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Oliver Bierhoff ist seit Juli 2004 Manager der deutschen Nationalmannschaft © getty

Im SPORT1-Interview spricht Teammanager Oliver Bierhoff über seine Unterstützung für das Trainerteam und die WM-Vorbereitung.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Martin van de Flierdt

Girlan ? Für den Außenstehenden ist der gröbste Teil seiner Arbeit bereits erledigt.

Mit der Organisation der Trainingslager auf Sizilien und in Südtirol sowie des WM-Quartiers hat Nationalmannschaftsmana- ger Oliver Bierhoff in der Tat Wesentliches längst in die Wege geleitet. Es bleibt dennoch viel zu tun.

"Die Ursprungsidee war, die Trainer zu entlasten, damit der Bundestrainer sich auf die Mannschaft konzentrieren kann", sagt Bierhoff.

"Ich kann überall mitreden"

"Mittlerweile ist die Arbeit rund um die Nationalmannschaft im sportpolitischen, wirtschaftlichen wie auch im medialen Bereich so vielfältig geworden, dass es da auch einer professionellen Betreuung bedarf. Und mein Vorteil ist, dass ich in all diesen Bereichen mitreden kann."

Im SPORT1-Interview wehrt sich der 42-Jährige gegen Kritik an seiner Arbeit und spricht über seine Zukunft sowie das Prozedere im "WM-Casting".

SPORT1: Herr Bierhoff, anderthalb Wochen Vorbereitung sind rum. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Oliver Bierhoff: Bis auf die Verletzung von Michael Ballack, die uns arg getroffen hat, und den drohenden Ausfall von Christian Träsch läuft die Vorbereitung nach Plan. Wir sind sehr zufrieden, hatten sehr gute Trainingseinheiten. Man hat das Gefühl, die Mannschaft wächst zusammen. Jetzt erwarten wir die Bayern-Spieler. Dr. Müller-Wohlfahrt hat uns schon ein positives Feedback gegeben. Es gibt also keine körperlichen Probleme. Auch die Seele wird wieder in Ordnung kommen. Die Bayern werden hier mit breiter Brust eintreffen.

SPORT1: Zu Ihrer eigenen Situation: Sie haben gesagt, dass Sie nach der WM nicht sofort bei einem Verein einsteigen würden. Beim DFB würden Sie aber gerne weitermachen?

Bierhoff: Ich habe den Job in den vergangenen sechs Jahren sehr gerne gemacht. Ich glaube auch, dass ich der Position des Nationalmannschafts-Managers ein Profil gegeben habe. Viele Nationen denken auch deshalb darüber nach, so einen Posten zu besetzen. Erst vor einiger Zeit hat mir Gerard Houllier das von den Franzosen erzählt. Man sieht also, dass sich diese Position bewährt hat. Was aber nach der WM für mich kommt, kann ich nicht beurteilen.

SPORT1: Die Kritik an Ihrer Arbeit war vor allem nach der geplatzten Vertragsverlängerung der gesamten sportlichen Leitung sehr heftig. Hat Sie diese Wucht überrascht?

Bierhoff: Wenn ich die sechs Jahre zurückblicke, dann gab es ja immer wieder Kritik und Streitpunkte. Aber damit muss man umgehen können, ohne dass man diese Dinge persönlich nimmt. Wichtig ist immer, dass man selbst weiß, was das Richtige ist, und diesen Weg verfolgt. In der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, dass der eingeschlagene Weg auch der richtige für uns war.

SPORT1: Würden Sie sagen, dass es in der Vermittlung Ihrer Arbeit Kommunikationsdefizite gab oder gibt?

Bierhoff: Die Komplexität und Vielfältigkeit dieses Jobs macht es schwierig, meine Aufgaben dem "normalen" Fan näher zu bringen. Aber natürlich auch die Tatsache, dass es im Gegensatz zum Manager eines Vereins nicht um Kauf oder Verkauf von Spielern geht.

SPORT1: Ein Kernvorwurf lautet daher, dass Ihre Arbeit deshalb teilweise überflüssig ist.

Bierhoff: Wenn ein Sportdirektor oder Vereinsmanager am Anfang der Saison den Kader bestimmt und die Spieler mit langjährigen Verträgen ausgestattet hat, könnte man ja auch fragen: Was macht er denn dann? Seine tägliche Arbeit geht aber auch weiter und ist wichtig. Da könnte man ja auch fragen: Wenn keine Transferzeit ist, hat er denn da genug zu tun?

SPORT1: Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Bierhoff: Ich will hier nicht über die Arbeit in den Vereinen reden. Ich konzentriere mich darauf, meinen Job gut zu machen, mit dem Trainerstab eng zusammenzuarbeiten und die Nationalmannschaft nach vorne zu bringen. Und da gibt es ja einige Erfolge, etwa was unser seit 2004 ständig verbessertes Image betrifft.

SPORT1: Wo liegen da Ihre Schwerpunkte?

Bierhoff: Die Ursprungsidee war, die Trainer zu entlasten, damit der Bundestrainer sich auf alle sportlichen Themen rund um die Mannschaft konzentrieren kann. Mittlerweile ist die Arbeit rund um die Nationalmannschaft im sportpolitischen, wirtschaftlichen wie auch im medialen Bereich so vielfältig geworden, dass es da auch einer professionellen Betreuung bedarf. Und mein Vorteil ist, dass ich in all diesen Bereichen mitreden kann.

SPORT1: Also können Sie sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen?

Bierhoff: Nein. Da muss jeder auch immer für sich entscheiden, wie intensiv er den Job versteht und wo er die Schwerpunkte setzt. Wir haben zum Beispiel mehrere TV-Image-Spots mit der Nationalmannschaft gemacht, das gab es ja früher nicht. Wir haben eine Datenbank für das DFB-Team und die Nachwuchsspieler auf- und ausgebaut oder ein eigenes Fernsehstudio beim DFB installiert, damit wir aktuelle Themen im Internet präsentieren können. Das sind alles Dinge, die vielen vielleicht gar nicht mehr auffallen, aber die schon dazu beitragen, welches Bild man in der Öffentlichkeit von der Nationalmannschaft hat. Deshalb sehe ich keinen Grund, mich ständig rechtfertigen zu müssen.

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