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Miroslav Klose (r., mit Löw) hat in 95 Länderspielen 48 Tore erzielt © getty

Nach dem Testspiel in Ungarn hält der Bundestrainer mit seinem Urteil nicht hinterm Berg: "Miro Klose ist noch nicht in Form."

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Budapest/Girlan - Das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft in Budapest gegen Ungarn (3:0) war am Samstag knappe 40 Minuten alt, da brach es aus Miroslav Klose heraus.

Der Ersatz-Kapitän hatte sich auf dem rechten Flügel freigestohlen, eine entblößte gegnerische Außenbahn vor sich und trat an. Doch das Zuspiel kam nicht.

Stattdessen zog Piotr Trochowski mit dem Ball nach innen und verlagerte das Spiel dann auf die andere Seite.

Da sich die Geräuschkulisse im Ferenc-Puskas-Stadion zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich von der auf einem Bezirksligasportplatz unterschied, war Kloses frustriert gebrülltes "Mann, hey!" von jedermann deutlich zu vernehmen.

Zumal er vor Wut in die Luft sprang und dabei heftig mit den Armen ruderte.

Klose ist am Zug

Klose steht unter Spannung, das war für jeden offensichtlich. Nach einer Saison, in der er weit von seinen eigenen Ansprüchen entfernt geblieben ist, hat ihm Bundestrainer Joachim Löw zwar mit der Nominierung sein Vertrauen ausgesprochen.

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Doch nun ist Klose am Zug. Denn die Konkurrenz punktet: Mit Lukas Podolski, Mario Gomez und Cacau erzielten alle anderen eingesetzten Angreifer in Ungarn ihr Tor.

"Ich habe auch die eine oder andere Torchance gehabt", sagte Klose über seinem 60-minütigen Einsatz. Konkret gefährlich wurde der 31-Jährige aber nur einmal, als er nach rund einer halben Stunde von der Strafraumgrenze knapp verzog.

Spielpraxis für den Rhythmus

"Es war gut, mal wieder zu spielen, um wieder einen Rhythmus zu bekommen", meinte Klose. Denn den hat er in der vergangenen Spielzeit in München nicht entwickeln können.

Von seinen 25 Ligaspielen absolvierte er lediglich zehn von Beginn an, gar nur ganze vier über 90 Minuten. Die Bilanz: Drei Tore, eine Vorlage.

In acht Champions-League-Einsätzen erlebte er kein einziges Mal die volle Spieldauer auf dem Rasen. Sein einziger Treffer war der wichtige, aber irreguläre Treffer beim Münchner 2:1-Hinspielsieg im Achtelfinale gegen Florenz. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Löw redet Klartext

"Dass Miro Klose noch nicht in Form ist, ist klar", macht Löw aus dem Status quo kein Geheimnis. "Uns war bewusst, dass dies kein leichtes Unterfangen wird. Miro hat lange nicht gespielt. Es ist harte Arbeit für ihn und uns, ihn auf das Niveau zu bringen."

Der Stürmer selbst streitet das nicht ab: "Ich muss schon noch ein bisschen tun, die Spritzigkeit ist noch nicht so da, wie ich es brauche."

Die Erkenntnis, sich auf sich selbst konzentrieren zu müssen, hat es ihm wohl erleichtert, mit der Kapitänsentscheidung der sportlichen Leitung umzugehen.

Kapitänsentscheidung "nicht so wichtig"

"Ich habe das Thema nicht so wichtig genommen, wie es die Presse getan hat", erklärte er. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

"Natürlich habe ich die meisten Länderspiele nach Michael Ballack. Aber für mich war die vergangene Saison nicht so gut, ich kam im Klub nicht so zum Zug. Deshalb war die Entscheidung so in Ordnung."

Kloses Augenmerk gilt nun allein dem Ziel, zu Turnierbeginn so weit wiederhergestellt zu sein, dass er der Mannschaft als Stammkraft helfen kann. Das könnte knapp werden.

Konkurrenz ist besser in Schuss

"Es gibt noch Zeit, aber Miro muss im Training mächtig arbeiten, um Sicherheit und Selbstbewusstsein zu bekommen", fordert Löw. 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer)

Dass andere Angreifer in deutlich besserer Frühform sind, setzt den WM-Torschützenkönig von 2006 zusätzlich unter Druck. "Es ist schon so, dass jede Position doppelt besetzt ist. Deshalb ist der Konkurrenzkampf da", räumt Klose ein.

Der Bundestrainer ist aber noch weit davon entfernt, Klose für die erste Elf zum WM-Start schon abzuschreiben.

Erneut wie Phönix aus der Asche?

"Miroslav Klose ist auch ein Spieler, der die Wettkampfsituation kennt", erinnert er. "Er war immer dann da, wenn man ihn schon abgeschrieben hat. Dann hat er in harten Kämpfen zugeschlagen."

Philipp Lahm ist sogar sicher, dass es auch diesmal so kommt. "Miro hat bewiesen, wie wertvoll er für die Nationalmannschaft ist", meint der Kapitän. "Um ihn brauchen wir uns keine Gedanken machen."

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