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Kevin-Prince Boateng spielte in der Bundesliga für Hertha und Dortmund © getty

Boateng hat im Streit mit Ballack weiteres Öl ins Feuer gegossen. Der gebürtige Berliner beschwert sich über Ballacks Ohrfeige.

Von Martin Volkmar

Sciacca/München - Kevin-Prince Boateng hat im Streit mit Michael Ballack noch mal nachgelegt und weiteres Öl ins Feuer gegossen.

Der gebürtige Berliner entschuldigte sich zwar in der "Sport Bild" für sein brutales Foul im FA-Cup-Finale, das zum WM-Aus des DFB-Kapitäns geführt hat.

Gleichzeitig aber erhob der Profi des FC Portsmouth schwere Vorwürfe gegen den Chelsea-Star.

"Auf einem anderen Zettel als mein Foul steht seine Ohrfeige", sagte Boateng.

"Von ihm habe ich dazu nichts gehört"

"Von ihm habe ich nichts dazu gehört. Ich denke, eine Tätlichkeit ist schlimmer als ein Foul aus dem Spiel heraus."

Ballack hatte Boateng drei Minuten vor dessen Attacke nach einem Gerangel einen Wischer ins Gesicht gegeben, der ungeahndet blieb.

"Ich muss mich doch sehr über Ballack wundern", meinte Boateng dazu.

"Er ist kein Stück besser als Podolski"

"Er beschwert sich wochenlang über Podolski, dass er ihn geohrfeigt hat. Nun macht er es selber. Er ist so kein Stück besser als Podolski. Was ist das für ein Verhalten?"

Dass er den 98-maligen Nationalspieler kurz darauf so rüde von den Beinen holte, dass er einen mehrfachen Bänderriss im Knöchel erlitt, sei aber keine Absicht gewesen.

"Dafür kann ich mich nur entschuldigen. Es hatte nichts mit seiner Ohrfeige zu tun, bei 80.000 Fans denkt man nicht an Rache. Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll. Es sah dumm aus", erklärte er.

"Ich habe mich auf dem Platz zweimal entschuldigt. Nun zum dritten Mal. Es tut mir leid. Es war keine Absicht."

Ballack bestreitet Entschuldigung auf dem Platz

Ballack allerdings hat dieser Version nachdrücklich widersprochen. "Es stimmt nicht, dass er sich auf dem Platz entschuldigt hat", sagte er im deutschen WM-Trainingslager in Sciacca auf Sizilien.

Seine Verärgerung über das Foul sei nach wie vor riesengroß, meinte der 33-Jährige, der mindestens acht Wochen ausfallen und in seiner Karriere wohl keine WM mehr spielen wird.

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Fast genauso sauer zeigte sich Ballack zudem über Vater Prince Boateng, der in einem Interview von einer Revanche-Aktion gesprochen hatte.

"Ich habe schon viel schlimmere Fouls gesehen. Ich denke, die beiden hatten eine Rechnung offen", hatte er gesagt und an eine Auseinandersetzung der beiden vor Jahren in einem Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und Hertha BSC erinnert.

"Diese Aussage ist für mich völlig unverständlich und unbegreiflich. Ich habe keine Beziehung zu dem Spieler und weiß gar nicht, was in dessen Kopf vorgeht", lautete Ballacks Reaktion.

"Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln."

Ballack-Berater prüft rechtliche Schritte

Noch weiter geht sein Berater Michael Becker, der auf Grundlage der Schilderung von Prince Boateng rechtliche Schritte gegen den Sohn prüft.

"Meiner Meinung nach handelt es sich bei Boatengs Attacke nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage", hatte Becker erklärt.

"Diese nachgeschobene Entschuldigung ist frei erfunden. Das ist eine reine Schutzbehauptung eines uneinsichtigen Gewalttäters, der schon des Öfteren in dieser Richtung auffällig geworden ist."

Hoeneß: "Er kann solche Dinge einfach nicht lassen"

Inhaltlich stimmte dem auch Dieter Hoeneß zu, der Kevin-Prince Boateng bei Hertha BSC zum Profi machte. "Er kann solche Dinge einfach nicht lassen", sagte der Wolfsburger Manager.

"Das ist leider nicht das erste Mal. So etwas ist wirklich sehr, sehr ärgerlich. Denn das hat Kevin nicht nötig, er ist ja ein ganz hervorragender Fußballspieler."

Die Frage ist nun, ob die an ihm interessierten Klubs aus der Premier League trotz der wiederkehrenden Aussetzer nach wie vor an einer Verpflichtung des "bösen Buben" interessiert sind.

Unter anderem wird West Ham mit Boateng in Verbindung gebracht.

Die "Hammers" sind laut "Sun" auch bereit, die nötige Ablösesumme von 3,4 Millionen Euro zu zahlen.

Rückkehr in die Bundesliga vorerst ausgeschlossen

Ein Rückkehr in die Bundesliga, wo der Mittelfeldspieler bei seinem Gastspiel bei Borussia Dortmund in der Rückrunde der Saison 2008/2009 gleich durch mehrere rüde Fouls negativ auffiel, kann man auf absehbare Zeit wohl ausschließen.

Das glaubt auch die englische Boulevardzeitung "The Sun", die schrieb: "Boateng läuft Gefahr, eine Hassfigur in Deutschland zu werden."

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