom Ostlondoner Premier League Klub West Ham United allgegenwärtig.

Tor als Zeugnis eigener Stärke

"Wir haben gewusst, dass es ein Geduldsspiel werden kann, wenn uns kein frühes Tor gelingt", meinte Philipp Lahm. "Dass wir den Treffer aber überhaupt gemacht haben, spricht für unsere Klasse."

In diesem Fall insbesondere diejenige Trochowskis, der David Edwards gleich zweimal Brötchen holen schickte, ehe er zum spielentscheidenden Schuss ansetzte.

"Es kann schon mal passieren, dass man den Ball so trifft", meinte der Hamburger nach seinem ersten Länderspieltor im 17. Einsatz fast entschuldigend. "Sooft wie ich in den letzten Wochen aufs Tor geschossen habe, musste das Ding ja irgendwann reingehen."

Löw rundum zufrieden

Das tat es am Mittwochabend nach den erwähnten 72 Spielminuten. Da die Waliser auch in der Folge kaum nennenswert vor Adler auftauchten, durfte der Bundestrainer ein positives Fazit der beiden jüngsten Qualifikationsheimspiele ziehen.

"Mit diesem Doppelspieltag sind wir absolut zufrieden. Wir haben aus den beiden Spielen sechs Punkte geholt, sind Tabellenführer", bilanzierte Löw. "Das ist ein gutes Fundament. Darauf können wir im nächsten Jahr aufbauen."

Ehe es am 28. März in Leipzig gegen Liechtenstein mit der WM-Qualifikation weitergeht, kommt bei den Tests gegen England (19. November in Berlin) und Norwegen (11. Februar in Düsseldorf) die Zeit der Experimente.

"Dort", kündigte Löw an, "werden wir dem einen oder anderen Spieler eine Chance geben."

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