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Joachim Löw (3. v.r.) ist seit dem 1. August 2006 Bundestrainer © getty

Beim WM-Test in Ungarn verzichtet Bundestrainer Löw bewusst auf seine beiden gekürten Kapitäne. Ein Einspielen ist daher unmöglich.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Girlan/Budapest - Es ist der vorletzte Test vor dem ersten WM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika gegen Australien.

Gemessen an früheren Turnier-Vorbereitungen hätte es im Länderspiel gegen Ungarn in Budapest (ab 19.30 Uhr im LIVE-Ticker) um die Feinabstimmung der geplanten Stammelf gehen müssen.

Doch im Vorfeld dieser WM ist alles anders.

Der Terminplan der Vereinssaison hat dazu geführt, dass Bundestrainer Joachim Löw im frisch gekürten Kapitän Philipp Lahm und seinem Vertreter Bastian Schweinsteiger zwei Säulen der WM-Mannschaft gar nicht erst nach Ungarn mitgenommen hat.

Quartett arbeitet in Südtirol

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Wie ihre beiden Klubkollegen Jörg Butt und Thomas Müller arbeiten sie stattdessen in Südtirol weiter an ihrer Fitness.

"Für uns ist es ein schmaler Grat und eine gewisse Schere, wenn man nur zwei Vorbereitungsspiele hat, um die Mannschaft einspielen zu lassen", bekennt Löw. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Aber ich habe den Mut, diese Spieler nicht einzusetzen, weil ich möchte, dass sie in den nächsten Wochen Top-Form bringen. Ab Montag sollen sie sich am Mannschaftstraining beteiligen."

"Einspielen über das Training"

Erst dann wird sich die Formation für den Turnierstart finden. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

"Das Einspielen wird hauptsächlich über das Training stattfinden", sagt der Bundestrainer, der mit seinem Team vor der Abreise ans Kap noch am 3. Juni in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina antritt.

Die Partie in Budapest, die ursprünglich 2009 zum 20. Jahrestag des Mauerfalls und zu Ehren des ungarischen Anteils daran hätte stattfinden sollen, steht nun also unter anderen Vorzeichen.

Testballons in der zweiten Halbzeit

"Wir wollen dort die Dinge umgesetzt sehen, die wir hier trainiert haben. Wir wollen gewinnen und gehen das Spiel seriös an", kündigt Löw an. 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer)

"Ich bin bereit, ab der 45. oder 60. Minute gewisse Experimente einzugehen, um manche Spieler noch einmal zu sehen."

So soll zum Beispiel Marcell Jansen seine Daseinsberechtigung im endgültigen WM-Kader nachweisen: "Es ist wichtig, ihn zu testen, ob er in der Wettkampfsituation, in einem Länderspiel das Tempo mitgeht."

Es werde im Ferenc-Puskas-Stadion allerdings "nicht jeder Einzelne" die Gelegenheit bekommen, sich zu zeigen.

"Casting"- Entscheidung "wird brutal"

So lässt Löw offen, ob Holger Badstuber zu seinem Debüt kommt.

Bevor der Bundestrainer festlegt, welche zwei Spiele er zum Ende der Meldefrist nach Hause schickt, will er "noch das Ungarn-Spiel und ein, zwei Trainingseinheiten abwarten".

"Diese Entscheidung?", stöhnt der 50-Jährige jetzt schon, "wird nicht nur für die beiden Spieler, sondern auch für den Trainer brutal." (EINWURF: Gelungene Diplomatie)

SPORT1 hat die Fakten zum Spiel:

Die Bilanz:

32-mal traf die deutsche Nationalmannschaft bislang auf Ungarn. Dabei gab es elf Siege, zehn Unentschieden und elf Niederlagen bei 66:64 Toren.

Unvergessen sind das 3:8 und der spätere 3:2-Finalerfolg bei der WM 1954. Die letzte Begegnung, die deutsche Generalprobe vor der EM 2004, gewannen die damals von Lothar Matthäus trainierten Ungarn in Kaiserslautern mit 2:0.

Damals debütierten Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger im DFB-Dress.

Die Spieler im Fokus:

Manuel Neuer: Der Schalker Schlussmann steht vor seinem vierten Länderspiel. Es ist sein erstes als deutsche Nummer 1: "Ich habe alles dafür getan, bei der WM zu spielen. Ich bin bereit, in der Nationalmannschaft die Verantwortung zu übernehmen?, hatte er schon vor seiner Berufung gesagt: "Ich fühle mich reif für diese Aufgabe.?

Marcell Jansen: Der Hamburger muss den Nachweis bringen, dass er körperlich wieder in der Nähe von 100 Prozent angekommen ist. Ist dem so, reist Jansen mit nach Südafrika.

Miroslav Klose: In seinem 95. Länderspiel wird der Münchner die Kapitänsbinde tragen. "Er braucht die Spielpraxis", sagt Löw. Die Partie soll den bei den Bayern zuletzt nur sporadisch eingesetzten Stürmer seinem benötigten Rhythmus ein gutes Stück näher bringen."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Ungarn: Kiraly - Bodnar, Vanczak, Juhasz, Bodor - Szelesi, Vadocz - Huszti, Koman, Dzsudzsak - Torghelle

Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker, Westermann (Friedrich), Aogo - Khedira - Trochowski, Özil, Kroos, Podolski - Klose

Schiedsrichter: Claus Bo Larsen (Dänemark)

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