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Piotr Trochowski spielt seit 2006 für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Bei der EM 2008 blieb Trochowski ohne Einsatz. Im SPORT1-Interview spricht er über die neue Hierarchie und seine Chancen.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Girlan - Piotr Trochowski steht vor seinem zweiten Turnier mit der deutschen Nationalmannschaft.

Sein Beitrag zum Finaleinzug bei der EM 2008 war allerdings überschaubar, er blieb ohne Einsatz. Das soll bei der anstehenden WM anders werden.

"Diesmal sollte der mannschaftliche am besten mit dem persönlichen Erfolg einhergehen", sagt der 26-Jährige (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Im SPORT1-Interview spricht der Hamburger über die jüngsten Personalmaßnahmen beim HSV, die neue Mannschaftshierarchie und seine Chancen auf einen Stammplatz.

SPORT1: Herr Trochowski, Sie haben mit Armin Veh und Bastian Reinhardt neue Vorgesetzte beim HSV. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Piotr Trochowski: Einerseits bin ich glücklich, dass man jetzt Gewissheit hat. Man hätte aber wohl kaum gedacht, dass es sich in diese Richtung entwickeln würde ? das kam doch etwas überraschend. Veh kenne ich natürlich aus der Bundesliga, aber noch nicht persönlich.

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SPORT1: Begrüßen Sie es, dass Reinhardt quasi als Bindeglied zwischen Mannschaft und Vorstand fungiert?

Trochowski: Ich kann mir aus der Distanz schlecht ein Bild machen, wer welche Aufgaben künftig im Detail übernimmt. Urs Siegenthaler ist ja auch noch da. Aber nach der WM werde ich dann sicher schnell auf dem aktuellen Stand sein.

SPORT1: Marcell Jansen hat in einem Interview gesagt, der HSV habe ich in der letzten Saison nach fünf, sechs Spielen angefangen, sich selbst zu feiern und sich danach auf dem Lorbeer ausgeruht.

Trochowski: Das sehe ich nicht so. Natürlich haben wir gerade in der ersten Phase der Hinrunde sehr gut gespielt und sind von Medien und Fans gefeiert worden. Aber dann sind viele Sachen falsch gelaufen. Woran genau es gelegen hat oder wo wir die Punkte legen gelassen haben, weiß man manchmal selbst nicht.

SPORT1: Themawechsel: Joachim Löw hat hier viel 4-1-4-1 und 4-2-3-1 trainieren lassen. Also ist reichlich Platz im Team für offensive Mittelfeldspieler. Gut für Sie, oder?

Trochowski: Das kommt mir schon entgegen. Und warum soll ich nicht rechts offensiv spielen, wenn die Position mehr oder weniger offen ist? Aber ich kann ja auch den Zehner oder Halbpositionen spielen. Deshalb hätte ich auch in einem 4-4-2 entweder auf der linken oder rechten Seite meine Position in der Mannschaft gefunden.

SPORT1: Haben Sie vom Bundestrainer denn schon ein Feedback bekommen, dass Sie in Südafrika dabei sein werden?

Trochowski: Nein, er hat mit mir darüber noch nicht gesprochen. Aber ich mache mir darüber auch keine Gedanken. Ich gebe hier mein Bestes, mehr kann ich nicht tun. Ich gehe davon aus, dass ich dabei bin. Denn ich bin ja hergefahren, um eine gute WM zu spielen.

SPORT1: Harmonieren Sie besser mit Ihrem Klubkameraden Jerome Boateng als Außenverteidiger oder mit Philipp Lahm?

Trochowski: Wir haben in dieser Vorbereitung so trainiert, dass es keine Rolle spielt, wer hinter einem spielt. Es ist so eingeschliffen, dass man weiß, was der Hintermann zu tun hat. Und der Hintermann weiß, was wir offensiven machen müssen. Ich habe hier meist mit Andi Beck zusammengespielt, das hat ganz gut funktioniert. In der WM-Qualifikation habe ich aber fast immer mit Philipp gespielt. Das klappt sowieso super. Wer auch immer hinter mir spielt, ich kann auf jeden Fall auf ihn zählen.

SPORT1: Nach dem Ausfall von Michael Ballack müssen die verbliebenen gestandenen Spieler mehr Verantwortung übernehmen. Zählen Sie sich zu den Spielern, die nun mit vorneweg gehen müssen?

Trochowski: Das ist der normale Lauf der Dinge, wenn man schon ein bisschen länger mit dabei ist. Ich spiele mein zweites Turnier. Da macht man den nächsten Schritt. Klar, das Fehlen von Michael ist für uns nicht einfach. Aber es ist auch eine Chance für die Mannschaft zu wachsen, wenn jetzt jeder einzelne Spieler mehr in die Verantwortung genommen wird. Was der Einzelne daraus macht, liegt an ihm 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer).

SPORT1: Wo würden Sie sich in der mannschaftsinternen Hackordnung ansiedeln?

Trochowski: Es gibt bei uns Spieler, die ihr viertes, fünftes Turnier spielen. Sie sind in der Hierarchie ganz weit oben. Ich komme danach. Das ist aber unabhängig davon, ob ich nun gleich von Anfang an auf dem Rasen stehe oder nicht. Ich gebe der Mannschaft, was ich kann und habe schon meinen Anteil daran, dass wir uns qualifiziert haben. Eben darauf kommt's ja an: Nicht zu erzählen, sondern zu machen.

SPORT1: Welchen Kapitän hätten Sie denn gerne? Philipp Lahm scheint favorisiert, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose sind wohl noch mit in der Verlosung 239581(DIASHOW: Binde sucht starken Arm).

Trochowski: Ich könnte mit jedem der drei als Kapitän leben. Sie sind ja mit Arne Friedrich zusammen die erfahrensten und mit dem Verein auch international schon länger auf höchstem Niveau dabei. Sie sind eben die nächsten, die nachrücken.

SPORT1: Oliver Kahn hat geäußert, dass er sich schwer vorstellen kann, dass Lahm die nötigen Führungsqualitäten für das Amt besitzt. Was halten Sie davon?

Trochowski: Das möchte ich nicht kommentieren.

SPORT1: Schweinsteiger steigt erst sehr spät in die Vorbereitung ein und soll gleich das Spiel aus der Zentrale lenken. Ist das nach der langen Saison womöglich etwas viel verlangt?

Trochowski: Er spielt jetzt sein fünftes Turnier und ist erfahren genug. Durch die Verletzung von Michael Ballack ist es eben nun der Fall, dass er zusätzlich Verantwortung im Mittelfeld übernehmen muss.

SPORT1: Schauen wir ein paar Wochen voraus. Wann würden Sie für sich ein positives WM-Fazit ziehen?

Trochowski: Der Erfolg muss gegeben sein, er steht über allem. Ich habe vor zwei Jahren schon das Finale in einem Turnier erreicht. Daran hatte ich aber nicht einen sonderlich großen Anteil. Diesmal sollte der mannschaftliche am besten mit dem persönlichen Erfolg einhergehen.

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