vergrößernverkleinern
Philipp Lahm holte 2009/2010 mit Bayern das Double aus Pokal und Meisterschaft © getty

Joachim Löw legt sich fest: Philipp Lahm wird das DFB-Team als Kapitän nach Südafrika führen. Die Nummer eins ist Manuel Neuer.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Girlan - Die Überraschung ist ausgeblieben.

Bundestrainer Joachim Löw hat der Öffentlichkeit am Freitag wie erwartet Philipp Lahm als Vertreter des verletzten DFB-Kapitäns Michael Ballack bei der WM in Südafrika vorgestellt 239581(DIASHOW: Binde sucht starken Arm).

Im Tor setzt das deutsche Trainerteam auf den Schalker Manuel Neuer. "Wir haben den heutigen Freitagvormittag genutzt, um mit den Spielern diese Thematik zu besprechen", berichtete Löw.

Quintett im Mannschaftsrat

Nach Ballacks Ausfall komme dem von ihm selbst bestimmten Mannschaftsrat "eine vielleicht noch wichtigere Rolle zu als zuvor", weil die Last der Verantwortung auf mehrere Schultern der "relativ jungen Mannschaft" verteilt werden solle (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Der Mannschaftsrat besteht aus Miroslav Klose, Per Mertesacker, Arne Friedrich, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger", klärte der Bundestrainer auf.

Aus diesem Kreis wurden zwei Spieler noch einmal hervorgehoben: "Schweinsteiger soll auf dem Platz die Rolle von Michael Ballack gemäß der eigenen Spielweise interpretieren. Lahm wird das Amt des Kapitäns übernehmen."

[image id="f3d91d6e-636c-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Motor Schweinsteiger

Schweinsteiger sei demzufolge sein Vertreter. Beide hätten eine hervorragende Saison hinter sich und schon "in den letzten Jahren tragenden Rollen in der Nationalmannschaft gespielt".

"Sie haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, diese Aufgaben zu übernehmen?, lobte Löw. "Lahm füllt seine Position seit Jahren mit großer Klasse aus. Schweinsteiger ist der emotionale Leader, der Motor, der die Mannschaft auf dem Platz antreibt."

Lahm könne auf dem Platz die Dinge, die der Trainer verlangt, sehr gut umsetzen, erläuterte der 50-Jährige weiter: "Er ist jemand, der klar und deutlich seine Meinung äußert, wenn er einen Konflikt oder ein Problem sieht. Er ist ein Spieler, der sich viele Gedanken macht. Sein Feedback ist offen und ehrlich."

Zustimmung von Matthäus

"Philipp ist der richtige Kapitän", hatte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus schon zuvor in der Münchner "Abendzeitung" geäußert. "Er ist anerkannt in der Mannschaft, hat immer seine Leistung gebracht, hat schon eine Menge Erfahrung, auch einige Turniere mitgemacht und vertritt die Meinung der Mannschaft."

Zudem habe er "eine starke Fraktion von Bayern-Spielern hinter sich", betonte Matthäus. "Das passt."

Klose braucht die Binde fürs Ego nicht

Klose, der mit 94 Länderspielen erfahrenste Akteur im deutschen WM-Aufgebot, hat laut Löw eine schwierige Saison in München hinter sich.

Deshalb sei die Wahl des Trainerteams nicht auf ihn gefallen. "Es ist dennoch für uns wichtig, dass Miro verstärkt Führungsaufgaben übernimmt", meinte der Bundestrainer. "Er ist der Ansprechpartner für die jungen Spieler. Für ihn ist wichtig, dass er in den nächsten Wochen in die Form kommt, in der wir ihn kennen."

Klose habe ihm zugesichert, dass er seine Rolle auch ohne die Binde ausfüllen könne: "Er braucht sie nicht zur Selbstbestätigung."

Quartett nicht mit nach Ungarn

Am Samstag wird der Angreifer die DFB-Auswahl in Budapest aber als Skipper ins Testspiel gegen Ungarn (ab 19.30 Uhr imLIVE-Ticker) führen.

Denn Löw lässt Lahm, Schweinsteiger, Jörg Butt und Thomas Müller in Südtirol, wo sie nach der langen und anspruchsvollen Saison bei Bayern München an ihrer körperlichen Verfassung arbeiten sollen.

Klose hingegen braucht Spielpraxis. Die bekommt auch Neuer, der in Budapest seine Premiere als deutsche Nummer eins feiert 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer).

Rangfolge Neuer, Wiese, Butt

"Es war eine sehr knappe Entscheidung, die im Endeffekt zwischen Manuel und Tim Wiese gefallen ist", schilderte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke den Entscheidungsprozess, aus dem Butt nur als Nummer drei herausging.

"Wenn wir Butt nachnominieren und ihn dann zur Nummer eins gemacht hätten, dann hätten wir einige Dinge im Vorfeld nicht richtig gemacht."

Wiese und Butt hätten den Entschluss der sportlichen Leitung "sportlich fair" hingenommen. Köpke fordert, dass beide ihre Enttäuschung zügig verarbeiten.

Reservisten gefordert

"Wir haben in der jüngeren Vergangenheit gesehen, wie schnell auf der Torhüterposition etwas passieren kann", sagte der Europameister von 1996.

"Deshalb erwarten wir, dass sie sich im Training weiter zu 100 Prozent reinknien und voll fokussiert bleiben."

Dass er Butt kein Präsent zum 36. Geburtstag machte, sah Köpke nicht so tragisch: "Vielleicht ist das Geschenk, dass er überhaupt wieder dabei ist", meinte er über den Routinier, der nach 2000 und 2002 zum dritten Mal ein Turnier als dritter Schlussmann der deutschen Auswahl mitbestreitet.

"Er ist der ruhende Pol und soll seine Ruhe und Gelassenheit auf Neuer übertragen, den jüngeren beiden den Rücken stärken und allzeit bereit sein."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel