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Im Juni 2004 bestritt Bastian Schweinsteiger sein erstes A-Länderspiel für den DFB © getty

Bastian Schweinsteiger hat einen bemerkenswerten Reifeprozess durchgemacht. Nun soll er dem deutschen Spiel Struktur geben.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Girlan/Frankfurt - Bastian Schweinsteiger hat sich lange gerieben an der Ansicht von Uli Hoeneß, der vor Jahren meinte, man müsse ihm immer mal wieder den "Puder aus dem Hintern blasen".

Er war damals bereits "Schweini", ein Star und Teenager-Schwarm, und als solcher lässt man sich nicht gerne derart bevormunden, wie es der langjährige Bayern-Manager und heutige -Präsident mit ihm machte.

"Uli Hoeneß hatte Recht", sagt Schweinsteiger nun, auch wenn ihn dieses Bekenntnis sichtbar Überwindung kostet und in ein "aber nur ein bisschen" mündet.

"Ich empfand mich nicht so flippig"

Schließlich hat er sich nie als den Hallodri betrachtet, als der er wahrgenommen wurde.

"Ich empfand mich gar nicht so flippig. Ich hatte vielleicht immer mal wieder eine andere Frisur und war öfter mit Poldi unterwegs, das hat immer lustig ausgesehen", meinte Schweinsteiger. "Aber jeder entwickelt sich doch weiter. Das ist ein normaler Prozess."

Bei dem 25-Jährigen hat die zunehmende Reife viel mit Louis van Gaal zu tun. Der Münchner Coach verpflanzte Schweinsteiger beim Rekordmeister von der rechten Außenbahn ins Mittelfeldzentrum.

In die Verantwortung gedrängt

Dass er dort fast gezwungen war, viel Verantwortung zu übernehmen, tat dem Edeltechniker gut.

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"Es kommt mir entgegen, dass der Trainer mich in der Mitte einsetzt, wo meine Stärken liegen", erklärt er seinen Aufschwung: "Die Zeiten, in denen ich nach einem Dribbling nach innen gezogen bin und geschossen habe, sind vorbei."

Nun beeindruckt Schweinsteiger mit starkem Zweikampfverhalten, präzisen Zuspielen, großem Spielverständnis und Ballsicherheit. Die nach wie vor mangelnde Antrittschnelligkeit fällt auf der zentralen Mittelfeldposition kaum ins Gewicht.

Hoeneß zieht den Hut

"In dieser Saison hat er den großen Sprung geschafft von einem jungen Mann, der keine Orientierung hatte im Leben, zu einem sehr verantwortungsbewussten Spieler", adelte ihn jüngst sogar Hoeneß.

Dass der Klubboss Schweinsteiger vor Jahren mit Erfolg vor dem Abheben bewahrt hat, kommt nun also der Nationalmannschaft zugute.

Dort lastet nun die anspruchsvolle Aufgabe auf seinen Schultern, dem deutschen Spiel bei der WM in Südafrika eine Linie zu geben.

Wie Ballack, nur anders

"Er soll auf dem Platz die Rolle von Michael Ballack gemäß der eigenen Spielweise interpretieren", fordert Bundestrainer Joachim Löw.

Schweinsteiger solle der "emotionale Leader" sein, "der Motor, der die Mannschaft auf dem Platz antreibt". Der Münchner selbst hat nur eine grobe Ahnung, was sich Löw unter ersterem vorstellt: "Vielleicht hat er gemeint, dass ich voller Emotionen in manchen Dingen agiere."

Beim Begriff "Leader" gibt es dagegen keine Verständnisprobleme. Für Schweinsteiger ändert sich durch die Beförderung in der mannschaftsinternen Hierarchie nach seiner Ansicht wenig.

Ansprechpartner für die Jungen

"Ich unterhalte mich viel mit den jungen Spielern und dem Trainerstab. Das hätte ich aber auch getan, wenn ich jetzt nicht Vize-Kapitän geworden wäre", behauptet er. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

Allerdings haben sich auf dem Weg von Basti zu Bastian die Prioritäten auf dem Platz gewandelt.

"Mir ist jetzt wichtig, dass wir kompakt stehen und die Ordnung halten", sagt er. "Denn es ist zwar ein schönes Gefühl, wenn man ein Tor macht. Aber das Gefühl ist noch besser, wenn man ein Spiel zu null gewinnt."

Vertrauen in Khedira

Damit das in Südafrika möglichst oft gelingt, muss er mit Sami Khedira, seinem neuen Partner im defensiven Mittelfeld, schnell zusammenfinden.

"Wir müssen klug genug sein, eine gute Mischung aus Defensive und Offensive zu finden. Man kann sich nicht immer nach vorne einschalten", mahnt Schweinsteiger, der erst am Montag ins Mannschaftstraining eingestiegen ist.

Dass die Zeit für die Feinabstimmung in der deutschen Spielzentrale bis zum WM-Auftaktspiel gegen Australien am 13. Juni zu kurz bemessen sein könnte, glaubt er nicht: "Ich bin von Samis Stärke überzeugt. Gute Spieler verstehen sich auf dem Platz immer."

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