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Marcell Jansen (l.) und Lukas Podolski im Sprint-Duell © getty

Mit dem Trainingslager liegt die zweite Etappe der Vorbereitung hinter der deutschen Mannschaft. Das Fazit ist begrenzt positiv.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Girlan - Wenn um 13.30 Uhr der Flieger aus Bozen in Richtung Frankfurt abhebt, ist das WM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol Geschichte.

"Auch wenn die Vorfreude natürlich da ist, dass es jetzt endlich in Richtung Turnier geht und wir in Frankfurt noch ein Vorbereitungsspiel bestreiten können, denken wir mit viel Freude und Zufriedenheit an dieses Trainingslager zurück", sagt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff (der deutsche Kader im Überblick).

"Wir haben uns hier in Eppan sehr wohl und super aufgehoben gefühlt. Wie zu Hause. Wir haben perfekte Bedingungen vorgefunden und tolles Wetter gehabt. Das spielt natürlich auch rein."

Dass die Region Südtirol zudem die kompletten Kosten für den Aufenthalt der DFB-Auswahl übernahm, machte sie zu einem idealen Gastgeber.

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Allerdings kam es bei den Südtirolern nicht gut an, dass sich die Nationalmannschaft anfangs im Hotel und auf dem Trainingsgelände abschottete und hinter blickdichten Zäunen aufhielt.

Von "Alcatraz in Südtirol" war bald zu lesen. "Wir bezahlen ihren Aufenthalt von unseren Steuergeldern, bekommen sie aber nicht zu sehen", lautete der Tenor.

Autogrammeschreiben am Hotel

Der DFB reagierte, schickte am Mannschaftshotel in regelmäßigen Abständen Spieler zum Autogrammeschreiben zu den wartenden Fans und öffnete das Testspiel gegen den FC Südtirol (4:0) am vorvergangenen Montag sowie die vorletzte Trainingseinheit am Dienstag für die Öffentlichkeit.

"Wir wollten damit den Südtirolern und den vielen deutschen Touristen die Möglichkeit geben, die Nationalmannschaft mal von Nahem zu sehen", begründete Bierhoff diese Maßnahme.

Nach seinen Informationen seien am Dienstag 1100 Kinder da gewesen, die eigens schulfrei bekommen hätten.

Keine Spur von Lagerkoller

13 Tage hat sich der DFB-Tross inklusive des Kurztrips zum Länderspiel nach Ungarn (3:0) nun in Girlan aufgehalten.

"Der Lagerkoller, der von vielen hier schön befürchtet wird, ist zumindest hier in der Vorbereitung überhaupt nicht aufgetreten", stellte Bierhoff fest. "Die Zeit ist sehr schnell vergangen."

Nach der Anreise aus Sizilien und einem ruhigen Wochenende mit gemeinsamem TV-Konsum des Champions-League-Finales hatte die Verletzung von Christian Träsch im Testspiel gegen den FC Südtirol am Montag vor einer Woche auf die Stimmung gedrückt.

Die Bayern kommen

Tags darauf trafen mit Thomas Müller, Holger Badstuber, Miroslav Klose und Mario Gomez die ersten Bayern im DFB-Quartier ein, während Südtirol den Tod des langjährigen Landesvaters Silvius Magnago betrauerte.

Mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Jörg Butt reisten am Mittwoch dann auch die letzten Nominierten an.

Müller sorgte unterdessen mit einem Fahrradsturz für eine Schrecksekunde, zog sich dabei aber keine schlimmeren Blessuren zu.

Messner zu Besuch

Dem Donnerstag mit dem Besuch von Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner auf dem Trainingsplatz und einem 24:0 im Testspiel gegen eine U-20-Auswahl der Gemeinde Eppan folgte die Auflösung der lange diskutierten Torhüter- und Kapitänsfrage.

Der 3:0-Erfolg in Ungarn bekam am Sonntag mit dem WM-Aus von Heiko Westermann einen schalen Nachgeschmack.

Die Freude des Bundestrainers, am Montag endlich alle Spieler, auch die Münchner Nachzügler, gemeinsam im Mannschaftstraining vorzufinden, war daher gedämpft.

Merkel muss absagen

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Besuch in Girlan nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler absagen musste, passte zum Gesamteindruck, dass in dieser Vorbereitung trotz aller Mühen bei Weitem nicht alles rund läuft.

Letzteres dürfte auch Andreas Beck so empfunden haben, der am Dienstagabend noch aus dem deutschen WM-Kader gestrichen wurde 243958(DIASHOW: Streichopfer des DFB).

Denkt er später an das Trainingslager zurück, wird sich seine "Freude und Zufriedenheit" eher in Grenzen halten.

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