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Der gebürtige Pole Lukas Podolski spielt seit 2004 für die deutsche Nationalmannschaft © imago

Löw verleiht dem Kölner nach dessen durchwachsener Saison Vorschusslorbeeren. Podolski fühlt sich der Aufgabe gewachsen.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Girlan ? Seine Saison beim 1. FC Köln war schwach.

Nur zwei Tore in 27 Ligaspielen lassen bei vielen Beobachtern Zweifel daran aufkommen, dass Lukas Podolski der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika weiterhelfen kann.

Bundestrainer Joachim Löw sieht sich jedoch nach gut anderthalb Wochen Vorbereitung in seiner Maßnahme bestätigt, dem Angreifer sein Vertrauen zu schenken.

"Lukas wird bei der WM explodieren", kündigte Löw beim Trainingslager in Girlan (Südtirol) an. "Ich erlebe ihn auf und neben dem Platz in guter Stimmung. Er ist sehr kommunikativ, auch innerhalb der Mannschaft - das ist bei ihm immer ein gutes Zeichen."

Podolski sei körperlich in einer guten Verfassung. "Er hat viel Dynamik und viel Drang zum Tor", lobte der Bundestrainer. "Er ist ein Spieler, der Spiele mitentscheiden kann, weil er auf dem Platz entscheidende Dinge tut."

Podolski selbst fühlt sich inzwischen in der Lage, diesem Vorschusslorbeer gerecht zu werden. ?Ich will das umsetzen, was ich bei den letzten Turnieren gezeigt habe?, sagt er.

Bei der WM 2006 hatte der Angreifer drei Tore erzielt, bei der EM 2008 gesellten sich zu drei eigenen Treffern noch zwei Torvorlagen.

Premiere als Kapitän

"In der Nationalmannschaft läuft es eben immer relativ gut für mich", meint der Kölner, der beim 3:0 gegen Malta in der zweiten Halbzeit erstmals die Spielführerbinde trug.

"Es war natürlich eine große Ehre, in Aachen mit 24 Jahren einmal Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sein zu dürfen", räumt er ein.

Für das dauerhafte Erbe des verletzten Michael Ballack ist er nach eigener Aussage trotz seiner 71 Länderspiele kein Kandidat gewesen: "Mit mir wurde darüber noch nicht gesprochen. Deshalb ist das für mich gar kein Thema." 239581(DIASHOW: Binde sucht starken Arm)

Nur noch Klose aus "alter Garde"

Dass Ballack in Südafrika fehlt, hält auch Podolski trotz seines Ohrfeigenvorfalls im WM-Qualifikationsspiel in Wales im April 2009 prinzipiell für einen Verlust.

"Wenn die anderen Mannschaften auf Deutschland geschaut haben, war da immer Michael Ballack auf dem Platz, der etwas ausgestrahlt hat. Er ist eben eine Persönlichkeit", findet er.

"Wir haben jetzt nur noch Miroslav Klose, der etwas älter ist. Vielleicht ist das jetzt für die Jüngeren die Chance, befreit aufzuspielen und zu versuchen, eine gute WM zu spielen."

Verhältnis zu Ballack immer noch belastet?

Dass der Ausfall Ballacks bei ihm die Vokabel "befreit" hervorruft, spricht allerdings dafür, dass Podolskis Beziehung zu dem Kapitän trotz aller gegenteiligen Beteuerungen immer noch belastet ist.

Dafür, dass er in der Nationalmannschaft so viel besser zurechtkommt als zuletzt im Klub, hat Podolski eine einfache Erklärung.

"In Köln ist unsere Spielausrichtung eben defensiver. Wir spielen auf Abwarten. Da muss man viel Defensivarbeit leisten. Wir haben im Spiel ein, zwei Angriffe, die wir zu Toren verwerten müssen", erklärt er. "Da es für uns um jeden Punkt ging, war nichts anderes möglich. Darunter leide ich natürlich, darunter leiden meine Offensivqualitäten."

Hurra-Fußball in Köln unmöglich

Natürlich würde er lieber "in jedem Spiel fünf, sechs Mal aufs Tor schießen". "Aber wenn wir Hurra-Fußball spielen, bekommen wir wie gegen Stuttgart (1:5 am 23. Spieltag, Anm.d.Red.) fünf Dinger."

Der FC habe deshalb in der abgelaufenen Saison nur ?wenige gute Spiele gezeigt. Wir haben unser Ziel Klassenerhalt geschafft. Das war das Wichtigste.?

Spaß hat der 24-Jährige offenbar erst jetzt im Kreis der DFB-Auswahl.

"Wenn man Philipp Lahm hinter sich hat, der permanent mitläuft und Offensivaktionen hat, ist es eben etwas anderes", lobt er den Münchner, der erst am Mittwoch in Südtirol eintreffen soll. "Aber dass die Qualität in der Nationalmannschaft eine andere ist, ist doch ganz normal."

Podolski macht sich keinen Kopf

In diesem Umfeld erscheint es für Podolski einfacher "zu explodieren". Eine Belastung sieht er in Löws vollmundiger Ankündigung nicht.

"Ich mache mir jetzt gar keinen Druck, dass ich irgendjemandem etwas beweisen muss, weil die Saison in Köln schlecht gelaufen ist", behauptet er. "Ich bereite mich konzentriert vor. Und dann hoffen wir, dass wir alle ein gutes Turnier spielen."

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