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Joachim Löw (r.) verzichtete zuletzt auf Torsten Frings in der Startelf © imago

Auf den Fall Kuranyi folgt der Fall Frings. Beide Konflikte im DFB-Team hat Bundestrainer Joachim Löw bewusst herbeigeführt.

Von Andreas Kloo und Mathias Frohnapfel

München - Nach den öffentlich geäußerten Rücktrittsgedanken von Torsten Frings hat Bundestrainer Joachim Löw seine Entscheidung den Bremer auf die Bank zu setzen, noch einmal verteidigt.

In Richtung von Frings stellt er unmissverständlich klar: "Er genießt bei mir weiterhin hohe Wertschätzung, allerdings kann ich im Sinne des Konkurrenzkampfes keine Stammplatz-Garantie geben. Wenn Torsten die neue Rolle annimmt, bin ich froh, wenn er dabei bleibt."

SVW-Sportdirektor Klaus Allofs rät seinem Schützling vom Rücktritt ab: "Er ist ein sportlich wichtiger Teil der Nationalelf. Das weiß auch Joachim Löw - und wenn nicht, wird er dies noch merken."

"Konkurrenzkampf" - das ist das Schlagwort der neuen Löw-Strategie nach der EM. Seit dem verlorenen Endspiel gegen Spanien hinterfragt der Bundestrainer jede einzelne Position.

Schweinsteiger überrascht

Allerdings zeigt sich jetzt überdeutlich, dass diese neue Strategie auch unliebsame Probleme in der bislang so heilen Nationalmannschafts-Welt mit sich bringt.

Den Rauswurf Kuranyis haben nach dessen plötzlicher Flucht während des Russland-Spiels wohl alle DFB-Akteure akzeptiert. Dass Torsten Frings nun zweimal hintereinander nur auf der Bank saß, damit haben nicht alle gerechnet:

"Torsten hat in den letzten Jahren immer in der Mitte gespielt. Natürlich war ich da überrascht, dass da jetzt ein anderer gespielt hat", schildert Bastian Schweinsteiger auf Nachfrage von Sport1.de seine Reaktion auf Löws Entscheidung.

Rein sportliche Entscheidung

Frings hat einen guten Stand innerhalb des Teams, wie Schweinsteiger verdeutlicht: "Es wäre schade, wenn er jetzt aufhören würde, denn er ist ein guter Typ. Er verbreitet sehr viel gute Laune innerhalb der Mannschaft und ist ein guter Charakter."

Für Löw besteht nun die Gefahr, dass die Hierarchie im Nationalteam völlig aus den Fugen gerät. Aber offensichtlich will der Bundestrainer darauf keine Rücksicht nehmen, sondern nur die sportlichen Aspekte für die Mannschaftsaufstellung in Betracht ziehen.

Und was das Sportliche angeht, hat Frings schlechte Karten: Die Nichtberücksichtigung für die Spiele gegen Russland und Wales sei "keine Frage fehlenden Respekts gegenüber ihm, wie er das formuliert, sondern der Einschätzung der sportlichen Situation im Nationalmannschaftskader und damit auch seiner sportlichen Perspektiven", hält Löw fest.

Mit anderen Worten: Frings Perspektiven sind schlecht.

Den Jüngeren den Vorzug

"Im Blick auf die WM 2010 in Südafrika müssen auch jüngere Spieler, die sich in der Bundesliga ebenfalls durch gute Leistungen hervortun, ihre Chance erhalten.", verteidigt der Bundestrainer noch einmal seine Linie.

Die Entscheidung gegen Frings ist für Löw also nur das konsequente Fortführen seiner Strategie, einen Umbruch einzuläuten.

Adler statt Lehmann im Tor, Westermann statt Metzelder in der Abwehr, Hitzlsperger statt Frings im Mittelfeld, Helmes und Gomez statt Kuranyi und Neuville im Sturm.

Neuer Unruheherd

Löw gibt jeweils den jüngeren Kandidaten den Vorzug. Problematisch wird es nur, wenn die älteren Spieler die Zurückstufung nicht akzeptieren. "Sie sind nicht besser!", sagt Frings zu seinen Konkurrenten im Mittelfeld, Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger.

Löw wird also vergeblich auf einen einsichtigen Torsten Frings warten. Neben dem Dauerkonflikt zwischen Kapitän Michael Ballack und Teammanager Oliver Bierhoff ist so ein zweiter Unruheherd in der Nationalmannschaft entbrannt.

Die sportliche Position des DFB-Teams mit der Tabellenführung in ihrer Qualifikationsgruppe bereitet momentan keine Sorgen. Stellt sich die Frage, ob die Konflikte bald auch negative Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen des DFB-Teams haben werden.

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