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Werder-Manager Klaus Allofs (l.) stichelt gegen Bundestrainer Joachim Löw © getty

Der Fall Frings: Während Klaus Allofs dem Rücktrit-geneigten Nationalspieler Zuspruch spendet, äußert Uwe Seeler Kritik.

Von Christian Paschwitz

München - Die Diskussion um den mit einem Rücktritt aus der Nationalmannschaft liebäugelnden Torsten Frings ist voll entbrannt.

Während die Verantwortlichen von Werder Bremen ihrem Mittelfeldspieler von einer Demission abraten und Zuspruch spenden, findet Uwe Seeler deutlich kritischere Worte für das Verhalten des 31-Jährigen - der Ehrenspielführer der Nationalelf warnt Frings insgeheim gar vor Sanktionen aus der Mannschaft.

"Wenn man ein Problem hat, dann muss man das mit dem Trainer intern lösen, anstatt in die Öffentlichkeit zu gehen", sagt der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft im Gespräch mit Sport1.de. "Das über die Medien zu machen, ist sicherlich verkehrt. Das hätte ich nicht gemacht."

Klaus Allofs meint: "Es gibt für Torsten keine Veranlassung zurückzutreten. Ich würde ihm davon abraten."

Allofs süffisante Worte

Anders als Seeler übt Werders Sportdirektor allerdings versteckte Kritik am Deutschen Fußball-Bund: Frings sei "ein sportlich wichtiger Teil der Nationalmannschaft. Das weiß auch Joachim Löw - und wenn nicht, wird er dies noch merken."

Hintergrund der Allofs'schen Worte zwischen Süffisanz und Sticheleien: Frings, der in den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) nur insgesamt sechs Minuten zum Einsatz gekommen war, hat via "Bild" erklärt: "Klar, ich denke an einen Rücktritt. Nicht, weil ich beleidigt bin, sondern weil mir die letzten Tage die Augen geöffnet haben."

Dass er sich gegen Wales noch nicht einmal warmlaufen durfte, empfindet der 78-malige Nationalspieler als "eine Demütigung".

"Ich kenne so was nicht aus meiner Zeit"

Ungemein unverhohlene Worte, die Seeler (72 Länderspiele/Vize-Weltmeister 1966) nicht nachvollziehen kann: "Ich kenne so was nicht aus meiner Zeit. Schon bei uns hat der Trainer entschieden, wer spielt und wer nicht. Das muss man akzeptieren in einer Mannschaft als Gemeinschaft."

Der Hamburger, der am Rande der beiden Länderspiele mit Frings gesprochen hat, erklärt sich Frings Vorpreschen damit, dass "es Situationen gibt, wo man unsicher ist und sich nicht fühlt. Das ist menschlich, wenn man doch sonst Stammspieler ist."

Gut heißen mag der Hamburger das jedoch nicht - wie kürzlich ebenso den unrühmlichen Abgang von Kevin Kuranyi: "Auch wenn es eine andere Zeit ist: Dass die Spieler zunächst erst mal Selbstkritik üben, das ist verloren gegangen. Das war bei uns sicherlich ausgeprägter."

Wird Koketterie zum Bumerang?

Unter Umständen kann ein öffentliches Kokettieren mit einem Rücktritt sogar zum Bumerang geraten - und vom eigenen Handlungsentschluss zu dem anderer werden.

Zumindest meint Seeler aus eigener Erfahrung, ohne dabei Namen zu nennen: "Wenn einer mit der Truppe nicht gelebt hat, dann ist er eliminiert worden. Unruhe in einer Mannschaft kann man nicht gebrauchen, um Erfolg zu haben."

Kann man so einen wie Frings denn dann überhaupt noch gebrauchen in der Nationalmannschaft?

Ratschlag: Auf Löw zugehen

Der Ehrenspielführer, der Frings nun rät, auf Jogi Löw zuzugehen, würde es sich wünschen: "Er ist ein toller Fußballer, und ich glaube auch, dass der Bundestrainer weiter mit ihm rechnet."

Eigentlich wolle Frings auch gar nicht zurücktreten, glaubt Seeler zu wissen. Man trage auch heute mit Stolz den Adler auf der Brust: "Da hat sich zur damaligen Zeit wohl nicht geändert und ist keine andere Frage der Ehre."

Und weiter: "Die Jungs wollen alle gern für Deutschland spielen. Sonst würden sie sich ja nicht so darum reißen und so schnell beleidigt sein, wenn sie mal nicht spielen." Allerdings: "Man muss sich auch mal in Geduld üben."

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