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Arne Friedrich (r.) ist für Joachim Löw ein Startelf-Kandidat in der Innenverteidigung © getty

Die deutsche Mannschaft reist von Sizilien nach Südtirol weiter. Dort muss Bundestrainer Löw zahlreiche Antworten finden.

Aus Sizilien berichtet Martin Volkmar

Sciacca/Palermo - Zum Schluss hat sich Sizilien dann doch noch mal von seiner schönsten Seite gezeigt.

Strahlender Sonnenschein und warme Temperaturen verabschiedeten die deutsche Nationalmannschaft am Freitagmittag, als sie den Charterflieger von Palermo nach Verona bestieg.

Die Woche zuvor allerdings hatte nicht nur der kalte Wind, sondern vor allem der ungewohnt häufige Regen ein wenig auf die Stimmung gedrückt.

Das betraf jedoch vor allem die mitgereisten Familien, die seltener als erhofft Pool und Strand aufsuchen konnten.

Für die WM-Kandidaten stand hingegen zweimal täglich hartes Training auf dem Programm. "Dies ist kein Regenerationstrainingslager", hatte Joachim Löw mehr als einmal betont.

Trotzdem geht die richtige WM-Vorbereitung nun erst im Südtiroler Weinort Eppan los, den die DFB-Auswahl am Nachmittag per Bus aus Verona erreicht.

"Es ist für uns enorm wichtig, dass bei uns gewisse Automatismen stimmen. Das wird ab jetzt ein Schwerpunkt sein", erklärte Löw.

Team erst am Montag komplett

Denn erst am Pfingstmontag wird der vorläufige 26-er-Kader nach der Ankunft der sieben Bayern-Profis komplett sein. Entsprechend viele Fragen stellen sich nach dem ersten Teil der Vorbereitung auf Südafrika.

SPORT1 gibt einen Überblick:

Wie war das Trainingslager?

Auch wenn die Vorbereitung in Sciacca vom bitteren WM-Aus von Michael Ballack überlagert wurde, zog der Bundestrainer ein positives Fazit.

"Es war eine gute Zeit. Wir haben ganz gezielt und individuell mit den Spielern trainiert", sagte Löw:

"Damit haben wir von der Fitness her wichtige Grundlagen für die kommenden Wochen gelegt. Über den Sport hinaus ist ein Stück Zusammenhalt entstanden, von dem wir in Südtirol und Südafrika sicher profitieren werden."

Schwerpunkte in den ersten Tagen waren vor allem individuelles Training sowie die Schulung von mannschaftstaktischem Verhalten in Offensive und Defensive.

Wo liegen die Probleme?

Löw hat gleich auf mehreren Positionen bisher keine Idealbesetzung gefunden. Das gilt vor allem für die zweite Innenverteidigerposition neben Per Mertesacker, den zweiten Außenverteidiger neben Philipp Lahm und die Besetzung der Offensive, in der zuletzt nur Cacau in Topform war.

Offen ist zudem, wie schnell sich der Bayern-Block von der strapaziösen Saison erholen wird und ob Löw andere "Sorgenkinder" wie Lukas Podolski oder Macell Jansen rechtzeitig fit bekommt.

Ein weiteres Risiko ist die fehlende Turniererfahrung des jungen Kaders, von dem erst acht Spieler an einer WM oder EM teilgenommen haben.

Wer ersetzt Ballack?

Im Kampf um die Ballack-Position im zentralen Mittelfeld hat Stuttgarts Sami Khedira die besten Karten, auch wenn sein VfB-Teamkollege ihm durch gute Trainingsleistungen harte Konkurrenz macht.

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Löws Wunschkandidat wäre zwar Lahm, aber den kann er nicht aus der Viererkette abziehen. In jedem Fall wird der Münchner aber eine noch wichtigere Führungsrolle in der Mannschaft einnehmen.

Gleiches gilt für Mertesacker und vor allem für Schweinsteiger, der schon allein wegen seiner Rolle im Zentrum und seiner starken Saison der neue Kopf des Teams werden soll.

Wer wird Kapitän?

Auch hier läuft aus den oben genannten Gründen alles auf eine Entscheidung zwischen Schweinsteiger und Lahm raus, wobei Letzterer Favorit ist. "Philipp hat ja bewiesen, dass er mit der Rolle zurechtkommt", meint Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Miroslav Klose hat zwar mit zwei WM- und EM-Teilnahmen sowie 94 Länderspielen die meiste Erfahrung, ihm werden aber wegen seiner schwachen Saison nur Außenseiterchancen eingeräumt. 239581(DIASHOW: Binde sucht starken Arm)

Löw will erst nach der Ankunft der Bayern-Spieler im Trainingslager seine Entscheidung verkünden.

"Wir haben einen Plan für die anstehenden Personal-Entscheidungen. Aber das wollen wir erst einmal mit den Spielern besprechen, bevor wir es öffentlich machen", sagte er.

"Bis dahin können alle diskutieren und spekulieren."

Wer wird die Nummer 1?

Auch hier spielt der Bundestrainer auf Zeit. So lange rechnen sich zumindest öffentlich Manuel Neuer und Tim Wiese beste Chancen aus, Jörg Butt lässt die Erfolge im Verein für sich sprechen.

Alles andere als eine Entscheidung für Neuer wäre aber eine Überraschung. Gut möglich, dass sich der Trainerstab bis Ende der kommenden Woche entscheidet, damit die neue Nummer 1 die beiden letzten Testspiele gegen Ungarn (29. Mai) und Bosnien (3. Juni) bestreitet.

"Es ist wichtig, dass der Torhüter in den beiden Testspielen spielt, der auch in Südafrika spielt", forderte Neuer.

Wie sieht die WM-Elf aus?

Derzeit ist vieles Kaffeesatzleserei, aber denkbar wäre derzeit folgende Startformation:

Neuer - Boateng, Friedrich (Westermann), Mertesacker, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Kroos (Müller), Özil, Podolski - Klose (Cacau)

Wer fliegt noch raus?

Nach Ballacks Aus dürfte Träsch als zweiter Sechser seinen Platz sicher haben. Bei Jansen kommt es darauf an, ob er nach seiner Verletzung bis zum Tag der Nominierung der 23 WM-Fahrer wieder topfit ist.

Teamkollege Dennis Aogo ist wohl die Alternative, hat sonst aber schlechte Karten. Gleiches gilt für Andreas Beck, dessen Position auf rechts auch Arne Friedrich, Jerome Boateng oder Lahm übernehmen könnten.

Darüber hinaus wird aufgrund des Überangebots noch mindestens ein offensiver Mittelfeldspieler gestrichen. Aufgrund der guten Form von Toni Kroos und Thomas Müller wird wohl Piotr Trochowski oder Marko Marin die Heimreise antreten müssen.

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