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Das Pokalfinale ist auch das Duell der beiden Nationalkeeper Butt und Wiese. Der Bundestrainer lässt sich alle Optionen offen.

Von Daniel Rathjen

Berlin - Jörg Butt war am Wochenende immer der Letzte.

Der Bayern-Keeper kam als Letzter aus der Kabine und präsentierte stolz den DFB-Pokal. Er verließ als letzter Spieler das Bankett und kassierte noch mal ein Lob von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Es ist jedoch durchaus möglich, dass der 35-Jährige bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zur Nummer 1 wird.

Das direkte Duell mit dem Konkurrenten von Werder Bremen, Tim Wiese, hat er klar für sich entschieden.

Butt macht sich Hoffnungen

Wiese war zwar bei allen vier Gegentreffern ohne Abwehrchance, aber allein die Tatsache, dass er hinter sich greifen musste, ist entscheidend.

Butt glänzte in der achten Minute mit Reaktionsschnelle gegen Bremens Claudio Pizarro, alle anderen Pflichtaufgaben meisterte er souverän.

"Ich konzentriere mich jetzt erstmal weiter auf das Finale gegen Inter, erst danach denke ich an die WM", betonte Butt wieder.

Dennoch verriet sein Siegerlächeln, dass er sich durchaus Hoffnungen macht.

Butt nicht mehr "der Titellose"

Wieser stand dagegen der Ärger nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben. Konsterniert blickte der Torwart in den Himmel, während die Münchner um ihn feierten.

Die Meisterschaft und der Pokalgewinn mit den Bayern waren Butts erste Trophäen in seiner Karriere.

Zuvor haftete ihm das Image des ewig Titellosen an. 2002 gehörte er zu jenen Leverkusener Spielern, die es schafften, die Saison viermal auf Platz zwei zu beschließen - in der Bundesliga, der Champions League, dem DFB-Pokal und bei der WM.

Nun könnte sich alles diesmal alles umkehren.

"Ich mache mich nicht zu sehr fertig"

"Ich habe schon sehr viel erlebt. Das kommt mir zugute", sagt er. Dadurch könne er die Dinge einordnen.

Ein weiteres Plus: "Ich lasse mich von äußeren Einflüssen nicht verrückt machen - egal, in welche Richtung es geht. Ich mache mich nicht zu sehr fertig, und ich werde auch nicht zu euphorisch", weiß er.

Genau auf diese Art von Gelassenheit könnte Bundestrainer Joachim Löw Wert legen. Entscheiden will er sich aber erst nach dem 22. Mai.

"Wir werden uns einfach nochmal in Ruhe mit dem Thema auseinandersetzen", kündigte der Coach an.

Auch Neuer noch im Rennen

Torwart-Coach Andreas Köpke habe "hervorragende Analysen gemacht", ergänzte Löw.

Die Bayern-Spieler - einschließlich Butt - werden von Löw erst am 24. Mai zum zweiten WM-Trainingscamp in Südtirol erwartet.

Neben Butt und Wiese bewirbt sich natürlich auch noch der Schalker Manuel Neuer nach dem verletzungsbedingten Aus für den Leverkusener Rene Adler um die Stelle des deutschen WM-Keepers.

"Dann müsste Butt im Tor stehen"

Prinzipiell wolle jeder spielen, sagt Butt. "Und ich traue mir das auch zu. Aber die Reihenfolge spielt keine Rolle. Ich werde alles dafür tun, dass Deutschland Weltmeister wird."

Viele gehen davon aus, dass Neuer das Rennen macht. Auch Franz Beckenbauer: ?Vorher hieß es Adler oder Neuer, da ist es logisch, dass Neuer es jetzt wird?, erklärt der Bayern-Präsident.

Er fügt jedoch mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wenn Löw mit einer Bayern-Achse spielen will, dann müsste Butt im Tor stehen."

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