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Dieter Eilts ist seit 2004 Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft © imago

Trainer Dieter Eilts redet nach der erfolgreichen EM-Qualifikation Tacheles. Er ist von der mangelnden Rückendeckung enttäuscht.

Metz - Die Stunde des Erfolgs nutzte Dieter Eilts zur Generalabrechnung.

Nachdem sich die U-21-Nationalmannschaft im Playoff-Rückspiel in Frankreich durch das 1:0 (0: 0) in letzter Minute den EM-Traum erfüllt hatte, redete der DFB-Trainer Tacheles.

Mit einer Mischung aus Trotz, Genugtuung sowie Enttäuschung las der Coach seinen Vorgesetzten beim DFB die Leviten und ließ seine Zukunft offen.

"Mein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2009. Was bis dahin passiert, weiß sowieso niemand. Ich bin jemand, der seine Verträge erfüllt. Wenn andere da andere Gedanken haben, wird man mir das schon sagen", meinte der ansonsten eher verschlossene Eilts, der im Anschluss an den äußerst glücklichen Sieg seiner Schützlinge in Metz einen ungewohnt tiefen Einblick in seine Gefühlswelt gab.

Mangelnde Rückendeckung

Die Spekulationen um seinen Job und die mangelnde Rückendeckung der DFB-Führung um Sportdirektor Matthias Sammer hatten den Ostfriesen offensichtlich zu sehr getroffen.

"Da müssen sie die Offiziellen fragen", antwortete Eilts auf die Frage, warum sich die DFB-Chefetage zuletzt nicht eindeutig zum Europameister von 1996 bekannt hat.

"Die Ergebnisse waren immer da. Deshalb konnte ich das Ganze nicht so ganz nachvollziehen. Es gibt Dinge, mit denen muss man leben. Ich bin nur ein Angestellter, der die Vorgaben seiner Vorgesetzten umsetzen will."

Keine Vertragsverlängerung?

Der seit 2004 im Amt befindliche Eilts ist sich nicht einmal sicher, ob er die U21 bei der EM-Endrunde vom 15. bis 29. Juni in Schweden noch betreuen wird.

"Das haben andere zu entscheiden. Wie bei vielen anderen Dingen habe ich auch da keine Ahnung. Ich weiß nicht, was die Verantwortlichen entscheiden", sagte der 43-Jährige, der mit einer Verlängerung seines Vertrags offenbar schon gar nicht mehr rechnet.

"Die Frage stellt sich momentan nicht", meinte Eilts und fügte vielsagend hinzu: "Ein Ende als Europameister wäre doch nicht schlecht."

"Noch viel Zeit bis 2009"

DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte, dass er persönlich nicht in die Vertragsverhandlungen eingebunden sei.

Dies sei Sache des Sportdirektors. "Außerdem ist noch viel Zeit bis Juni 2009", sagte Zwanziger.

Weiter keine Rückendeckung von Sammer

Ob Eilts ("Der Sieg hier geht runter wie Öl") die Mission Titelgewinn noch angehen darf, liegt in den Händen seines früheren Nationalmannschafts-Kollegen Sammer.

Von Rückendeckung für den Trainer war beim Sportdirektor aber auch nach dem Erfolg in Metz nichts zu spüren.

"Für die Spekulationen bin ich nicht zuständig. Ich werde mich also nicht zu etwas äußern, was ich nicht zum Thema gemacht habe", antwortet Sammer auf die Frage, ob Eilts nun wieder fest im Sattel sitzt.

Dürftige Vorstellung

Vielleicht war Sammer die Vorstellung der Nachwuchskicker zu dürftig, um sich zu Eilts zu bekennen.

Der Erfolg in Frankreich hatte nämlich kaum etwas mit Können, sondern vielmehr etwas mit Glück zu tun.

Die Franzosen waren während des kompletten Spiels klar überlegen und scheiterten nur am überragenden Schalker Torwart Manuel Neuer, der zahlreiche spektakuläre Paraden zeigte.

Höwedes erinnert sich kaum

"Ich habe allen gezeigt, dass ich kein Flutschfinger bin", sagte der Keeper, der im Hinspiel am vergangenen Freitag noch den Treffer zum 1:1-Endstand verschuldet hatte.

Nachdem Neuer alles gehalten hatte, sorgte sein Klub- und Zimmerkollege Benedikt Höwedes mit seinem Treffer in der 90. Minute ("Ich kann mich kaum noch daran erinnern, weil ich dabei ein Schlag an den Kopf bekommen habe") dafür, dass die Deutschen bei der Gruppen-Auslosung am 3. Dezember in Göteborg im Lostopf sind.

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