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Philipp Lahm debütierte im Februar 2004 in der A-Nationalmannschaft gegen Kroatien © getty

Eine Hiobsbotschaft folgt der nächsten. Doch der neue Kapitän sieht keinen Grund, die Zielsetzung nach unten zu korrigieren.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Girlan ? Seine erste große repräsentative Herausforderung fiel ins Wasser.

Weil Horst Köhler am frühen Nachmittag seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erklärte, bekam Philipp Lahm nicht die Gelegenheit, Angela Merkel am Montagabend im Namen der Mannschaft im DFB-Quartier in Südtirol willkommen zu heißen.

"Ich freue mich auf die Bundeskanzlerin", hatte der frisch ernannte Kapitän der Nationalmannschaft im Vorfeld stets betont. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

Merkel unabkömmlich

Doch Merkel, die ausrichten ließ, sie werde sich telefonisch bei Bundestrainer Joachim Löw und Lahm melden, ist beim Krisenmanagement in Berlin nun unabkömmlich.

Auch die Aufgabe, die Lahm nun übernommen hat, kommt einem "Krisenmanagement" durchaus nahe. MitHeiko Westermann ist nach der 3:0 in Ungarn der sechste fest eingeplante Profi für Südafrika ausgefallen.

Doch Lahm propagiert ungerührt, es gebe keinen Grund, die Ansprüche an die deutsche Auswahl bei der WM herunterzuschrauben.

"Halbfinale realistisches Ziel"

"Für die deutsche Nationalmannschaft muss das Halbfinale ein realistisches Ziel sein", meinte ihr mit 26 Jahren jüngster WM-Kapitän aller Zeiten. "Auch wenn die Gruppenphase nicht ohne ist und wir in jedem der drei Spiele zu 100 Prozent auf dem Platz stehen müssen."

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Vor den widrigen Bedingungen zu kapitulieren, ist so gar nicht Lahms Sache: "Natürlich ist es bitter, dass wir so viele Ausfälle haben. Aber wir haben immer noch eine sehr starke und qualitativ hochwertige Mannschaft, mit der wir weit kommen können." 241981(DIASHOW: Das DFB-Formbarometer)

Es sei zwar "hart, dass jetzt auch Heiko ausgefallen ist", dennoch müsse die Blickrichtung schon wieder nach vorne gehen:

"Die Mannschaft darf sich durch solche Rückschläge nicht beeinflussen lassen. Wir müssen uns top auf das Turnier vorbereiten, für uns geht es auch nach Heikos Abreise ,normal? weiter."

Breites Kreuz, flacher Hierarchie

Auf seiner ersten Pressekonferenz als Spielführer lebte Lahm damit schon genau das vor, was er sich auf die Fahne geschrieben hat:

Mit breitem Kreuz vorneweg gehen, eng abgestimmt mit den übrigen vier Mannschaftsratsmitgliedern Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Arne Friedrich und Miroslav Klose.

"Wichtig ist, dass wir Führungsspieler diese Probleme auffangen", sagte er. "Wir müssen mutig sein und selbstbewusst auftreten." (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Demonstratives Selbstvertrauen

Daher redet Lahm den verbliebenen Kader stark. "Unsere deutschen Fähigkeiten haben wir ja nach wie vor", behauptete er in der "Süddeutschen Zeitung". "Entscheidende Tore können wir immer noch besser schießen als andere."

Seine Überzeugung ist, dass das Team nur über eine "positive Ansprache" funktioniert.

"Als Kapitän muss ich den jungen Spielern Sicherheit und Selbstvertrauen vermitteln. Sie sollen spüren", schob er im "kicker" hinterher, "dass alle hinter ihnen stehen und sie Fehler machen dürfen." (EINWURF: Beck droht der Ernstfall)

Zudem gelte es "den Willen ausstrahlen, etwas reißen zu können".

Kaum noch Routiniers im Kader

Da im verbliebenen Aufgebot, das der Bundestrainer bis Dienstag, 23:59 Uhr, auf 23 Spieler gestutzt haben muss, nur noch vier Akteure mit Jahrgang 1983 und älter stehen, kommt diesen Aufgaben in den nächsten Wochen eine erhöhte Bedeutung zu.

Lahm hat sich auch vorgenommen, ?noch mehr als bisher ins Team hineinzuhorchen?, um in der Kommunikation mit Löw die Position der Spieler realitätsgetreu wiedergeben zu können.

Dem Mannschaftsinteresse ordnet er sich auch dann unter, wenn es wie vor jedem der vergangenen drei Turniere darum geht, auf welcher Position er denn nun spielen wird.

Lahm keine Option für die Sechs

"Ich würde die rechte Seite bevorzugen, stelle mich aber in den Dienst des Teams", sagte er. "Findet der Trainer eine gute Lösung für links, spiele ich rechts. Und umgekehrt."

Dass er aufgrund der personellen Notlage auf der Sechserposition aushilft, schließt er aus: "Man braucht nicht davon auszugehen, dass ich bei der WM im defensiven Mittelfeld spiele."

Auch danach wohl eher nicht, denn Lahm rechnet fest mit der Rückkehr von Michael Ballack.

"Ich gehe davon aus, dass er noch ein Turnier mit der Nationalmannschaft spielen will", erklärt Lahm. "Und dann wird er auch wieder Kapitän."

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