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Jerome Boateng wurde mit dem U-21-Team 2009 Europameister © getty

Jerome Boateng spricht bei SPORT1 über das Foul seines Halbbruders und bestätigt praktisch seinen Wechsel zu Manchester City.

Aus Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca - Jerome Boateng stand der Schweiß auf der Stirn.

Vermutlich lag das eher an der Hitze im deutschen WM-Trainingslager in Sciacca auf Sizilien.

Allerdings könnte es auch mit dem ungewohnten Medieninteresse an seiner Person zusammenhängen.

Denn der Verteidiger des Hamburger SV steht derzeit unter extremer Beobachtung.

Seitdem sein Halbbruder Kevin-Prince mit seinem brutalen Foul an Michael Ballack für das WM-Aus des DFB-Kapitäns gesorgt hat, ist auch Jerome Boateng in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 21-Jährige über das erste Treffen mit Ballack, den Kontakt zu seinem Bruder, das Nachtreten von Dieter Hoeneß, seine WM-Aussichten und bestätigt praktisch seinen Wechsel zu Manchester City.

SPORT1: Wie gehen Sie mit der ganzen Situation um?

Jerome Boateng: Ich kann ganz gut damit umgehen, weil sich für mich nicht viel geändert hat. Der Trainer und das ganze Team stehen hinter mir.

SPORT1: Wie war es unmittelbar nach der Diagnose, dass Michael Ballack für die WM ausfällt.

Boateng: Für mich war der erste Abend schwer, als Michael zu uns ins Mannschaftsquartier gekommen ist. Ich habe ihm gesagt, dass es mir leid tut. Aber es war mir ein bisschen unangenehm, und als ich mit ihm beim Essen am selben Tisch saß, habe ich mich schon blöd gefühlt.

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SPORT1: Von Michael Ballack und auch Joachim Löw gab es aber dann volle Rückendeckung für Sie.

Boateng: Ja, danach habe ich mich besser gefühlt. Das hat natürlich gut getan und dafür kann ich mich bei beiden nur bedanken. Das gibt mir ein gutes Gefühl und Selbstbewusstsein. Jetzt konzentriere ich mich wieder auf die WM-Vorbereitung.

SPORT1: Aber trotzdem müssen Sie sich doch in einem Zweispalt befinden, weil Sie eigentlich ein gutes Verhältnis zu Ihrem Halbbruder haben?

Boateng: Ja, wir haben ein gutes Verhältnis. Aber ich kann das Ganze schon ganz gut einordnen. Es war ein böses Foul und auch eine Rote Karte. Kevin kommt zu spät und trifft Michael voll. Das ist ärgerlich und tut mir sehr leid für Michael. Ich hoffe, dass er schnell wieder fit wird.

SPORT1: Haben Sie seitdem mit Kevin-Prince gesprochen?

Boateng: Mit meinem Bruder hatte ich Dienstag und Mittwoch Kontakt. Ich habe ihn gefragt, wie es ihm geht und was da passiert ist. Er sagt, ihm ginge es ganz okay und dass ihm das Ganze leid tut. Mehr kann er ja im Moment auch nicht machen.

SPORT1: Dieter Hoeneß hat gesagt, dass sich Ihr Bruder solche Ausraster immer wieder erlaubt, die er aufgrund seiner fußballerischen Klasse gar nicht nötig hätte. Wie sehen Sie das?

Boateng: Natürlich hat er ein Riesenpotenzial, das hat er ja in England unter Beweis gestellt. Dass er einen schlechten Ruf hat, weiß auch jeder. Aber deshalb müssen sich jetzt nicht Leute wie Dieter Hoeneß zu Wort melden. Ich weiß nicht, ob man das nötig hat, da noch mal nachzutreten. Kevin weiß am Besten, dass er einen Fehler gemacht hat.

SPORT1: Zurück zum Sportlichen: Haben Sie die Befürchtung, dass es für Sie im Kampf um ein WM-Ticket noch mal eng werden könnte?

Boateng: Ich weiß nicht, ob ich zu den Wackelkandidaten gehöre. Ich werde mich hier Tag für Tag anbieten und dann wird man sehen, ob es reicht.

SPORT1: Auf welcher Position würden Sie am liebsten spielen?

Boateng: Erstmal möchte ich natürlich im endgültigen WM-Aufgebot stehen. Ansonsten ist es mir egal, ob ich außen oder innen, links oder rechts auflaufe. Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt. Und wir trainieren hier sehr gut, ich kann da noch viel lernen.

SPORT1: Ein Schwerpunkt im Training liegt auf der Verbesserung des Zweikampfverhaltens. Sie gelten als etwas zu ungestüm - sind Sie speziell darauf hingewiesen worden?

Boateng: Ich weiß selber, dass ich mich da noch verbessern kann. Ich bin noch jung und will immer schnell den Ball haben, da kann ich sicherlich noch etwas von den Älteren lernen und ruhiger auf den Gegner gehen.

SPORT1: Wie bewerten Sie aus jetziger Sicht Ihr hartes Einsteigen an der Außenlinie im Halbfinal-Rückspiel der Europa League in Fulham?

Boateng: Ich war in dem Moment einfach sauer, dass wir so weit zurückgewichen sind. Im Nachhinein tut es mir natürlich leid, dass ich da so reingegangen bin. Ich war mir aber in der Situation hundertprozentig sicher, dass ich den Ball bekomme und wollte kein Foul spielen.

SPORT1: Spielen Sie nächste Saison wieder gegen Fulham oder könnte Ihr Wechsel zu Manchester City noch scheitern?

Boateng: Ich werde auf jeden Fall den HSV verlassen und es sieht ganz gut aus, dass ich zu Manchester City gehe.

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