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Dennis Aogo (links, mit Joachim Löw) wurde 2009 mit der U 21 Europameister © getty

Trotz Westermanns Ausfall' verzichtet Löw auf eine Nachnominierung. Dafür steigen für einen Hamburger die Stammplatz-Chancen.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Budapest/Girlan - Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Heiko Westermann plant Bundestrainer Joachim Löw offensichtlich keine Nachnominierungen.

DFB-Mediendirektor Harald Stenger erklärte bei der Pressekonferenz im Trainingslager in Südtirol, dass dies im Moment kein Thema sei.

Löw muss erst bis Dienstagnacht um 24 Uhr sein endgültiges 23-köpfiges Aufgebot für die WM in Südafrika benennen.

Zuvor war davon ausgegangen worden, der DFB werde bereits im früheren Verlauf des Dienstags etwaige personelle Entscheidungen mitteilen. "Morgen wird keine Entscheidung darüber bekanntgegeben, wie die weiteren Überlegungen der sportlichen Leitung aussehen", so Stenger.

Da waren es nur noch 24

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Somit bleibt also noch etwas mehr Zeit, um sich auf den endgültigen 23 Mann starken WM-Kader festzulegen. Und die Vielzahl seiner Optionen verringert sich immer mehr.

Wer die Sinnhaftigkeit des von Löw initiierten WM-Castings in der Vorbereitung auf das Turnier in Südafrika jemals in Frage gestellt hat, musste sich schon vor längerer Zeit revidieren.

Löw hat viele Eventualitäten miteinkalkuliert - und das ist gut so. (EINWURF: Beck droht der Ernstfall)

Die Entscheidung "wird wehtun"

Westermann ist die sechste fest eingeplante Größe, auf die die sportliche Leitung nun verzichten muss.

Dennoch muss Löw immer noch einem Spieler das Heimreise-Ticket in die Hand drücken. "Diese Entscheidung wird für den Spieler und den Trainer brutal", hatte Löw angekündigt. "Sie wird wehtun."

Und zudem eine Konsequenz der Personalproblematik, die sich wie ein roter Faden durch die Vorbereitung zieht.

Boateng für Westermann?

Status quo im Findungsprozess für die Startelf im ersten WM-Gruppenspiel gegen Australien ist der folgende: Acht Plätze sind vergeben.

Im Tor spielt Manuel Neuer. In der Abwehrreihe steht die Innenverteidigung mit Per Mertesacker und Arne Friedrich. Philipp Lahm besetzt eine der beiden Außenverteidiger-Positionen.

"Wo ich spiele, hängt davon ab, auf welcher Außenposition der Trainer die bessere Alternative sieht", sagt der Kapitän. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

Spielt Lahm links, kommt auf der rechten Außenbahn Jerome Boateng zum Zug. Nicht unwahrscheinlich, denn mit Westermann ist die erfahrenste Option für links hinten weggefallen.

Beck bleibt gelassen

Es bleiben Dennis Aogo, der aufgrund der Entwicklungen in Windeseile vom Streichkandidaten zum Stammplatzaspiranten aufgestiegen ist, und Holger Badstuber.

Er wird zumindest als vielseitiger Backup in der Defensive benötigt.

Andreas Beck ist nach wie vor Streichkandidaten Nummer eins.

"Ich denke, der Bundestrainer bewertet alle Trainingseinheiten und geht nicht nur nach diesem Spiel", meinte der Hoffenheimer gelassen nach dem 3:0 in Ungarn, das er 90 Minuten lang von außen ansehen musste.

Auch Jansen selbstsicher

Die Mittelfeldzentrale geht im Ausgangssystem 4-2-3-1 an Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira.

In der offensiven Dreierreihe davor haben links Lukas Podolski und Mesut Özil ihre Startplätze sicher.

Marcell Jansen wird als Vertreter von Podolski für Südafrika eingeplant: "Ich glaube nicht, dass ich gestrichen werde", meint der Hamburger, der in den Trainingseinheiten als Linksverteidiger keine Option war.

Kroos, Müller, Marin oder Trochowski?

Heiß wird der Kampf um die rechte offensive Außenbahn. Piotr Trochowski hat sich hier bislang durchaus empfohlen. Gegen Ungarn wurde er aber vom noch wirkungsvolleren Marko Marin abgelöst.

"Ich glaube, ich habe einen guten Eindruck hinterlassen", meinte der Bremer, der das zweite Tor vorbereitete. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Weil Toni Kroos allerdings die Zentrale räumen muss, wenn Löw nicht im 4-1-4-1 agieren lässt, bewirbt sich der bislang starke Bayern-Rückkehrer ebenfalls für diese Position. Und dann ist da noch der von Löw hochgeschätzte Thomas Müller, der jetzt erst ins Mannschaftstraining einsteigt.

Saurer Apfel für Kießling?

Gemeinsam ist allen Kandidaten für die rechte Außenbahn, dass sie auch auf der anderen Seite zurechtkommen, anders als Jansen aber keine geborenen Linksfüßer sind.

Im Angriff ist plan Löw nach wie vor mit Miroslav Klose, auch wenn der Bundestrainer einräumte, dass der WM-Torschützenkönig von 2006 "noch nicht in Form ist".

Mario Gomez sammelte mit seinem Treffer in Budapest Selbstvertrauen, hat aber ebenfalls noch Luft nach oben.

Die besten Karten hat nach seinem Tor gegen Ungarn zum 3:0 wohl Cacau. 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer)

Beißt Kießling in den sauren Apfel?

Prinzipiell wollte Löw zwar alle Angreifer nach Südafrika mitnehmen. Am Freitag knüpfte er diese Aussage aber explizit an die Bedingung, dass sich niemand mehr verletzt.

Mit Westermanns Ausscheiden ist das Statement des Bundestrainers obsolet.

Entscheidet sich Löw, mit Beck kurzfristig doch noch eine weitere Defensivabsicherung mitzunehmen, könnte Kießling noch in den sauren Apfel beißen.

Erneute Doping-Kontrolle

Derweil hat die Nationalmannschaft zum zweiten Mal Besuch von Doping-Kontrolleuren erhalten.

Am Montagmorgen um 8 Uhr trafen überraschend zwei FIFA-Mitarbeiter im DFB-Hotel Weinegg ein und losten von den 24 Spielern des vorläufigen WM-Kaders acht aus, die dann geweckt werden mussten, um sich dem Test zu unterziehen.

Bei sieben Spielern wurde eine Urinprobe genommen, ein Profi musste sich zusätzlich einem Bluttest unterziehen.

Welche Spieler von dieser Maßnahme betroffen waren, teilte der DFB nicht mit.

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