vergrößernverkleinern
Im Mai 2008 bestritt Marko Marin (l.) sein erstes A-Länderspiel für den DFB © getty

Zwei Spieler muss Joachim Löw noch nach Hause schicken. Marko Marin begründet bei SPORT1, warum es ihn diesmal nicht trifft.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Martin van de Flierdt

Girlan - Das "WM-Casting" neigt sich dem Ende zu.

Bis zum 1. Juni muss Bundestrainer Joachim Löw noch zwei Spieler aus seinem bereits auf 25 Akteure reduzierten Kader streichen.

Marko Marin gehörte 2008 zu denjenigen, die vor der EM aus dem Trainingslager abreisen mussten.

"Ich habe mich nie als Wackelkandidaten gesehen", sagt er nun im Vorfeld der Südafrika-Reise. Im SPORT1-Interview begründet er diese Sichtweise. Der "Odonkor von 2010" will er nicht werden.

SPORT1: Herr Marin, seit dem 0:4 gegen Bayern München im DFB-Pokalfinale sind anderthalb Wochen vergangen. Wie viel davon ist noch in Ihrem Kopf?

Marko Marin: Damit haben wir Werder-Spieler alle abgeschlossen. Die WM steht vor der Tür. Da ist es besser, solch eine Niederlage schnell zu verarbeiten.

SPORT1: Wie fällt das Fazit Ihres ersten Jahres in Bremen aus?

Marin: Ich habe mich in allen Bereichen weiterentwickelt. Durch die internationalen Spiele habe ich viel Erfahrung gesammelt und bin in der Rückrunde viel effektiver geworden. Ich habe mich an Werders Niveau gewöhnt und werde immer besser.

SPORT1: In den letzten, entscheidenden Saisonspielen standen Sie nicht mehr in der Bremer Startelf?

Marin: Der Trainer wollte auf Schalke defensiver auftreten und hat das System verändert. Da hat er mich eben draußen gelassen. Das muss ich akzeptieren, auch wenn es schade war. Das Positive ist, dass ich nicht wegen mangelnder Leistung auf der Bank saß.

[image id="15347415-65c0-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

SPORT1: Im vorläufigen EM-Kader stehen sieben U-21-Europameister. Fehlt dem jungen Aufgebot erst recht nach dem Aus von Michael Ballack die Routine?

Marin: Es ist auf jeden Fall ein Nachteil, dass Michael Ballack ausfällt. Denn er ist der Leader gewesen. So eine Führungsperson fehlt dem Team natürlich. Von seiner spielerischen Klasse her ist er auf dieser Position sowieso nicht zu ersetzen. Erfahrene Spiele haben wir aber noch genug - zumindest solche, die schon viele Länderspiele haben, auch wenn sie nicht so alt sind. Per Mertesacker, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Arne Friedrich sind Spieler, die die Mannschaft führen können.

SPORT1: Nach Ballack fällt nun auch Christian Träsch aus. Auf der Sechserposition entsteht langsam ein Personalmangel, so dass das gegen den FC Südtirol getestete 4-1-4-1 eine ernsthafte taktische Alternative wird. Das kommt Ihnen entgegen, oder?

Marin: Erstmal zum Träschi: So eine Verletzung mitten in einer WM-Vorbereitung ist ganz hart. Aber klar, das 4-1-4-1 oder das 4-2-3-1 sind beides Spielsysteme, die mir liegen. Bei Werder spielen wir ja auch mit zwei defensiven Mittelfeldspielern und drei offensiven davor. Das ist das perfekte Spielsystem für mich, da geht es viel über die Außen.

SPORT1: Wie es ist, vor dem Turnier noch aus dem Kader gestrichen zu werden, wissen Sie ja noch aus leidiger Erfahrung von 2008. Welche Erinnerung haben Sie daran?

Marin: Es war damals ja erstmal schön dabei zu sein. Eine Enttäuschung war in den ersten paar Tagen nach dem Trainingslager auf Mallorca aber schon da. Nur war sie nicht so schlimm, weil ich überraschend nominiert worden bin. Ich hatte mir vorher gar keine Gedanken über die EM gemacht. Jetzt ist das eine ganz andere Situation für mich.

SPORT1: Inwiefern?

Marin: Meine Position in der Mannschaft hat sich auf jeden Fall verbessert. Damals kam ich als Zweitliga-Spieler aus Mönchengladbach. Jetzt bin ich Stammspieler bei Werder Bremen und fast Champions-League-Teilnehmer, dazu habe ich einige Länderspiele mehr auf dem Konto, Europa League und eine gute Rückrunde gespielt.

SPORT1: Dennoch werden Sie auch vor diesem Turnier als Wackelkandidat gehandelt.

Marin: Ich habe mich nie als Wackelkandidaten gesehen. Ob man das ist oder nicht, spielt ohnehin keine Rolle: Man muss immer 100 Prozent geben. Ich gebe mein Bestes hier und will in jeder Einheit zeigen, was ich kann. Das mache ich nicht mit Blick auf die endgültige Nominierung, sondern weil ich bei der WM zum Einsatz kommen will. Ich plane nicht nur bis zum 1. Juni, sondern deutlich darüber hinaus. Ich habe Qualitäten, die der Mannschaft weiterhelfen können.

SPORT1: Welche konkret meinen Sie?

Marin: Es ist doch blöd, wenn sich ein Spieler hinstellt und sagt: "Ich bin der kopfballstärkste Spieler in der Mannschaft. Wer mich nicht mitnimmt, ist dumm, weil ich in der 90. Minute noch einen Kopfball reinmache." Ich denke, dass Fußball-Deutschland weiß, worin meine Qualitäten bestehen, die es nicht so häufig gibt. Die muss ich nicht mehr ausdrücklich nennen.

SPORT1: Welche der beiden Außenbahnen ist Ihnen denn lieber?

Marin: Mir ist das egal. Von links kann ich schön in die Mitte ziehen und den Abschluss suchen. Da ist man auch torgefährlicher. Auf der rechten Seite kann ich mit dem stärkeren Fuß flanken. Aaron Hunt und ich wechseln bei Werder nonstop.

SPORT1: Anders gefragt: Würden Sie die Seite bevorzugen, auf der auch Philipp Lahm spielt?

Marin: Es ist schon schön, einen Spieler wie ihn hinter sich zu wissen. Er ist immer anspielbar, spielt dich super frei, kommt mit und bietet sich wieder an. Etwas Besseres kann einem als Flügelspieler nicht passieren. Aber mit Jerome Boateng hat das Mitgehen und Hinterlaufen am Montag auch ganz gut geklappt.

SPORT1: 2006 und 2008 wurde gerne vom "X-Faktor" Odonkor gesprochen. Als Außenbahnspieler in eine verfahrene Partie hineinkommen und - im günstigen Fall von 2006 ? eine entscheidende Aktion setzen. Wäre das eine Rolle, die Sie in Südafrika gerne spielen würden?

Marin: Ich hätte nichts dagegen reinzukommen und der Mannschaft zu helfen. Ich will zwar mehr sein als nur ein Joker. Aber für den Anfang wäre das nicht so schlecht. Der "Odonkor von 2010" möchte ich deshalb aber nicht genannt werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel