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Kevin-Prince Boateng sah nach seinem Foul gegen Ballack nur Gelb © imago

Nach Ballacks WM-Aus fordert nicht nur Werders Aufsichtsratsvorsitzende von Löw eine Rückkhol-Aktion.

München - England-Legionär Kevin Boateng vom FA-Cup-Finalisten FC Portsmouth drohen nach seinem folgenschweren Foul (Video) gegen DFB-Kapitän Michael Ballack juristische Konsequenzen.

"Meiner Meinung nach handelt es sich bei Boatengs Attacke nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage. Wir behalten uns ausdrücklich eine juristische Bewertung vor. Das umfasst sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Konsequenzen", sagte Michael Becker, Rechtsanwalt und Berater von Ballack.

Bereits am Vortag hatte sich Boateng bei Ballack öffentlich entschuldigt.

"Es tut mir leid. Es war keine Absicht. Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll. Es sah dumm aus", sagte der 23-Jährige der "Sport Bild". Ob ihn dies vor den juristischen Konsequenzen bewahren kann, bleibt abzuwarten.

Unterdessen diskutiert Fußball-Deutschland über mögliche Ersatzkandidaten für Ballack im defensiven Mittelfeld des DFB-Teams.

Willi Lemke, Aufsichtsratsvorsitzender von Werder Bremen, spricht sich vehement für Torsten Frings als Ersatz ausgesprochen.

"Wäre ich Joachim Löw, ich würde keine Sekunde zögern und Torsten Frings anrufen", sagte der langjährige Werder-Manager.

Frings sei "auf Augenhöhe mit Ballack, was die Erfahrung angeht. Er kann für den Bundestrainer von unschätzbarem Wert sein. Torsten Frings drängt sich als Ideallösung geradezu auf."

Ausschluss statt Rücktritt

Er selbst sei "vom Donner gerührt" gewesen, als er von Ballacks Verletzung erfahren habe, berichtete Lemke. "Jetzt muss Löw neu nachdenken, und das wird er tun. Ich bin mir sicher, dass er jetzt auch über Torsten Frings diskutiert. Ich hoffe, er wird die richtige Entscheidung treffen."

Frings, Vize-Weltmeister von 2002, hatte das Thema WM längst abgehakt. Trotz der Verletzungen von Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) und Sami Khedira (VfB Stuttgart) sowie der Formkrise von Thomas Hitzslperger (Lazio Rom) sah er keine Zukunft in der DFB-Auswahl.

"Die WM ist für mich kein Thema. Die Wahrscheinlichkeit, dass Joachim Löw auf mich zukommt, ist gleich null", sagte der 33-Jährige zuletzt, wollte dies aber nicht als Rücktritt verstanden wissen: "Ich kann schlecht aus der Nationalmannschaft zurücktreten, denn ich bin ja aus dieser Mannschaft entfernt worden."

SPORT1 hat die weiteren Reaktionen zu Michael Ballacks Ausfall:

Bernd Schneider (Vize-Weltmeister von 2002): "Das war ein Schock für mich. Das ist tragisch, besonders so kurz vor der Weltmeisterschaft. Er wäre mit riesigem Selbstvertrauen nach Südafrika gefahren. Ich habe gehofft, dass er nur ein paar Tage pausieren muss. Ich habe mich gefreut, dass er Meister und Pokalsieger mit Chelsea geworden ist. Das ist jetzt natürlich ein großer Verlust."

Jürgen Klopp (Trainer von Borussia Dortmund): "Das ist ein herber Schlag für die Nationalmannschaft. Das schüttelt die Planungen des Bundestrainers durcheinander. Michael Ballack ist der Eckpfeiler, an dem sich alle ausgerichtet haben. Er hat eine tolle Saison in Chelsea gespielt und war in hervorragender Form. Mir persönlich tut es sehr leid für ihn. Ich traue Bastian Schweinsteiger zu, in Ballacks Rolle hineinzuwachsen und sie zu übernehmen."

Michael Skibbe (Trainer Eintracht Frankfurt, früherer DFB-Trainer): "Das ist ein herber Verlust für die deutsche Nationalmannschaft. Michael Ballack kann man sicherlich nicht gleichwertig ersetzen. Für seine internationale Karriere wäre die WM ein absolutes Highlight gewesen."

Andreas Brehme (Weltmeister von 1990): "Das ist unheimlich traurig, nicht nur, weil es ja die letzte WM für Michael gewesen wäre. Es war ein brutales Foul von Boateng. Mir tut es unheimlich leid für Michael, ich hätte ihn liebend gerne mit Bastian Schweinsteiger zusammen im zentralen Mittelfeld gesehen, das wäre perfekt für die deutsche Nationalmannschaft gewesen. Jetzt muss jeder einzelne Spieler mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen, um den Ausfall kompensieren zu können."

Reiner Calmund (Ex-Manager von Bayer Leverkusen): "Michael Ballack ist ein absoluter Leistungsträger. Sein Ausfall bedeutet einen großen Schock für die Mannschaft, für Joachim Löw und die ganze Fußball-Nation. Die Nationalspieler müssen aber jetzt den Blick nach vorne richten, es darf keine Resignation geben, auch wenn kein Spieler da ist, der Michael Ballack ersetzen kann."

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): "Ich bin unendlich traurig, dass Michael Ballack durch ein solches Foul um seine WM-Teilnahme gebracht wird. Er hat in den vergangenen Jahren unglaublich viel für den deutschen Fußball geleistet und hätte eine Teilnahme an diesem Turnier verdient gehabt. Es ist schwer, so kurz vor seinem 100. Länderspiel diese Nachricht hinnehmen zu müssen, aber wir bleiben in engem Kontakt mit ihm und helfen, wo immer wir können. Für die Mannschaft muss es ganz klar heißen: Jetzt erst recht. Das Team ist es seinem Kapitän schuldig, eine gute WM zu spielen. Wenn alle ganz eng zusammen rücken und füreinander einstehen, dann schaffen sie das auch."

Wolfgang Niersbach (DFB-Generalsekretär): "Ich kenne Michael Ballack seit mehr als zehn Jahren und war überzeugt, dass er bei dieser WM Topleistungen zeigt und das Turnier zu einem absoluten Höhepunkt seiner Karriere wird. Umso mehr bedaure ich seinen Ausfall. Wir hätten ihn als Kapitän, Anführer und Persönlichkeit gebraucht."

Oliver Bierhoff (Teammanager): "Das ist ein schwerer Schlag für unser Team. Michael ist als Kapitän und Weltklassespieler enorm wichtig für die Mannschaft. Es tut mir sehr leid für Michael. Wir haben jedoch einen guten WM-Kader und vertrauen darauf, dass alle Spieler mit optimalem Ehrgeiz ins Turnier gehen und versuchen werden, den Ausfall von Michael wett zu machen. Gerade jetzt haben unsere vielen jüngeren Spieler die Unterstützung unserer Fans verdient."

Pierre Littbarski (Weltmeister von 1990): "Das ist eine absolute Katastrophe, weil ich die Wertigkeit eines Führungsspielers kenne. Ich habe selbst erlebt, wie schwierig es ist, wenn es mal nicht läuft. Dann sind nämlich die Führungsspieler in erster Linie gefordert. Ballack ist nicht zu ersetzen."

>> Auch Dieter Hoeneß hat einen Meinung zu Ballack - und kritisiert Ex-Schützling Boateng

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