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Sandor Torghelle (l., hier 2004 gegen Ballack) begann seine Profi-Karriere bei Honved Budapest © imago

Die Magyaren wittern gegen das DFB-Team eine Chance zur historischen Wiedergutmachung - zumal ein Deutschland-Schreck spielt.

Von Andreas Kloo

München ? Was für die Deutschen das Wunder von Bern ist, ist für die Ungarn immer noch die größte nationale Katastrophe aus sportlicher Sicht: das WM-Finale von 1954.

Vier Jahre lang war die Elf um Ferenc Puskas damals ungeschlagen, doch ausgerechnet die wichtigste aller Partien verloren die Magyaren mit 2:3 gegen Deutschland.

Der Stachel dieser Niederlage sitzt bei den Ungarn noch immer tief.

Die nationalen Medien erinnern vor dem Freundschaftsspiel gegen die DFB-Elf in Budapest wieder an die historische Pleite.

Hajnal sieht große Chance

Die Sehnsucht nach Rache ist groß. Dortmunds Tamas Hajnal sieht auch durchaus eine Chance auf einen Sieg gegen Deutschland.

"Die Bayern-Spieler sind spät gekommen. Dann diese ganzen Verletzungen. Der Zeitpunkt für die Revanche ist also günstig", glaubt der ungarische Mittelfeldspieler im Gespräch mit "derwesten.de".239581(DIASHOW: Binde sucht starken Arm)

Er selbst kann allerdings beim Revanche-Versuch nicht mitwirken. Nach einer Fußoperation fällt der 29-Jährige für das Testspiel aus. Ein herber Verlust für das Team des niederländischen Trainers Erwin Koeman.

Nur zwei Ü-30-Spieler

Denn an Erfahrung mangelt es der Mannschaft deutlich. Mit Verteidiger Laszlo Bodnar und "Löwen"-Torhüter Gabor Kiraly stehen nur zwei Spieler im Kader, die die 30 bereits überschritten haben. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Die mangelnde Erfahrung machte sich bereits in der WM-Qualifikation negativ bemerkbar.

Portugal zu stark

Lange schienen die Ungarn auf einem guten Weg, sich erstmals seit der WM 1986 für ein Großturnier qualifizieren zu können. Doch nach zwei Niederlagen gegen Portugal war der WM-Traum zerplatzt.

Gegen die ausgebufften portugiesischen Profis erwies sich das Team als zu grün.

Koeman setzt auf Koman

Dennoch setzt Koeman weiterhin auf die Jugend ? auch weil ihm nichts anderes übrig bleibt.

Große Zukunftshoffnung der Ungarn ist Mittelfeldspieler Vladimir Koman. Er führt die goldene Generation der Magyaren an, die zuletzt bei der U-19-EM und der U-20-WM jeweils mit dem Halbfinaleinzug für Furore sorgte.

Der 21-Jährige Koman ist derzeit von Sampdoria Genua an den AS Bari ausgeliehen. Doch mittlerweile hat auch der FC Liverpool ein Auge auf ihn geworfen. Gegen Deutschland soll er sein Debüt in der Nationalmannschaft feiern.

Deutschland-Schreck Torghelle

Neben dem Riesen-Talent müssen Löws Mannen vor allem auf die beiden Feldspieler mit Deutschland-Erfahrung achten: den Ex-Hannoveraner Szabolcs Huszti, der jetzt bei Zenit St. Petersburg sein Geld verdient und Sandor Torghelle, der zur kommenden Saison vom FC Augsburg nach Fortuna Düsseldorf wechselt.

Mit dem Stürmer verbindet das DFB-Team negative Erinnerungen. 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer)

Vor der EM 2004 schoss Torghelle die damalige Mannschaft von Rudi Völler mit zwei Treffern im Alleingang ab.

Der Sieg der von Lothar Matthäus trainierten Ungarn gab schon einen Vorgeschmack auf die enttäuschenden deutschen Leistungen bei der Europameisterschaft. Beim Turnier in Portugal scheiterte Deutschland anschließend in der Vorrunde.

Gedenkminute für Varga

Für die Ungarn steht das Spiel gegen das DFB-Team aber nicht nur im Zeichen der Revanche. Vor der Partie wird es eine Gedenkminute für den kürzlich verstorbenen Ex-Nationalspieler Zoltan Varga geben. Der frühere Bundesliga-Profi war im Alter von 65 Jahren bei einem Freizeit-Kick zusammengebrochen und verstorben.

1971 war er als Spieler der Berliner Hertha in den Bundesliga-Skandal verwickelt.

Sein Sohn Attila wird symbolisch den Anstoß ausführen.

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