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Joachim Löw ist nach der WM 2006 Cheftrainer der DFB-Elf geworden © getty

Am Tag nach dem Schock kehrt ins deutsche Lager langsam die Normalität zurück. Auch ein Neuseeländer sorgt für neue Zuversicht.

Von Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Am Tag nach dem Ballack-Schock kehrte langsam die Normalität ins deutsche WM-Trainingslager in Sizilien zurück.

Die Übungseinheit am Vormittag war sogar offen für die mitgereisten Medien, was unter Joachim Löw nicht häufig vorkommt.

Dabei machten die Nationalspieler einen konzentrierten und fokussierten Eindruck. Auf dem Programm standen vor allem Basisübungen wie das richtige Abwehrverhalten beim 5 gegen 2.

Rugby-Ikone Lomu zu Gast

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Beim zweiten Training am Nachmittag sorgte dann ein Stargast für Abwechslung:

Der einstige Weltklasse-Rugbyspieler Jonah Lomu aus Neuseeland absolvierte mit den DFB-Kickern eine Einheit in seiner Sportart.

"Er hat uns erzählt, dass bei seiner Mannschaft einmal vor einem wichtigen Turnier der Kapitän und der Vize-Kapitän ausgefallen sind, und trotzdem haben sie das Finale erreicht. Das sollte für uns eine gute Motivation sein", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der den Kontakt hergestellt hatte.

Bierhoff statt Ballack

Bierhoff trat anstelle von Michael Ballack vor die wartenden Journalisten. Der Chelsea-Star, der wegen seiner Knöchelverletzung nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng rund zwei Monate ausfallen wird, bat dafür um Verständnis.

Allerdings äußerte sich der Kapitän, der am Montagabend mit Familie im DFB-Quartier in Sciacca eingetroffen war, in Interviews mit zwei Nachrichtenagenturen und zwei TV-Sendern.

Ballack hofft auf schnelles Comeback

"Ich will so schnell wie möglich wieder Fußball spielen. Ich gehe davon aus, dass ich zum Saisonbeginn wieder fit bin", erklärte der 33-Jährige, der seine Karriere im Nationalteam nach 98 Länderspielen noch nicht beendet sieht:

"Ich werde hoch motiviert in die neue Spielzeit gehen und wieder große Ziele haben. Welche Rolle die EM 2012 dabei spielt, darüber werde ich sicher auch nachdenken."

Der Besuch bei der Mannschaft unmittelbar nach der niederschmetternden Diagnose sei derzeit das Beste für ihn, so Ballack weiter. Bis Sonntag will er sich noch im Nobel-Hotel "Rocco Verdura" erholen und dabei auch dem Team Mut zusprechen.

"Auch ohne mich schon gute Spiele gemacht"

"Die Nationalmannschaft hat auch schon ohne mich gute Spiele gemacht. Das Team muss das Thema jetzt so schnell wie möglich abhaken und nach vorne blicken", sagte er.

Diese Marschroute hatte auch Löw ausgegeben, der das auch sichtbar engagiert im Training mit seinem nach der Ankunft der vier Bremer Profis 19 Mann starken Kader umsetzte.

"Jetzt ist es wichtig, die neuen Möglichkeiten auszutarieren", meinte Bierhoff. "Wir haben volles Vertrauen gerade auch in unsere jungen Spieler."

Der Ausfall von Ballack, dessen Besuch Bierhoff als "riesige Geste" bezeichnete, sei zwar ein herber Verlust. "Aber es nützt nichts, dem jetzt vier Wochen nachzuweinen. Es muss weitergehen."

Klärung der offenen Fragen in Südtirol

Dabei sollen nach der Ankunft der sieben Bayern-Spieler nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand im zweiten Trainingslager kommende Woche in Südtirol alle offenen Fragen geklärt werden.

Als Favorit auf die vakante Kapitänsrolle gelten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, für Ballacks Position im defensiven Mittelfeld sind Sami Khedira und der im Training bislang starke Christian Träsch die ersten Alternativen.

Hoeneß glaubt an Schweinsteiger

Neuer Anführer auf dem Feld soll Schweinsteiger werden. "Bastian hat eine hervorragende Saison beim FC Bayern in einer Leading-Position gespielt", sagte FCB-Präsident Uli Hoeneß.

"Ich glaube, wenn er jetzt ins Wasser geschmissen wird, wird er dieser anspruchsvollen Rolle gerecht werden."

Auch die Hoffnungen auf den vierten WM-Titel in Südafrika sieht Hoeneß noch keineswegs zerstört: "Oft ist aus der Not geboren eine Mannschaft über sich hinausgewachsen. Es kann auch ein Ansporn sein für die Anderen zu zeigen, dass es auch ohne Michael Ballack geht."

Schritt für Schritt zum großen Ziel

Darauf setzt auch die sportliche Leitung der DFB-Elf, die sich allerdings nun Schritt für Schritt dem großen Ziel nähern will.

"Der Traum für Fußball-Deutschland ist immer, dass man Weltmeister wird. Aber es ist nicht so, dass wir als Favorit ins Turnier gehen", meinte Bierhoff.

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