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Im September 2009 gab Sami Khedira sein Debüt in der A-Nationalmannschaft © getty

Nach Ballacks WM-Aus will sich Löw noch nicht auf den neuen Kapitän festlegen, hat die Rollen ansonsten aber so gut wie verteilt.

Von Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Nachdem der erste Schock über Michael Ballacks WM-Aus verflogen ist, geht der Blick bei der deutschen Nationalmannschaft wieder nach vorne.

Und fällt auf die Konsequenzen, die sich aus dem Ausfall des absoluten Führungsspielers ergeben.

In der Frage des neuen Kapitäns will sich Joachim Löw noch nicht festlegen.

Doch als neuen Boss hat er ganz klar Bastian Schweinsteiger im Auge.

"Schweinsteiger noch mehr in der Verantwortung"

"Bastian Schweinsteiger steht jetzt noch mehr in der Verantwortung", sagte der Bundestrainer.

Neben dem 73-maligen Nationalspieler vom FC Bayern ist der Stuttgarter Sami Khedira nach derzeitigem Stand sein Favorit auf die frei gewordene Position von Ballack im defensiven Mittelfeld.

"Diese zwei Spieler sind jetzt gefragt. Sami Khedira hat sehr viel Potenzial", erklärte Löw, verwies aber auch auf dessen VfB-Teamkollegen Christian Träsch als Alternative.

Westermann und Lahm eher keine Alternativen

Darüber hinaus könnte auch Heiko Westermann wie schon in der vergangenen Saison häufiger bei Schalke 04 vor die Abwehr rücken. Gegen ihn sprechen jedoch seine technischen Defizite vor allem im Spiel nach vorne.

Löws Wunschkandidat wäre wohl Philipp Lahm, der bei seinem ersten DFB-Auftritt im defensiven Mittelfeld im August 2007 beim 2:1 in England eine überragende Leistung zeigte.

Doch der Bayern-Star, der als Favorit auf die Spielführerbinde gilt, ist als Außenverteidiger aufgrund der nicht überzeugenden Konkurrenten eigentlich unersetzlich.

Und Nachnominierungen soll es nur geben, wenn nicht alle sieben Bayern-Profis das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand unversehrt überstehen.

Keine Chancen für Hitzlsperger und Frings

Der aussortierte Thomas Hitzlsperger dürfte also kaum noch Chancen haben, sonst hätte ihn Löw wohl sofort ins WM-Trainingslager nach Sizilien beordert.

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Und auch eine spektakuläre Rückhol-Aktion des ausgebooteten Torsten Frings ist auszuschließen, auch wenn Ex-Nationalspieler Olaf Thon das vehement forderte: "Der Ersatz kann meines Erachtens nur Torsten Frings heißen. Er bringt die nötige Erfahrung mit, passt in das System und wäre deshalb im Team kein Fremdkörper."

Der DFB-Chefcoach sieht das allerdings völlig anders. "Wir haben viel Potenzial bei den jungen Spielern, sie müssen jetzt in diese Rolle reinwachsen", sagte Löw.

Khedira als Risiko und Chance

Deshalb spricht fast alles für Khedira, was jedoch angesichts der Unerfahrenheit des 23 Jährigen ein großes Risiko wäre.

Erst drei Länderspiele mit insgesamt nur 104 Minuten hat der Deutsch-Tunesier bestritten, mit Schweinsteiger hat er noch nie im zentralen Mittelfeld zusammengespielt.

Er selber traut sich die Rolle gleichwohl zu. "Wenn ich zur WM fahre, dann will ich dort auch spielen", erklärte er schon vor Monaten.

Dass er Verantwortung übernimmt, hat Khedira bereits mehrfach bewiesen. Etwa bei Stuttgarts Meisterschaft 2007, bei der der damals gerade 20-Jährige Stammspieler war, oder im Vorjahr als Kapitän der U-21-Europameister-Mannschaft.

Schweinsteiger nicht mehr "Junior-Partner"

Viel dürfte davon abhängen, wie gut Schweinsteiger seinen voraussichtlichen Nebenmann anleiten kann. Bisher war er bei Mark van Bommel im Verein und bei Ballack im DFB-Team eher selber in der Rolle des "Junior-Partners".

Die Experten sind sich jedoch sicher, dass "Schweini" dazu alles mitbringt. "Er ist in einer Superform", meinte Ex-Bundestrainer Berti Vogts.

"Ich glaube, dass er einer der herausragenden Persönlichkeiten dieser WM werden kann und werden wird."

Daher wird Löw nun inständig hoffen, dass sich nach den Verletzungen von Ballack sowie zuvor Simon Rolfes nicht auch noch Schweinsteiger verletzt.

Zwanzigers Forderung: "Jetzt erst recht"

So lange allerdings lautet die neue Devise im deutschen Lager: Kopf hoch und durch!

"Für die Mannschaft muss es ganz klar heißen: Jetzt erst recht!", forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

"Das Team ist es seinem Kapitän schuldig, eine gute WM zu spielen. Wenn alle ganz eng zusammenrücken und füreinander einstehen, dann schaffen sie das auch."

Der verletzte Kapitän Ballack ist am Montagnachmittag mit einem Privat-Jet in Sizilien eingetroffen und reist direkt ins deutsche Mannschaftsquartier, das Teamhotel Verdura Golf Spa Resort.

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