Löws Entscheidungen in der K- und T-Frage überraschen nicht. Doch wie er den Entschluss öffentlich bekannt gab, verdient Lob.

Die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, Philipp Lahm nach dem Ausfall von Michael Ballack zum Kapitän zu machen, kam nicht überraschend.

Denn Löw hatte seine Entscheidung pro Lahm schon getroffen, als er am vergangenen Sonntag das Anspruchsprofil des künftigen Spielführers beschrieb.

Der müsse "integrativ und kommunikativ sein und darf nicht nur auf sich selbst schauen, sondern muss ein offenes Ohr für die Probleme anderer haben".

Zudem sollte er tauglich sein, "viele repräsentative Aufgaben" zu übernehmen. Löw hätte da schon den Namen Lahm nennen können. Das tat er bewusst nicht.

Denn die Art und Weise, diese Personalentscheidung zu übermitteln, war ihm offenbar wichtig und ist bemerkenswert.

Indem der Bundestrainer Lahm, Schweinsteiger, Arne Friedrich, Miroslav Klose und Per Mertesacker in den neuen Mannschaftsrat berief und dessen gewachsene Bedeutung unterstrich, hat er sämtliche Spieler mit Führungsanspruch in die Pflicht genommen.

Schweinsteiger hätte die Binde ohne Zweifel ebenfalls verdient gehabt.

Er wird aber genügend damit zu tun haben, dem deutschen Spiel nach einer anstrengenden Saison und enorm kurzer Vorbereitungszeit in zentraler und im DFB-Team noch ziemlich neuer Position die dringend benötigte Linie zu geben.

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Ihm auch noch hauptverantwortlich die Lösung möglicher Konflikte sowie die Rolle des öffentlichen Sprachrohrs der Mannschaft aufzuhalsen, wäre wohl zu viel des Guten und würde womöglich seiner Leistung schaden.

Da Löw aber einen starken Schweinsteiger braucht, hebt er Lahm und ihn öffentlich aus dem Mannschaftsrat heraus. Das ist angebracht und dürfte dem Ego Schweinsteigers gut tun.

Miroslav Klose trotz seiner 94 Länderspiele die Kapitänsrolle vorzuenthalten, ohne dessen Position in der Mannschaft und Öffentlichkeit nachhaltig zu schädigen, ist dem Bundestrainer mit dem Verweis auf die erst noch wiederherzustellende herausragende sportliche Bedeutung des Angreifers ebenfalls gelungen.

Dass ein hinsichtlich seiner Leistung angreifbarer Kapitän ein möglicher Brandherd wäre, ist Löw bewusst.

Lahm ist dahingehend über jeden Zweifel erhaben, spielt bei der WM eine Rolle, die er lange kennt, und ist ein Routinier vor dem Mikrofon.

Beim Zusammenspiel mit den Medien hat er sich als professionell, geduldig und auskunftsfreudig profiliert. Dabei dosiert er sehr gekonnt, wann er nur redet und wann er damit auch etwas sagt.

Löws Prozedere in Sachen Kapitänsamt ist daher nachvollziehbar und ein Beispiel für gelungene Diplomatie.

Ähnliches gilt für die Torwartfrage. Die Vorliebe von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke für den hervorragend mitspielenden Manuel Neuer war bekannt.

Hätte der Trainerstab nun Nachrücker Butt aufgrund seiner jüngsten Erfolge mit Bayern München Tim Wiese oder gar Neuer vor die Nase gesetzt, hätten sie das als zuletzt ständige Kadermitglieder als klares Mistrauensvotum empfinden müssen.

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