vergrößernverkleinern
Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt (l.) kümmerte sichbei der WM 2006 um die Wade der Nation © getty

Beim DFB-Kapitän wird nach dem brutalen Foul von Boateng frühestens am Montag Klarheit über die Schwere der Verletzung herrschen.

Aus Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Der heftige Wind hatte die Wolken über Nacht fortgeblasen, so dass die deutschen Nationalspieler die erste Einheit mit Ball am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein absolvieren konnten.

Und dennoch liegt über dem ersten WM-Trainingslager auf Sizilien seit Samstag ein Schatten.

Denn die DFB-Auswahl bangt um ihren Kapitän und muss vorerst mit der Unsicherheit leben, dass zumindest der Auftakt ins Turnier ohne Michael Ballack stattfinden könnte.

Eine genaue Diagnose der beim Sieg im FA-Cup-Finale gegen Portsmouth erlittenen Knöchelverletzung wird frühestens am Montag erwartet.

Kernspintomografie erst Montag

Dann lässt sich Ballack in München bei Nationalmannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen. Möglicherweise wird dort auch die Kernspintomografie durchgeführt, die genaueren Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben soll.

Nach ursprünglichen Angaben von Bundestrainer Joachim Löw sollte die Untersuchung eigentlich in London vorgenommen werden. Doch nun will der DFB offenbar kein Risiko eingehen und schickt Ballack direkt zum langjährigen DFB-Teamarzt.

[image id="21eb9c98-6366-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Auf Nachfrage von SPORT1 hatte Löw bereits betont, welch große Bedeutung der 33-Jährige für die DFB-Auswahl besitzt: "Michael ist unser Kapitän und hat die meiste internationale Erfahrung. Deshalb ist er für mich auf und neben dem Platz enorm wichtig."

Grundsätzlich zeigt sich Löw allerdings zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass Michael bei der WM dabei sein wird", sagte der Bundestrainer am Sonntagmittag. "Da habe ich keine Befürchtungen."

Doch wie lange die Zwangspause für Ballack dauern wird, ist noch unklar. Bei einem Bänderriss sind rund drei Wochen wahrscheinlich, bei zusätzlicher Beeinträchtigung etwa der Kapsel oder des Syndesmosebandes könnte die Rückkehr jedoch noch länger dauern.

Entwarnung nach Telefonat am Samstagabend

Zumindest bei den zwei Testspielen in Ungarn (29. Mai) und gegen Bosnien (3. Juni) würde Ballack dann ausfallen, doch Löw glaubt nicht daran:

"Nachdem ich zunächst nichts Genaues wusste, war ich schon beunruhigt. Aber am Samstagabend haben wir miteinander telefoniert und er hat mir gesagt, dass beim Röntgen kein Bruch festgestellt wurde", berichtete der DFB-Chefcoach.

"Bei dem Gespräch hat er auf mich einen guten Eindruck gemacht. Das Allerschlimmste können wir ausschließen."

Und weiter: "Er hat sicherlich noch Schmerzen, aber die Bewegungsfreiheit im Fuß ist nicht völlig eingeschränkt. Das spricht eher gegen einen Bänderriss. Deshalb hoffe ich, dass die Verletzung nicht so langwierig sein wird."

"Auf und neben dem Platz enorm wichtig"

Vor allem für die vielen jungen Spieler im WM-Kader sei "seine Präsenz von enormer Wichtigkeit", erklärte der 50-Jährige, der sich schon allein deshalb derzeit nicht mit dem Worst Case auseinandersetzen will.

Denn nach der Absage von Simon Rolfes könnten die Alternativkandidaten fürs defensive Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Christian Träsch sowie im Notfall auch Heiko Westermann, Ballack wohl kaum adäquat ersetzen.233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Beckenbauer: "Es läuft langsam aus"

Immerhin sieht Franz Beckenbauer einen Ausfall Ballacks nicht ganz so dramatisch. "Er spielt vielleicht nicht mehr so die dominante Rolle wir vor vier Jahren", sagte der ehemalige Teamchef. "Er ist nicht mehr der Jüngste. Es läuft langsam aus."

Noch aber, das weiß auch der "Kaiser", ist Ballack für die Mannschaft nicht zu ersetzen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel