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Der Kapitän versteht sein WM-Aus als Motivation für die EM - und gibt sich kämpferisch. Auch Bierhoff glaubt ans Comeback.

Sciacca - Michael Ballack blickt trotz des bitteren Ende aller WM-Träume positiv in die Zukunft:

"Ich versuche, den Blick nach vorne zu richten. Mir macht Fußball weiterhin viel Spaß", sagte der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler vom FC Chelsea.

Mehr noch: "Die Verletzung könnte durchaus eine Motivation sein, sich für die EM 2012 noch einmal ein neues Ziel zu setzen. Aber ich werde im Sommer, wie ohnehin geplant, alles in Ruhe überdenken."

Ballack wird wegen seiner schweren Knöchelverletzung voraussichtlich knapp zwei Monate ausfallen.

"Die EM 2012 ist für ihn machbar

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ist der Meinung, dass Ballack in zwei Jahren sehr wohl noch für die DFB-Elf auflaufen könnte.

"Die EM 2012 ist für ihn sicher machbar. Das Alter spielt keine so große Rolle. Und die es ist ja die gute Nachricht in der schlechten Nachricht, dass seine Karriere nicht gefährdet ist."

Dass der 33 Jahre alte Ballack trotz des Schocks am Montag ins Regenerationstrainingslager flog, wertete Bierhoff zudem als "sehr positiv, vor allem, weil die Initiative davon zu ihm kam".

Bierhoff kennt die Situation

Den Frust Ballacks kann der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän Bierhoff gut nachvollziehen. "Ich habe mich bei der EM 2000 vor dem ersten Spiel verletzt. Deshalb kann ich nachempfinden, dass er erschüttert, sehr traurig und verärgert ist."

Ballack selbst richtet im Interview den Blick schon wieder nach vorne.

Frage: Michael Ballack, der Traum von der dritten Teilnahme an einer WM ist für Sie nach der schweren Knöchelverletzung geplatzt. Dennoch sind Sie am Montag zur Mannschaft ins Trainingslager nach Sizilien gereist. Wie geht es Ihnen?

Michael Ballack: Eine Verletzung ist nie gut, zu diesem Zeitpunkt ist sie aber besonders schlecht. Ich versuche, den Blick nach vorne zu richten. In den vergangenen zwei Tagen habe ich von vielen Freunden und Fans Genesungswünsche erhalten. Das gibt mir Kraft für die kommenden Wochen. Wenn die WM losgeht, wird es aber sicher nochmal schmerzen.

Frage: Haben Sie Angst, dass die Verletzung ihr Karriereende bedeuten könnte?

Ballack: Nein. Es ist zum Glück keine ganz schlimme Verletzung. Es ist zwar das Innenband gerissen und einen Teilanriss der Syndesmose, aber ich bin in den besten Händen. Ich werde in acht Wochen wieder gesund sein und voll angreifen können, wie mir Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (der Nationalmannschaftsarzt, Anm. d. Red.) versichert hat. Er hat mir ganz klar gesagt, dass es für mich weitergeht und nichts zurückbleibt.

Frage: Hatten Sie während Ihrer Behandlung in München noch die Hoffnung, dass Sie vielleicht doch noch nach der Gruppenphase an dert WM teilnehmen können?

Ballack: Es gab keine Alternative zu der Behandlung, das hat mir Dr. Müller-Wohlfahrt ganz schnell deutlich gemacht. Für mich ist jetzt im Moment wichtig, bei der Mannschaft zu sein. Ich will aber kein Mitleid, sondern positive Signale setzen. Das gibt mir Kraft. Von meinem Heilungsprozess wird es auch abhängen, ob ich der Mannschaft in Südafrika einen Besuch abstatten kann. Oberste Priorität hat meine Genesung und dass ich so schnell wie möglich wieder fit werde.

Frage: Wie hat die Mannschaft auf Ihr WM-Aus reagiert?

Ballack: Natürlich ist es für jedes Team unangenehm wenn der Kapitän ausfällt. Aber die Jungs müssen den Blick jetzt so schnell wie möglich nach vorne richten. Ich will ihnen vermitteln, dass sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfen. Und ich bin optimistisch, dass sie eine gute WM spielen werden. Hier auf Sizilien will ich der Mannschaft das Gefühl geben, dass der Kapitän weiter an Bord ist.

Frage: Das Foul von Kevin Boateng im englischen Pokalfinale hat zu der Verletzung geführt. Hat er sich, wie er selbst betont hat, bereits auf dem Platz bei Ihnen entschuldigt?

Ballack: Nein, das stimmt nicht. Natürlich bin ich verärgert und die Enttäuschung ist auch riesengroß. Einige Aussagen seines Vaters sind mir völlig unverständlich. Revanchegelüste gehören nicht in den Fußball. Ich habe hier auch schon mit Kevins Halbbruder Jerome gesprochen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ihm darf man diesen Vorfall nicht anlasten. Er ist ein guter Spieler und ich wünsche ihm, dass er jetzt gute Leistungen bietet.

Frage: Sehen Sie Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld bei der WM nun in der Chefrolle?

Ballack: Bastian Schweinsteiger wäre bei der WM ohnehin eine tragende Rolle zugekommen. Ich halte ihn für stabil genug, nun noch mehr Verantwortung wahrzunehmen. Es darf aber alles nicht an einer Person hängen, die ganze Mannschaft muss die Herausforderung annehmen. Man darf wegen meiner Verletzung jetzt nicht so schwarz sehen. Die Nationalelf hat auch schon ohne mich gute Spiele gemacht und wird auch ohne mich eine gute WM spielen.

Frage: Was bedeutet Ihre Verletzung für die Vertragsgespräche mit dem FC Chelsea?

Ballack: Man hat mir bei Chelsea versichert, dass meine Verletzung auf die Vertragsverhandlungen keinen Einfluss hat, auch wenn es natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt ist. Wir werden demnächst reden. Ich gehe davon aus, dass es für mich bei Chelsea weitergehen wird.

Frage: Einen WM-Titel werden Sie nun nicht mehr gewinnen können. Was sind für die Zukunft Ihre Ziele?

Ballack: Wenn ich keine WM mehr spielen werde, dann ist das halt so. Ich definiere mich nicht nur über Titel. Ich habe schon einige gewonnen, in meiner Karriere bin ich meistens Erster oder Zweiter geworden. Mir macht Fußball weiterhin viel Spaß. Die Verletzung könnte durchaus eine Motivation sein, sich für die EM 2012 noch einmal ein neues Ziel zu setzen. Aber ich werde im Sommer, wie ohnehin geplant, alles in Ruhe überdenken.

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