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Der Bremer Torsten Frings saß gegen Wales 90 Minuten auf der Bank © getty

Während sich der Bremer nicht einmal warmlaufen darf, erlebt Piotr Trochowski den bisher wohl größten Abend im DFB-Dress.

Von der DFB-Elf berichten Martin van de Flierdt und Bita Mohammadi

Mönchengladbach - Während der hart erkämpfte 1:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales für Piotr Trochowski zum Feiertag wurde, dürfte Torsten Frings einen Tiefpunkt seiner Nationalmannschaftskarriere erlebt haben.

Die langjährige Stammkraft Frings wurde gegen die Russen (2:1) noch für sechs Minuten eingewechselt, in Mönchengladbach durfte er sich nicht einmal warmlaufen.

Im harten Kampf um den Posten neben Kapitän Michael Ballack scheint Frings derzeit hinter Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes nur die Nummer drei zu sein.

"Er ist natürlich unzufrieden mit der Situation", sagte Kapitän Michael Ballack. "Er ist über Jahre hinweg sehr wichtig für uns gewesen und meiner Meinung nach immer noch ein Top-Spieler. Daher war es auch für mich überraschend, dass er in beiden Spielen kaum gespielt hat. Das tut mir leid für ihn."

"Er muss diese Pille schlucken"

Löw berichtete, "Grundsätzliches" mit Frings besprochen und ihm seine Wertschätzung mitgeteilt zu haben.

"Auch wenn er nicht gespielt hat, hat Torsten einen hohen Stellenwert bei uns und ist für mich als Trainer wichtig", meinte der 48-Jährige. "Jetzt muss er diese Pille schlucken. Ich weiß, dass er seine Leistung bringen kann und wird."

Ob Frings noch einmal dauerhaft im Nationalteam dazu kommt, darf bezweifelt werden.

"Trotz des Siegs ist bei ihm die Enttäuschung natürlich groß. Ich hoffe, dass Torsten bei uns bleibt und keine verkehrte Entscheidung trifft", sagte Teammanager Oliver Bierhoff bereits vieldeutig.

Trochowski lässt Taten folgen

Ganz anders Piotr Trochowski. "Ich will etwas Entscheidendes beitragen", hatte der Hamburger in einem am Mittwoch erschienenen Interview mit der "FAZ" über seine Ambitionen in der deutschen Nationalmannschaft gesagt.

Noch am gleichen Abend verhalf er dem DFB-Team im Borussia-Park mit seinem sehenswerten Treffer zum Erfolg gegen die wacker verteidigende Waliser.

Dabei schien das Gehäuse der Briten bis zu seinem Tor wie vernagelt. Auch der Hamburger selbst hatte mit zwei abgefälschten Distanzversuchen (37./50.) Pech.

Schweinsteiger verliert den Glauben

Als er nach feinster Vorarbeit Bastian Schweinsteigers acht Meter vor Gäste-Schlussmann Wayne Hennessey auch noch freistehend über den Ball trat (58.), hatte zumindest der Münchner Trochowski als Vollstrecker an diesem Abend nicht mehr auf der Rechnung.

Auf die Frage, ob er im Anschluss an diese Szene gedacht habe, Trochowski werde wohl nie ein Länderspieltor erzielen, bekannte Schweinsteiger grinsend: "Ja, das habe ich gedacht."

Aber der 24-Jährige belehrte ihn eines Besseren, nicht zuletzt weil er laut Lukas Podolski "einen Superfuß hat wie Patrick Helmes und ich".

Erfolgreiche Detailarbeit

Trochowski sei schon vor der EM ein guter Fußballer gewesen, meinte Joachim Löw, aber er habe sein Potenzial nicht immer abgerufen.

"Ich habe nach dem Turnier länger mit ihm gesprochen und an einigen Dingen gearbeitet", berichtete der Bundestrainer. "Insbesondere daran, dass er seine Aktionen abschließt mit dem letzten Pass oder einem Torschuss."

Letzteres gelang Trochowski in der 72. Minute eindrucksvoll, als er zunächst David Edwards gleich zweimal in den Kreisel schickte und dann den Ball aus 18 Metern in die Maschen drosch.

Auch der "Titan" hatte seine Mühe

"Sogar Oliver Kahn hat gesagt, dass die Bälle von 'Trotsche' sehr schwer zu halten sind", pries Schweinsteiger die Schusskraft seines Kollegen, der "jetzt endlich den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft" habe.

Löw nannte den Dribbler gar schon "einen absoluten Leistungsspieler" der DFB-Auswahl, der in dieser Saison "einen enormen Sprung gemacht" habe: "Seine Ballsicherheit, Aktivität und Kombinationsfreude mit Philipp Lahm auf der linken Seite war beeindruckend."

Der so Gelobte blieb bescheiden. "Nach der EM, bei der ich nicht gespielt hatte, war ich sehr motiviert und bin stark in die Saison gestartet", erklärte Trochowski. "Seit dem Trainerwechsel komme ich in Hamburg viel besser zur Geltung, weil unser Spiel dort jetzt offensiver ausgerichtet ist."

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